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Audiowalk zu Anton Wilhelm AmoDekoloniales Flanieren

Die Umbenennung der M*-Straße in Berlin-Mitte war nur der Anfang: Ein Audiowalk durch Deutschland erinnert an den Philosophen aus dem heutigen Ghana.

Mit der Umbenennung der ehemaligen M*-Straße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße endet die Erinnerungsarbeit nicht: Das Bündnis Anton Wilhelm Amo Erbschaft präsentiert zum ersten Jahrestag der Umbenennung am kommenden Sonntag einen Audiowalk, der die Spuren Amos erkundet: dem Philosophen, der Anfang 1700 im heutigen Ghana geboren wurde und in Deutschland studierte und lehrte.

Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von Initiativen in Deutschland, Ghana und den Niederlanden, die auf das Leben und Wirken Amos aufmerksam machen wollen. Gemeinsam haben sie einen Audiowalk konzipiert, der durch Berlin und andere Lebensstationen Amos in Deutschland führt. Amo, der im Kindesalter aus dem heutigen Ghana nach Wolfenbüttel kam, lehrte nach seinem Studium der Philosophie an den Universitäten Wittenberg, Halle und Jena.

Das Projekt will das Leben des Philosophen nicht nur aus historischer Perspektive zugänglich machen, sondern auch aufzeigen, wer überhaupt über Amo spricht und zu ihm forscht. Mit einer interaktiven Karte werden verschiedene Orte gezeigt, die mit Amos Leben verbunden sind. Aber auch Orte, die mit dekolonialem Aktivismus zu tun haben, finden einen Platz auf der Karte. Klickt man diese an, öffnet sich ein kleines Fenster, das den Ort näher beschreibt, sowie eine dazugehörige Audiodatei, die auf Deutsch oder Englisch angehört werden kann.

In Berlin gibt es sechs eingetragene Stationen. Zu ihnen zählt zum Beispiel auch die Ghanastraße im Afrikanischen Viertel in Wedding, deren Benennung kritisch eingeordnet wird. Natürlich gibt es auch eine Station an der Anton-Wilhelm-Amo-Straße mit Informationen zur Geschichte der Straße und zur Umbenennung.

Der alte Straßenname leitete sich von einer früher gebräuchlichen, rassistischen Bezeichnung für Schwarze Menschen ab. Gegen die Umbenennung gab es immer wieder Proteste und auch Klagen. Die Umbennenung haben verschiedene zivilgesellschaftlichen Ak­teu­r*in­nen über Jahrzehnte erkämpft.

Premiere beim Amo-Fest

Am 23. August ist es dann schließlich so weit: Der zweisprachige Audiowalk wird beim Anton-Wilhelm-Amo-Fest in der gleichnamigen Straße offiziell eröffnet. Mit Musik, Gesprächen und einer Kundgebung soll nicht nur die Umbenennung gefeiert, sondern auch an Amo erinnert werden; stellvertretend auch für die Menschen afrikanischer Herkunft, deren Namen und Leben in Deutschland vergessen wurden.

Zu Amos Biografie wird weiter geforscht: Andrea-Vicky Amankwaa-Birago ist Gründerin des Bündnisses Anton Wilhelm Amo Erbschaft. Ein Teil der Beiträge für den translokalen Audiowalk stammt aus über Jahre von ihr geführten Interviews mit Ak­teu­r*in­nen aus Deutschland, Ghana und den Niederlanden.

Gerade die auditive Ebene spielt für Amankwaa-Birago eine Rolle. „Es ist eine Sache, eine Geschichte aufzuschreiben“, sagt sie. „Aber wenn man Stimmen anhören kann, macht das etwas mit deinem Körper“. So schaffe man auch Mehrstimmigkeit. Die verschiedenen Ak­teu­r*in­nen und Initiativen werden daher auch auf der interaktiven Karte mit Links vermerkt, um auf ihre Arbeit weiter aufmerksam zu machen.

Wenn man Stimmen anhören kann, macht das etwas mit deinem Körper

Amankwaa-Birago

Amankwaa-Birago hat die Hoffnung, dass der Audiowalk die Menschen dazu anregt, selbst aktiv zu werden und sich informieren zu wollen. „Egal ob man sich das live vor Ort oder zu Hause anhört: Ich hoffe, man fragt sich dann vielleicht, was macht das mit mir und was hat das mit meiner Geschichte zu tun?“, sagt sie.

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