: Anklage wegen Volksverhetzung
Weil ein 30-jähriger Bremer mehrere Homosexuelle gestalkt, erpresst und ihre Namen für betrügerische Internet-Verkäufe genutzt haben soll, wird er jetzt von der Staatsanwaltschaft Bremen angeklagt
Von Karolina Meyer-Schilf
Weil er mindestens vier junge homosexuelle Männer tyrannisiert haben soll, ist gegen einen 30-jährigen Bremer jetzt Anklage unter anderem wegen Volksverhetzung, Bedrohung und versuchter Erpressung erhoben worden. Das berichtet Radio Bremen. Dem Beschuldigten drohen im Fall einer Verurteilung mehrere Jahre Haft. Wann der Prozess beginnen soll, ist bislang noch unklar.
Bekannt geworden waren die Ermittlungen gegen den Mann bereits im letzten Jahr. Weil die ihm vorgeworfenen Taten durch das Motiv als Hasskriminalität gegen Minderheiten gelten, hatte der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Damals war von mindestens zehn Geschädigten die Rede, angeklagt werden jetzt Taten gegen vier Opfer.
Der Beschuldigte soll unter anderem Facebook-Profile gefälscht haben, um seine Opfer zu bedrohen und sie zu outen. Einem der geschädigten jungen Männer soll er zudem einen Trauerkranz in die Schule geschickt und eine gefälschte Todesanzeige aufgegeben haben. Der Beschuldigte soll außerdem über Kleinanzeigen Tickets und Mobiltelefone im Namen der Opfer zum Verkauf angeboten haben. Diese bekamen daraufhin massive Probleme auch mit Inkassounternehmen, weil ihre Namen und zum Teil Adressen bei den Internet-Betrügereien angegeben worden waren.
Obgleich Hasskriminalität gegen Homosexuelle zunehme, sagte ein Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland gegenüber Radio Bremen, sei dieser Bremer Fall bislang einmalig. Stalking im Internet komme bislang eher selten vor. „Oftmals werden solche Verbrechen gar nicht erst angezeigt, und dann ist es sehr, sehr schwierig, Beweise zu finden und zu Verurteilungen zu kommen!“, sagte Christian Linker vom Bremer Rat & Tat-Zentrum für queeres Leben zu Radio Bremen. Er fordert, Homosexuelle müssten sich öfter zur Wehr setzen. „Das Leid dieser Personen ist unendlich groß“, sagt Linker. „Deswegen bin ich vor allem erstmal froh, dass es überhaupt zu einem Gerichtsverfahren kommt“.
Über die weiteren Hintergründe zu den Taten und zum Beschuldigten ist bislang nichts bekannt. Wann der Prozess beginnen kann, ist derzeit noch unklar.
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