Anhörung zur IBA im Abgeordnetenhaus: Brandenburg will auch mitmachen
Eine neue Internationale Bauausstellung in Berlin ist beschlossene Sache. Bei einer Anhörung werden Stimmen laut, auch Brandenburg miteinzubeziehen.
Foto: Hubert Link/picture-alliance
Marco Beckendorf ist einer dieser jungen Bürgermeister in Brandenburg, die sich vorgenommen haben, neue Wege zu gehen. Der Weg am Montag führte das 44-jährige Stadtoberhaupt von Wiesenburg/Mark im Landkreis Potsdam-Mittelmark ins Berliner Abgeordnetenhaus. „Wir sind die Underdogs, die es zu entdecken gilt“, sagte der Linkenpolitiker bei einer Anhörung im Ausschuss für Stadtentwicklung zur geplanten neuen Internationalen Bauausstellung (IBA).
Beckendorf hat es sich bei der Gelegenheit auch nicht nehmen lassen, seine Stadt als IBA-Standort ins Spiel zu bringen. „Die Grenzen zwischen Berlin und Brandenburg verschwimmen“, sagte er in der Anhörung. Sein Vorschlag: Ein altes Sägewerk in Bahnhofsnähe zum „IBA-Hub“ zu machen.
„Der Schwerpunkt unserer Stadtpolitik heißt Revitalisierung, Umnutzung und gemeinwohlorientierte Entwicklung“, erklärt Beckendorf den Abgeordneten und Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) im Ausschuss. Wegen der Bevölkerungsverluste in der Vergangenheit habe Wiesenburg viele solcher „Transformationsorte“ wie das Sägewerk. Sie alle sollen in Zusammenarbeit mit Vereinen, Initiativen und Genossenschaften neu genutzt werden. „Wir würden uns wünschen, dass ihr offen seid und auch ein paar Genossenschaften aus Berlin den Weg zu uns finden“, schloss Beckendorf duzend seinen Vortrag.
Wiesenburg will also neue Wege gehen, doch will das auch die neue IBA, die von 2034 bis 2037 ihre Projekte präsentieren soll? Die Erweiterung auf Brandenburg jedenfalls ist in der Vorlage, die der schwarz-rote Senat Ende März beschlossen hat, nicht vorgesehen. Wohl auch deshalb, weil sich die rot-schwarze Landesregierung in Potsdam bislang eher zurückhaltend gezeigt hat – auch, was die Finanzierung angeht.
Für Senator Gaebler war es daher naheliegend, die räumliche Kulisse einer neuen Bauausstellung auf den Berliner S-Bahn-Ring und die Schnittstelle zwischen Innenstadt und Stadtrand zu richten. Auch seinen thematischen Schwerpunkt, die „urbane Transformation der gebauten Stadt“, hat Gaebler am Montag noch einmal vorgestellt.
Kritik von der Linken
Kritik daran kam von der Linkspartei. „Die Gebietskulisse verstehe ich nicht“, sagte deren stadtentwicklungspolitischer Sprecher Michael Efler. Efler sieht „die Gefahr von Prestigeprojekten, bei denen es eher um Profitinteressen als um das Gemeinwohl geht“.
Das Senatskonzept, meinte Efler, enthalte zwar einige richtige Punkte wie den Umbau von Bestandsgebäuden. „Aber dieses Konzept ist noch keine Grundlage für uns, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen“, sagte Efler. „Der Senat hält sich alles offen.“
Andreas Otto, Grüne
Konkret schlägt die Linkspartei etwa vor, auch das SEZ als IBA-Projekt auszuwählen. Das Sport- und Erholungszentrum, das der Senat abreißen möchte, verdiene es, umgebaut zu werden, so Efler.
„Ich gehe davon aus, dass wir eine Umbau-IBA machen“, meinte auch der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto. „Wir erwarten von der IBA, dass sie Themen wie Kreislaufwirtschaft, Klimaschutz und einen schonenden Umgang mit Ressourcen stärkt.“ Vor allem aber sei es wichtig, dass Berlin solche Themen nicht alleine angeht. „Die IBA sollte in der gesamten Metropolenregion stattfinden“, forderte Otto.
Damit war der Blick über den Berliner Tellerrand auch von der Opposition gesetzt. Und nicht nur dort. Sehr konkret wurde in der Anhörung der Vorsitzende des Architekten- und Ingenieurvereins Berlin-Brandenburg, Sebastian Wagner. Er schlug vor, das Ringkonzept des Senats um einen Brandenburger Städtering zu erweitern.
Christian Gaebler (SPD)
„Brandenburg ist der Raum der Zukunft“, sagte, sehr zur Freude des Wiesenburger Bürgermeisters, Sebastian Wagner. „Deshalb ist es wichtig, dass Berlin als eine Stadt mit wenig Raum, eine Erweiterung der IBA auf Brandenburg auch als Chance sieht.“
Derartige Hoffnungen aber dämpfte der Senat. „Die IBA soll kein Mischwarenladen sein, wo jeder um die Ecke kommt“, sagte Stadtentwicklungssenator Gaebler. „Deshalb haben wir einen Rahmen gesetzt.“ Auch dem SEZ als möglichem IBA-Projekt erteilte Gaebler eine Absage.
Immerhin versprach der Senator, keine voreilige Besetzung eines kuratorischen Geschäftsführers zu planen. Dies solle eine Findungskommission leisten, die demnächst eingesetzt werde. Als erster öffentlichen Auftritt ist eine IBA-Auftaktausstellung geplant, die am 30. Juni in der Alten Feuerwache am Flughafen Tempelhof eröffnet werden soll.
Wie sehr Brandenburg frischen Wind in die IBA-Diskussion in Berlin bringen kann, zeigte am Ende noch einmal Wiesenburgs Bürgermeister. „Wir spielen mit dem Understatement“, sagte er und ließ dabei keinen Zweifel daran, mit diesem Augenzwinkern als Underdog erfolgreich sein zu wollen. „Wir wollen der FC Union der IBA werden.“
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