Auswirkungen der Coronakrise: Lieber reich in der Pandemie

Ein neuer Bericht zeigt: Von finanziellen Verlusten in der Pandemie sind vor allem Leute mit niedrigem Einkommen und die untere Mittelschicht betroffen.

Viele Menschen in einer Fußgängerzone tragen Mund-Nasenbedeckung

Finanzielle Einbußen in der Coronakrise sind über die Einkommensgruppen ungleich verteilt Foto: Christoph Hardt/imago

Gelobt seien der gehobene öffentliche Dienst und das Homeoffice – wer hingegen schlecht bezahlt in der privaten Dienstleistung oder im nicht homeofficetauglichen Job tätig ist, hat es schwerer in Coronazeiten. Dies zeigt sich im am Donnerstag veröffentlichten Verteilungsbericht des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI).

Als „besorgniserregend“ wertete WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch das Ergebnis der Erhebung, auch weil Betroffene mit Einkommensverlusten eher bereit seien, Verschwörungsmythen zu glauben.

Bei der Befragung von 6.000 Erwerbspersonen im April und Juni dieses Jahres erwies sich, dass die finanziellen Einbußen in der Coronapandemie über die Einkommensgruppen ungleich verteilt sind: Von den Haushalten, die ein Nettoeinkommen von 900 bis 1.500 Euro im Monat haben, verloren mehr als 40 Prozent an Einkünften. Unter den Mehrpersonenhaushalten mit Einbußen in dieser Gruppe hatte mehr als die Hälfte Verluste von über 25 Prozent zu verzeichnen.

Von den Haushalten mit Einkommen von über 4.500 Euro netto im Monat beklagten nur 26 Prozent Verluste. Unter den Mehrpersonenhaushalten in dieser Gruppe hatten nur 28 Prozent Einbußen von über 25 Prozent zu verkraften.

Kurzarbeit eher in Kleinbetrieben

Es verdeutliche sich, dass „Befragte mit mittleren Einkommen häufiger von der Krise betroffen waren als Befragte mit hohen Einkommen“, heißt es in dem Verteilungsbericht. Prozentual die höchsten Einbußen hatten Einkommensgruppen von unter 900 Euro, wobei dies ein Bereich ist, in dem Haushalte unter Umständen dann Hartz IV beantragen müssen.

Es seien besonders „jüngere Befragte“ gewesen, die Einbußen hinnehmen mussten, heißt es in dem Bericht. Ein wesentlicher Grund für Verluste sei die Kurzarbeit. Insbesondere Befragte in kleinen oder Kleinstbetrieben wurden häufig in Kurzarbeit geschickt. Darunter fanden sich häufig Beschäftigte aus dem Gastgewerbe, aber auch aus dem verarbeitenden Gewerbe sowie im Verkehr- und Logistiksektor.

Auch Selbstständige und FreiberuflerInnen fielen „mit hohen Einbußen“ auf, so der Bericht. Kaum von Kurzarbeit betroffen hingegen waren Beschäftigte im öffentlichen Dienst oder im Finanz- und Versicherungsdienstleistungssektor.

Mitte ist nicht gleich Mitte

Die WSI-ForscherInnen betrachteten auch die Einkommensverteilungen in den zurückliegenden Jahren von 2010 bis 2017. Laut Bericht legten die Haushalte mit mittleren Einkommen in dieser Zeit an Einkünften zu. Die 20 Prozent der Haushalte mit den geringsten Einkommen blieben hingegen von „einer insgesamt recht positiven Einkommensentwicklung“ in dieser Zeit „weitgehend abgekoppelt“, so der Verteilungsbericht.

Im bisherigen Verlauf der Coronakrise nun habe sich der Rückstand der Haushalte mit niedrigen Einkommen noch verschärft. „Und diesmal fallen auch Haushalte im ‚unteren‘ Bereich der mittleren Einkommensgruppen gegenüber jenen mit hohen Einkommen zurück“, so die ForscherInnen.

Das Statistische Bundesamt stellte am Donnerstag fest, dass die Armutsgefährdung von Kindern in Deutschland sinke. Das Ausmaß der „Kindeswohlgefährdung“, etwa durch Vernachlässigung und Gewalt, sei hingegen im Anstieg begriffen, hieß es.

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