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„Artemis 2“ auf RücktourZurück zur Erde – und nun?

Die „Artemis 2“ befindet sich nach neun Tagen im All wieder auf ihrer Rückreise. Was hat die Mission außer einem neuen Rekord eigentlich gebracht?

Astronaut Victor Glover ist einer der Ersten, der die Rückseite des Mondes mit eigenen Augen gesehen hat. Und? Foto: NASA

Aus Berlin

Evke Bakker

Mit der „Artemis 2“-Mission sind zum ersten Mal seit 1972 Menschen zum Mond geflogen. Zwar landeten sie dort nicht, legten aber eine historische Rundreise von 1.123.500 Kilometern zurück. Mit einer Distanz von 406.000 Kilometern entfernten sich die vier Besatzungsmitglieder weiter von der Erde als irgendein Mensch zuvor. Aber wozu war das gut?

Laut einer Sprecherin der European Space Agency (ESA) geht es bei der „Artemis 2“-Mission weniger um wissenschaftlichen Fortschritt, sondern eher um die Symbolkraft des Projekts. Das eigentliche Ziel sei, zu zeigen, dass auch europäische Institute wettbewerbsfähig sind und an einem neuen „Space Race“ teilnehmen können.

Das konnte die europäische Raumfahrtbranche problemlos unter Beweis stellen. Immerhin war Deutschland mit dem in Bremen gebauten Europäischen Servicemodul (ESM) die buchstäblich treibende Kraft des Raumschiffs: Es stellt Antrieb, Temperatur und Strom für die Orion bereit und versorgt die vierköpfige Besatzung obendrein mit Luft und Wasser.

Die Deutsche Luft und Raumfahrtgesellschaft (DLR) hingegen betrachtet die Mondmission nicht nur als symbolischen Erfolg, sondern als wichtigen Schritt für die Wissenschaft. Bei der ersten Mondreise vor über 50 Jahren sei es natürlich vor allem um einen politischen Wettlauf gegangen, so ein DLR-Sprecher.

Dennoch: Während der Artemis-Mission seien zahlreiche wissenschaftliche und medizinische Tests durchgeführt worden. Außerdem hätten die As­tro­nau­t:in­nen die „legendäre dunkle Seite des Mondes“ betrachtet und kartiert. Dabei sollten unter anderem Vorkommen von Wasser und Wassereis sowie mögliche Änderungen seit der letzten Betrachtung der Mondrückseite erfasst werden. Auch ein südkoreanischer Satellit durfte per Anhalter mit ins All und wurde von dort aus gestartet.

Der Blick aus dem Vorgarten des Universums

Doch der Sinn der Mondmission geht laut DLR noch über diese wissenschaftlichen Experimente und Beobachtungen hinaus: „Es ist so, dass man auf dem Mond bleiben und dauerhaft Fuß fassen will“, erklärt Volker Schmid, Berater der Vorstandsvorsitzenden in Raumfahrtbelangen des DLR. Und um das zu ermöglichen, sei „Artemis 2“ eine Mission von unersetzlichem Wert.

Mit dem Flug habe man nicht nur die Steuerung und Flugbahn des Schiffs getestet, sondern auch die Lebenserhaltungssysteme an Bord. „Man hat geschaut, wie es sich in der Kapsel so lebt“, erklärt Schmid. Auf der „Artemis 2“ habe die Toilette beispielsweise nicht richtig funktioniert. „So was kann man nur im Flug testen“, sagte Schmid, der dreimal die Leitung von ISS-Experimenten übernahm.

„Der Mond ist ein Rückblick in die Erdgeschichte“, erklärt Schmid. For­sche­r:in­nen gehen davon aus, dass der Mond aus einem Teil der Erde besteht, der durch einen Meteoriteneinschlag ins All geschleudert wurde. Mehr über ihn herauszufinden, bedeute auch, mehr über unseren eigenen Planeten zu lernen, sagt Schmid. Außerdem eigne sich der Mond gut, um zu forschen. Vom Mond, sozusagen „aus dem Vorgarten des Universums“ von der Erde aus betrachtet, könne man nicht nur tiefer in den Kosmos schauen, sondern auch leichter Missionen Richtung Mars starten. Auch wenn das momentan noch etwas nach Science Fiction klinge, so Schmid.

Ein Ritt auf einem „Feuerball“

Am Freitag ist die Kapsel samt Besatzung wieder auf dem Rückweg Richtung Erde. Gegen 2 Uhr am Samstag deutscher Zeit soll das Raumschiff im Pazifik in der Nähe von San Diego landen. Der Wiedereintritt in die Atmosphäre und die Landung sind laut Ex­per­t:in­nen der riskanteste Teil der Mission – und zwar nicht nur, weil es bei dem unbemannten Probeflug „Artemis 1“ im Jahr 2022 Probleme mit dem Hitzeschild gab.

Die Raumkapsel wird mit 32-facher Schallgeschwindigkeit auf die Erdatmosphäre treffen. Dabei wird der Hitzeschild Temperaturen von 2.760 Grad Celsius ausgesetzt sein – etwa halb so heiß wie die Sonne. Kein Wunder also, dass US-Astronaut Victor Glover den Landeanflug durch die Atmosphäre als Ritt auf einem „Feuerball“ bezeichnete. Dieser wird sogar von der Erde aus am Himmel zu sehen sein. Die As­tro­nau­t:in­nen werden mit einem bereitstehenden Schiff eingesammelt.

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