Auslastung der Intensivbetten in Berlin: Kliniken sehen Doppelrot

Zwei der drei Corona-Warnampeln stehen am Montag auf „Rot“, Intensivbetten werden knapper. Senatorin: „Harter Frühling“ steht bevor.

Die Charité verschiebt viele planbare OPs um mehr Personal auf den Intensivstationen zu haben Foto: picture alliance/dpa | Christophe Gateau

BERLIN taz | Die Corona-Warnampel, die den Auslastungsgrad der Intensivbetten in den Berliner Kliniken anzeigt, steht seit Sonntag auf „Rot“: 25,8 Prozent der zur Verfügung stehenden Bettenkapazitäten auf den Intensivstationen sind laut Corona-Lagebericht der Gesundheitsverwaltung mit Covid-19-PatientInnen belegt. Damit liegt der Wert über der 25-Prozent-Marke, die der Senat als kritisch einstuft.

Aktuell stehen damit wieder zwei der drei Corona-Warnampeln auf „Rot“, weil man auch bei der 7-Tage-Inzidenz mit 114,1 deutlich über dem vom Senat als kritisch definierten Wert von 30 liegt. Für den Fall, dass zwei Ampeln „rot“ zeigen, hat der Senat Handlungsbedarf beschlossen.

Am heutigen Dienstag will der Senat auf seiner regulären Sitzung über eine Verlängerung des aktuell noch bis Sonntag geltenden Lockdowns entscheiden, hieß es am Montag. Bis wann die neue Verordnung dann gelten solle, sei laut einer Sprecherin noch nicht sicher. Nach dem im Januar beschlossenen Parlamentsbeteiligungsgesetz dürfen Änderungen an der Verordnung für maximal vier Wochen beschlossen werden, die letzte Fassung gilt seit dem 2. April.

Zuletzt hatte die Ampel Mitte März Doppelrot gezeigt – da allerdings außer bei der Inzidenz beim Reproduktionswert, also dem Faktor, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt. Die bis Anfang April dadurch beständig gestiegenen Fallzahlen sorgen jetzt für eine zunehmend prekäre Lage auf den Intensivstationen. Der Berufsverband der Intensiv- und Notfallmediziner (DIVI) hatte bereits vergangene Woche vor einer „absolut kritischen Situation“ gewarnt. Bundesweit waren die Kapazitäten mit nur noch rund 1.400 freien Betten am Wochenende so gering wie noch nie, hatte DIVI-Chef Christian Karagiannidis am Sonntag getwittert.

2,5 freie Betten pro Klinik

In Berlin waren laut DIVI vergangene Woche noch 2,5 Betten pro Klinik frei – ein besserer Wert als in anderen Großstädten, wo es statistisch teils weniger als ein Bett pro Klinik gebe. „Auf den Intensivstationen ist eine Auslastung von 80 Prozent die absolute Obergrenze. Mehr geht nicht“, hatte Steffen Weber-Carstens, Leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und operativer Intensivmedizin der Charité, dazu gesagt.

Wie die Situation am Montag war, konnte die Charité auf Anfrage nicht sagen, man sei dazu „angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens“ nicht in der Lage. Seit Wochenbeginn verschiebt die Charité wie auch die landeseigenen Vivantes-Kliniken erneut planbare OPs. um mehr Personal für die Intensivstationen zu haben.

Von Vivantes hieß es am Montag auf Anfrage, derzeit würden 202 Menschen mit Covid-19 behandelt, 65 von ihnen intensivmedizinisch. Damit seien im Intensivbereich knapp 68 Prozent der Betten belegt. Eine Sprecherin des Konzerns erklärte, man könne „die Kapazitäten von Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit entsprechend der dynamischen Entwicklung des Infektionsgeschehens durch weitere Betten erweitern, diese Möglichkeit ist jedoch durch die personelle Situation begrenzt.“

Allgemein gilt in Kliniken die Personalausstattung als Nadelöhr. Schon vor der Pandemie gab es einen Personalmangel bei Pflegekräften, seither haben nicht wenige aus Frust oder Stress gekündigt.

Coronakrankenhaus auf „standby“

Trotz der zugespitzten Lage gebe es bislang keine Pläne, das Notfall-Coronakrankenhaus an der Messe in Betrieb zu nehmen, erklärte die Vivantes-Sprecherin – der Konzern ist für die Organisation der Reserveklinik zuständig.

Im Gesundheitsausschuss sagte Kalayci am Montag, berlinweit seien 176 Intensivbetten für Covid-PatientInnen frei. Innerhalb von 24 Stunden seien zudem 283 weitere Intensivbetten aktivierbar. Außerdem gebe es 460 Covid-19-Patienten in „Normalbetten“, hier seien noch 2.700 Betten frei. Kalayci sagte, sie halte es zudem für möglich, dass Berlin demnächst auch PatientInnen aus Brandenburg, Thüringen oder Sachsen aufnehmen könne, wo die Lage sehr angespannt sei: „Bisher gibt es noch keinen Antrag, Patienten zu übernehmen, aber wir rechnen, wenn die Entwicklung so weitergeht, sehr bald damit.“

Kalayci warnte auch vor einem „harten Frühling“: Die britische Virusmutante mit schwereren Krankheitsverläufen auch bei Jüngeren mache inzwischen 86 Prozent der Neuinfektionen aus, entsprechend verjünge sich auch das Alter der PatientInnen auf den Intensivstationen.

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