AstraZeneca-Impfungen in Berlin: Noch nicht genug Stoff für alle

Arztpraxen dürfen AstraZeneca an alle verimpfen. Die kassenärztliche Vereinigung mahnt zur Geduld. In Kürze soll es eine Liste von Impfärzten geben.

Eine Person mit Handschuhen hält eine Arzneimittelpackung. Astrazeneca 5 Milliliter steht darauf.

Dieser Impsaft steht in Berlin künftig allen zur Verfügung Foto: dpa

BERLIN taz | Offiziell gibt es den Corona-Impfstoff AstraZeneca nun für alle in Berliner Arztpraxen. Damit dürfen Haus­ärz­t:in­nen das Mittel unabhängig von Altersgruppen oder Vorerkrankungen verabreichen. Der Senat hat am Donnerstag die Priorisierung der Impfverordnung für das Mittel aufgehoben.

Praktisch dürfte aber noch lange nicht genug Stoff für alle vorhanden sein: Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) begrüßte die Freigabe zwar grundsätzlich, verweist aber in einer Mitteilung darauf, „dass es in Praxen bisher nicht ausreichend Impfstoff gibt“.

Auch deswegen appellierte die KV „an alle Impfwilligen, sich einige Tage zu gedulden, bis wir auf unserer Website eine Übersicht der Praxen veröffentlicht haben, die AstraZeneca verimpfen und vorhandene Dosen noch nicht verplant haben“, wie es vom Vorstand der KV heißt. Auf Anfrage der taz hieß es, dass in der nächsten Woche eine solche Liste vorliegen solle. Auf der Internetseite sollen dann Praxen zu finden sein, die AstraZeneca-Impfungen auch für Pa­ti­en­t:in­nen ohne Haus­ärz­t:in anbieten.

Bisher verabreichten laut KV nur 200 Modellpraxen in Berlin AstraZeneca. Insgesamt impften bisher 1.500 Praxen – Tendenz steigend. Demnach wurden dort bisher rund 84.000 Dosen Biontech und 24.500 Dosen AstraZeneca verimpft. Die KV erhofft sich eine Aufhebung der Priorisierung „auch bald für alle Impfstoffe, sobald diese ausreichend vorhanden“ seien. Insgesamt wurden in Berlin gut eine Million Impfdosen verabreicht, 300.000 Personen sind vollständig geimpft.

AstraZeneca ist im Vergleich zu den anderen Impfstoffen aufklärungsintensiv, weil es in seltenen Fällen bei unter 60-Jährigen zu Blutgerinnseln kommen kann. Das Risiko soll zwischen 1 zu 150.000 und 1 zu 260.000 liegen, für jüngere Frauen allerdings höher sein. Laut Europäischer Arzneimittel-Agentur und Weltgesundheitsorganisation überwiegt der Nutzen das Risiko.

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Unter 60-Jährige sollten sich über AstraZeneca ausführlich beraten lassen. Wohl auch deswegen hielt es Gesundheistssenatorin Dilek Kalayci (SPD) für sinnvoll, die Priorisierung für Haus­ärz­t:in­nen aufzuheben: Aktuell komme es darauf an, „möglichst viele Menschen möglichst bald zu immunisieren“.

Zudem hieß es von der Gesundheitsverwaltung, die Zweitimpfungen von über 60-Jährigen mit Astrazeneca, die ihre erste Impfung in den Corona-Impfzentren Tegel und Tempelhof erhalten haben, würden ab dem 3. Mai an Nachmittagsterminen im Impfzentrum Tempelhof fortgesetzt. Unter 60-Jährige erhielten in den Impfzentren ihre Zweitimpfung mit dem mRNA-Imfpstoff von Moderna. Das betrifft etwa bereits geimpfte Berufsgruppen wie Krankenhauspersonal.

Während in den sozialen Medien sich viele Menschen über die Aufhebung der Priorisierung freuten, kritisierte der SPD-Politiker Thomas Isenberg im Tagesspiegel diesen Schritt und damit auch seine Parteikollegin Kalayci. Es drohe nun ein Hauen und Stechen um den Impfstoff: „Es darf nicht sein, dass derjenige, der die besten Kontakte oder die stärksten Ellbogen hat, am schnellsten einen Termin bekommt und andere nicht.“

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