Basketball in Zeiten von Corona: Qual, viral

Vom Virus geschwächt verliert Alba Berlin in der Euroleague gegen Barcelona und gibt eine Ahnung davon, wie die Saison verlaufen könnte.

Albas Niels Giffey setzt sich gegen Nikola Mirutic durch.

„Wichtig, dass die Unterhaltung weitergeht“: Niels Giffey setzt sich gegen Nikola Mirutic durch Foto: Imago/Camera 4

Am Ende standen elf Spieler auf dem Spielberichtsbogen, genug fürs Spiel gegen den FC Barcelona. Acht Alba-Profis hätten es nach den Vorgaben der Euroleague zwingend sein müssen. Anfang dieser Woche war noch nicht klar, ob die Berliner genug Spieler zusammenkriegen für die Partie am Donnerstagabend in Berlin. Das Corona­virus hatte sich bei gleich sieben Alba-Spielern eingenistet.

Das zuständige Gesundheitsamt ordnete eine strenge Quarantäne fürs Team an. 17 Tage konnte Alba nicht trainieren. Nur drei Einheiten waren vor der Begegnung gegen die Katalanen möglich. Der amtierende deutsche Meister traf quasi rekonvaleszent auf eines der besten Teams der Euroleague – und verlor erwartungsgemäß hoch mit 67:103. Das Virus hatte Albas Chancen radikal minimiert.

„Gut, dass wir wieder auf hohem Niveau competen“, sagte Flügelspieler Niels Giffey in ­fließendem Denglisch, während ihn Medienchef Justus Strauven von hinten an der Hüfte packte und auf die vorschriftsmäßigen 1,50 Meter Abstand zu den ­Journalisten brachte, die wiederum 20 Zentimeter als ausreichend erachteten. „Nur so können wir wieder in den hohen Rhythmus reinkommen“, ergänzte Giffey, also mit Spielen gegen Topteams.

Er hatte zwei Stunden vor seinem Mixed-Zone-Interview eine fast leere Halle betreten. Die Zuschauerränge waren aus Gründen der Seuchenprävention verwaist. Die Musik plärrte trotzdem so laut wie in alten Zeiten, als müsste der DJ zehntausend Menschen unterhalten – und nicht nur eine Schar handverlesener Medienleute, die brav in ihre Masken atmeten.

„Es ist wichtig, dass die Unterhaltung weitergeht, wir sind ja schließlich im Unterhaltungsbusiness“, sagte Giffey, der trotz des „ekligen“ Spielausgangs, wie er einräumte, ein bisschen Spaß auf dem Parkett hatte. Pures Entertainment war das freilich nicht: Das aufgeregte Quietschen der Gummisohlen auf dem Belag und das nimmermüde Lamentieren von Gästetrainer Šarūnas Jasikevičius, der auch bei hoher Führung stets etwas am Spiel der Seinen auszusetzen hatte, dienten als akustische Untermalung einer alles in allem deprimierenden Inszenierung – einer Simulation von Sport, wie er einmal war.

Fernsehen kann kaschieren

Das Fernsehen kann die trostlose Szenerie noch ganz gut kaschieren (vielleicht hat man sich auch daran gewöhnt?), wenn man sich allerdings mittendrin befindet im Coronasport der pandemischen Neuzeit, dann hüllt einen die trostlose Atmosphäre ein wie eine nasse, kratzige Wolldecke.

Giffey ist offenbar ein pragmatischer Typ. Den Wettkampf hatte er kurzerhand um­gewidmet in eine Übung: „Uns hilft gerade jede Trainingseinheit.“ Stück für Stück könne es in dieser schwierigen Situation nur vorangehen, ergänzte Alba-Coach Aíto Reneses, der mit seinem Team am Sonntag gegen Frankfurt in die Bundesliga-Saison startet und sich bis dahin auf die Suche nach „Vitaminen“ begeben will, damit seine Mannschaft wieder zu Kräften kommt.

Der Trainingsrückstand war offensichtlich. Barcelona zockte den überforderten Gegner mit einer sagenhaften Dreierquote von 52,2 Prozent ab. Vor allem die ehemaligen NBA-Spieler Alex Abrines (Oklahoma City Thunder) und Nikola Mirutić (Chicago Bulls) zeigten, was sie draufhaben.

Auf den anderen Seite musste Trainer Reneses auf Stammkräfte wie Maodo Lô und Peyton Siva verzichten. Letzterer bekannte in einem Podcast, dass er im Gegensatz zu seinen positiv getesteten Teamkollegen mit einigen Covid-19-Symptomen zu kämpfen hatte: „Mein Körper fühlte sich komisch an. Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, ich habe aufrecht im Bett gesessen“, so schilderte er den Krankheitsverlauf. „Das war definitiv keine Erkältung, die geht nach ein, zwei Tagen weg. Es hat mir Angst gemacht, auch weil ich nicht wusste, was noch kommt. Aber nach einigen Tagen wurde es besser.“

Siva rät dringend zum Tragen von Masken. Auf dem Spielfeld müssen sie jedoch noch nicht übergestreift werden, wenngleich die Mitarbeiter der Berliner Gesundheitsämter diese Maßnahme vielleicht begrüßen würden, denn sie urteilen über das virale Geschehen im Basketball mit unerbittlicher Strenge. Während im Bereich des erstklassigen Profifußballs Coronapositive oft nur aussortiert werden und der Normalbetrieb für die restlichen, negativ getesteten Spieler weiterläuft, müssen Basketballspieler offenbar zwingend in Quarantäne.

Die Deutsche Fußball-Liga hat hierfür die Kategorie 2 („geringes Infektionsrisiko“) erfunden. Das heißt: Weil das Hygienekonzept der Fußballer so genial ist, müssen Kicker, die mit infizierten Spielern oder Klubpersonal in Kontakt waren, nicht in Hausarrest. Viele Gesundheitsämter spielen da mit. Niels Giffey wunderte sich wie manch anderer über die unterschiedlichen Ansätze in verschiedenen Sportarten und Ländern: „Da wird es schwierig, über die gesamte Saison eine ausgeglichene Competition zu haben“, sagte er.

Es ist also damit zu rechnen, dass sich die Basketballliga in der Coronakrise mühsam von Spieltag zu Spieltag quält, froh darüber, irgendwie wirtschaftlich zu überleben und von existenzgefährdenden Positivtests verschont zu werden.

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