American Airlines und US Airways: Das „hässliche Mädchen“ heiratet
Jahrelang hat US Airways einen Partner gesucht. Jetzt ist es soweit. Durch den Zusammenschluss mit American Airlines entsteht die größte Fluglinie der Welt.
FORTH WORTH/TAMPA/NEW YORK dpa/rtr | American Airlines und US Airways schließen sich zur weltgrößten Fluglinie zusammen. Die Gesellschaften gaben ihre Pläne am Donnerstag offiziell bekannt. Gemeinsamer Name wird American Airlines sein. Die Anteilseigner von American Airlines werden wie erwartet 72 Prozent an der gemeinsamen Gesellschaft halten, die der kleineren US Airways 28 Prozent.
Konzernchef wird allerdings US-Airways-Lenker Doug Parker. Er gilt als Architekt der Fusion. American-Airlines-Chef Tom Horton wird Vorsitzender des Verwaltungsrats. Alle Drehkreuze und Flugziele sollen erhalten bleiben, wie es hieß. Hauptsitz wird Dallas-Fort Worth. Ab dem Jahr 2015 wollen die Fluglinien jährlich eine Milliarde Dollar durch den Zusammenschluss einsparen.
Die wirtschaftlich seit Jahren chronisch schwächelnden Unternehmen wollen so ihre Chancen im Markt gegenüber Delta und United Continental verbessern. Analysten bewerten den Schritt, über den seit langem verhandelt wird, als positiv. An der Börse haben die Aktien von US Airways seit Frühjahr 2012 bereits 57 Prozent zugelegt. Damals hatten die einflussreichen Gewerkschaften ihre grundsätzliche Unterstützung signalisiert. Synergien von rund einer Milliarde Dollar sollen nun drin sein.
Zusammen kommen die Airlines auf einen Umsatz von knapp 39 Milliarden Dollar. Für die Fusion soll kein Geld fließen. Die klammen Unternehmen planen lediglich einen Aktientausch. Der Wert der neuen Firma beläuft sich auf elf Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Delta kommt an der Börse auf einen Marktwert von 12,4 Milliarden Dollar, United Continental auf 8,7 Milliarden. Lufthansa ist momentan rund 9,5 Milliarden Dollar wert.
Insolvenz als Chance
US Airways war seit Jahren vergeblich auf der Suche nach einem Partner und wurde deswegen spöttisch schon das „hässliche Mädchen“ genannt. Anfang 2007 scheiterte US Airways mit einem feindlichen Übernahmeangebot für Delta. Und so wurde die American-Insolvenz Ende 2011 zur Chance – und jetzt auch genutzt. Denn beide Unternehmen gelten alleine als zu klein, um im Wettbewerb bestehen zu können.
Außerdem sollen beide Firmen in der Allianz Oneworld bleiben, der auch British Airways angehört. Das bedeutet, dass US Airways das Konkurrenz-Bündnis Star Alliance verlassen muss, zu deren Mitgliedern auch die Lufthansa zählt. Die Frankfurter haben dort aber mit United weiterhin einen wichtigen US-Partner.
Offen ist noch, ob der Zusammenschluss ein Erfolg wird. Delta hat seit der Fusion mit Northwest seine Reichweite ausgebaut und die Geschäftszahlen verbessert. Bei United Continental dagegen sieht die Bilanz weniger gut aus. Insgesamt haben die vielen Zusammenschlüsse laut Experten die wirtschaftlichen Perspektiven der Branche aber gestärkt.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert