Ausfälle und Verspätungen bei Tuifly

Die Kunden vergessen schnell

Tuifly will ab sofort wieder alle Flüge anbieten. Einige Forderungen der ArbeitnehmerInnen werden erfüllt. Experten befürchten keinen langfristigen Imageschaden.

Eine blaue Boeing 737-800 von Tuifly überfliegt eine Landebahn

Tuifly will wieder abheben Foto: dpa

BERLIN dpa | Die Fluggesellschaft Tuifly macht ihren PassagierInnen Hoffnung, dass am Sonntag wieder alle Maschinen regulär abheben. „Wir werden das gesamte Flugprogramm der Tuifly fliegen können“, sagte ein Sprecher der Airline am Samstagabend. Die Zahl der Krankmeldungen bei den Crew-Mitgliedern nehme ab. Die Fluggesellschaft prüfe, ob noch zusätzlich Maschinen gechartert werden müssten. Man erwartete, dass alle 114 Flüge am Sonntag stattfinden können.

Bei der Airline kam es tagelang zu massiven Ausfällen und Verspätungen, weil sich viele Besatzungen krank gemeldet hatten. Allein am Samstag wurden mehr als 100 Verbindungen gestrichen. Vor einer Woche war bekannt geworden, dass Tuifly in eine neue Dachholding unter Führung von Etihad integriert werden soll. VertreterInnen der ArbeitnehmerInnen befürchteten Jobverluste und kritisierten unkonkrete Informationen.

Seitdem hatten zahlreiche Krankmeldungen für Ausfälle gesorgt. Tausende Passagiere waren betroffen. Am Freitag kam Tui den Forderungen der ArbeitnehmerInnen mit einer mindestens dreijährigen Standort- und Tarifgarantie entgegen. Zudem wurde eine Entscheidung über die geplante Neuordnung auf Mitte November verschoben.

Die Flugausfälle der Vortage führen nach Meinung eines Tourismusforschers zu einem kurzfristigen Imageschaden. Derzeit sei der Schaden relativ groß, sagte Rainer Hartmann von der Hochschule Bremen. Potenzielle KundInnen würden das aber – wie in vielen Bereichen des Tourismus – auch schnell wieder vergessen. Gerade bei der Wahl von Fluglinien achte man vor allem auf Sicherheit und auf den Preis.

Auch Air Berlin musste Flüge streichen

„Ich denke, dass das relativ schnell wieder vergessen sein wird“, sagte Hartmann, der zu Freizeit- und Tourismusmanagement forscht. Das werde aber auch davon abhängen, wie Tuifly mit Menschen umgehe, deren Flüge ausgefallen seien. „Da sehe ich ein gewisses Risiko gerade.“ Der Tui-Konzern hatte mitgeteilt, keine Entschädigungen an PassagierInnen zahlen zu wollen. Er beruft sich auf höhere Gewalt, ReiserechtlerInnen zweifeln das an. „Das kommt natürlich nicht so gut“, sagte Hartmann.

Auch der Tourismusforscher Torsten Kirstges hatte die Ankündigung der Tuifly als ungeschickt bewertet. „Da hätte man sich besser bedeckt gehalten“, sagte der Experte der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. Einen langfristigen Imageschaden befürchte er nicht. „Das Gedächtnis der Urlauber ist doch meist sehr kurzfristig.“ Auch die fortdauernden wirtschaftlichen Schwierigkeiten beim Tuifly-Leasingkunden Air Berlin seien nach seiner Einschätzung noch nicht beim breiten Publikum angekommen.

Torsten Kirstges, Tourismusexperte

„Das Gedächtnis der Urlauber ist doch meist sehr kurzfristig“

Die Probleme bei Tuifly führten auch am Samstag zu Flugausfällen bei Air Berlin. Die Berliner strichen 23 von 78 Flügen, die eigentlich von Tuifly für Air Berlin erbracht werden. Die übrigen Flüge sicherte das Unternehmen mit Hilfe anderer Fluggesellschaften und mit Crews, die freiwillig Sonderschichten leisten, wie eine Sprecherin sagte.

Schlechte Kommunikation

Forscher Kirstges sagte zur Debatte um Tuifly, der soziale Umgang von Fluggesellschaften mit ihren MitarbeiterInnen habe kaum Auswirkungen auf die Ticket-Kaufentscheidung. „Da schlägt der günstige Preis die Moral und Solidarität mit den betroffenen Mitarbeitern.“ Auch Hartmann von der Hochschule Bremen erklärte, er glaube, am Ende sei für KundInnen meist der Preis entscheidend.

Skeptisch äußerte sich Kirstges über die geschäftlichen Aussichten des geplanten neuen Ferienfliegers mit rund 60 Flugzeugen, in dem Tuifly und Teile von Air Berlin aufgehen sollen. Die geplante Gesellschaft stünde kaum besser da als ihre Vorgänger. Unverständlich sei auch die schlechte Kommunikation der Unternehmen gegenüber den eigenen MitarbeiterInnen, die nun zusätzliche Millionenkosten verursache. „Denen schlagen die Pläne mächtig auf den Magen.“

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