Anzeigenverkauf beim Weser-Kurier: Ein Fall für den Presserat?

Die Werbeabteilung des Weser-Kurier bietet AnzeigenkundInnen bezahlte „journalistische Begleitung“ an. Das widerspricht journalistischen Prinzipien.

Eine Straßenbahn mit einer Weser-Kurier-Werbung.

Wirbt gern für sich und für andere: Der Weser-Kurier Foto: imago images/STPP

BREMEN taz | Die Trennung von Redaktion und Verlag ist eines der ethischen Grundprinzipien von journalistischer Arbeit. LeserInnen seriöser Zeitungen sollen sich darauf verlassen können, dass Anzeigenkunden nicht mit Geld Einfluss nehmen können auf die journalistische Berichterstattung. Um so verwunderlicher ist es, wie der Weser-Kurier für die Leistungen seiner Anzeigenabteilung wirbt.

„Tausende Werbebotschaften buhlen täglich um das Interesse potenzieller Kunden. In Einheitsbrei, PR-Geschwafel und Werbesprech“, so drastisch wertet die Anzeigenabteilung des Weser-Kurier ihre eigene Arbeit auf der Webseite wkmanufaktur.de. Aber natürlich nur, um dann das besondere Angebot seiner „Manufaktur“ anzupreisen: „Unsere Redakteure erzählen Ihre Geschichte so fesselnd wie informativ, während unsere Grafiker gedruckten und digitalen Formaten die Würze verleihen, die sie brauchen.“

RedakteurInnen erzählen die Geschichte der AnzeigenkundInnen? Die Webseite erläutert: „Storytelling und Branded Content. Das sind die zwei Begriffe, die in Kürze das repräsentieren, was Ihnen unsere Redakteure in Text, Stand- und Bewegtbild zu bieten haben. Mit ihrer langjährigen Erfahrung im Zeitungs- und Mediengeschäft hören sie zu, schreiben auf.“

Und nicht nur das. Die Werbeabteilung des Weser-Kurier bietet an: „Wir organisieren Ihre Konferenz.“ Die „WK-Manufaktur“ bietet an, das Programm auszuarbeiten, „inhaltlich wie gedruckt“ und besorgt ReferentInnen – und dann kommt der Satz, der es in sich hat: „Ob Ticker oder Nachbericht – auch die journalistische Begleitung übernehmen wir für Sie.“ Heißt das, dass Veranstalter die Konferenz-Organisation mit anschließendem „Nachbericht“ angeboten wird?

Wer ist die „Redaktion“?

Das wäre ein eindeutiger Fall für den Deutschen Presserat. Dieses Gremium wacht über die ethischen Prinzipien des Journalismus und insbesondere über die Trennung von Redaktion und Werbeabteilung des Verlages. Von ihm hat sich der Weser-Kurier im März des Jahres 2012 schon einmal eine Rüge eingefangen.

Denn auf seiner Immobilienseite standen Texte, die für den Kauf einer Eigentumswohnung warben, gleich mit Telefonnummer der Ansprechpartner der Immobilienfirma. Die kosteten je nach Platzierung einige tausend Euro, so stand es in Werbeprospekten, die den Immobilienfirmen zugestellt worden waren.

Nachdem der Fall in der taz öffentlich gemacht worden war, befasste der Presserat sich damit – und kam zu dem Ergebnis, dass es sich um einen eindeutigen Verstoß gegen das Gebot der Trennung von Werbung und Redaktion handelte. Seitdem steht auf der Immobilienseite klein das Wort „Anzeige“.

Die Versprechen der „WK-Manufaktur“ könnten den Presserat wieder interessieren. Der Verlagsleiter des Weser-Kurier, David Koopmann, erklärte auf Anfrage der taz zwar, mit dem Wort „Redakteure“ seien selbstverständlich „Sonderthemen-Redakteure“ gemeint. Und insofern würde die Zeitung „hier viel besser als vielleicht andere Medienhäuser“ Redaktion und Anzeigen-Akquisition trennen. Aber der Werbetext spricht ausdrücklich von „Redaktion“ und erklärt nirgends, dass damit nicht die Redaktion des Weser-Kurier gemeint sein soll.

Vor dem Bremer Landgericht hat der Weser-Kurier vor zwei Jahren schon einmal Probleme mit einer eigenwilligen Bezeichnung gehabt. Er warb für Beilagen mit einer hohen Zahl von „Abos“ – damit sei aber nicht die Zahl der AbonnentInnen gemeint, erklärte er dem Gericht. Die Richter fanden das nicht überzeugend und verurteilten ihn, solche Wettbewerbsverzerrungen zu unterlassen.

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