Ausblick auf 2021: Kein Grund zum Durchatmen

Während eine engagierte Pfarrerin über Kirchenasyl spricht, sammelt die Bewegungsplattform Stressfaktor für in Not geratene linke Projekte.

Auch das Frauenkneipenkollektiv Café Cralle kann Spenden gut gebrauchen Foto: Promo

Nein, kitschig-erbaulich ist Pfarrerin Phines Weihnachtsbotschaft nicht. Als „handfeste Störung des rassistischen Alltags des Ertrinkenlassens“ begreift sie ihre Arbeit bei Asyl in der Kirche. In der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Was tun?“ der Wed­din­ge­r*in­nen Inken Behrmann und Valentin Ihßen kommt Phine zu Wort und erzählt von der Entwicklung des Kirchenasyls in Berlin und Brandenburg, von den sich verändernden Repressionsstrategien des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge und vom Widerstand dagegen.

Ebenfalls aus dem Wedding kommt die Einladung, bei einem virtuellen, politischen Stadtteil-Quiz mitzumachen. Das traditionsreiche Frauenkneipenkollektiv Café Cralle hat eine aufwendige Multi-Media-Karte mit Fragen zu den linken Hotspots des Cralle-Kiezes erstellt. Die Lösungen sind versteckt in Texten, Video- und Audiobeiträgen zur kämpferischen Geschichte und Gegenwart des Roten Wedding. Das Lösungswort schickt mensch dann an cafecralle@riseup.net. Unter den richtigen Einsendungen wird dann am 26. Dezember ein Preis verlost.

Wie für das Café Cralle gibt es auch für viele weitere linke Kollektive und Projekte in Berlin noch keinen Grund zum Durchatmen. Weiterhin fallen feste Kosten an, während Einnahmen wegbrechen und vom Staat keine Kohle beantragt werden kann oder will. Diese Räume aber bilden die Infrastruktur der radikal linken Szene. Solipartys, Debatten, Informationsveranstaltungen und günstige Mahlzeiten hängen von ihrem Überleben ab.

Die Bewegungsplattform Stressfaktor will hier mit einer Spendenaktion Linderung schaffen. Spenden gehen an Stressfaktor, IBAN: DE50 1001 0010 0636 9291 03, Betreff: Covid-Soli. Bedrohte Projekte können sich mit einer Mail an stressfaktor@squat.net wenden.

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„Selbstverständlich ist für uns, dass keine kommerziellen Interessen verfolgt werden, wobei wir das Bezahlen von Mitarbeitenden nicht als kommerzielles Interesse verstehen“, heißt es vom Stressi auf die Frage, welche Projekte aus dem Spendentopf unterstützt werden sollen. „Der Ort sollte kollektiv betrieben, und sich politisch links verstehen, dass bedeutet sich für eine emanzipatorische und antikapitalistische Politik einsetzen.“

Nein, kitschig-erbaulich ist der Ausblick auf 2021 wirklich nicht. Doch wo es handfest wird, menschlich und möglichst herrschaftsfrei, da ist meist auch viel Schönes dabei.

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Redakteur der taz Bewegung und im Social Media Team. Autor für Themen queer durch die Kirchenbank. Studierter Religions- und Kulturwissenschaftler.

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