Kaliindustrie: Arbeitende Hände
„Hand in Hand für die Kaliindustrie im Werratal“ – unter diesem griffigen Motto hat sich am gestrigen Donnerstag eine Menschenkette von K+S-Beschäftigten und Unterstützer/innen im Werratal, irgendwo zwischen Hessen und Thüringen, gebildet. Worum geht es? Um Arbeitsplätze: „Es ist fünf vor zwölf für uns“, betonte Harald Döll, Vorsitzender des Betriebsrats im Werk Werra und des K+S-Gesamtbetriebsrats. „Wir wollen ein Zeichen setzen und auf die vielen Tausend Arbeitsplätze hinweisen, die im Werratal und darüber hinaus auf dem Spiel stehen.“ Wegen ausstehender Genehmigungen und sehr stark begrenzter Entsorgungsmöglichkeiten hat sich die Situation des Werks Werra in den trockenen Sommermonaten weiter zugespitzt. Seit April 2016 sind bis zu 1.000 der insgesamt 4.400 Beschäftigten immer wieder in Kurzarbeit. Mit der Menschenkette wollten sich die Arbeitnehmer/innen „für den Kalibergbau im Werratal starkmachen“ und Druck auf oben ausüben: „Die Politik muss sich endlich bewegen“, so Ralf Becker, Unternehmensbetreuer der IG BCE für die K+S AG. „Das wäre auch ein längst überfälliges und klares Bekenntnis zur deutschen Kaliproduktion. Deshalb brauchen wir dringend eine Genehmigung für die Entsorgung der anfallenden Produktionsabwässer.“ Zu den Protesten aufgerufen hatten die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE). Die Betriebsräte aller anderen deutschen K+S-Standorte haben sich dem Aufruf angeschlossen. Prominenz ließ sich in Person des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Die Linke) blicken. Er sagte, die Beschäftigten dürften nicht die ersten Verlierer sein, aber auch die Ökologie dürfe nicht aus dem Blick geraten. „Die Region hat beides dringend notwendig.“ K+S darf derzeit wegen einer Übergangserlaubnis nur begrenzt und bis Ende des Jahres Salzabwasser in tiefe Gesteinsschichten versenken. Deshalb hatten seit April an mehreren Standorten wiederholt Teile der Produktion und Kaliförderung geruht. (taz)
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