Ambitionen des Podemos-Chefs in Spanien : Inhalte hat er, nur eben alte
Der Chef der spanischen Partei Podemos, Pablo Iglesias, wendet sich Madrid zu. Die Hoffnung von Millionen auf tiefgreifenden Wandel hat er verspielt.
Foto: Manu Fernandez/ap
D er Chef der linksalternativen Unidas Podemos (UP), Pablo Iglesias, möchte seinen Rückzug aus der spanischen Regierung und seine Kandidatur in der Hauptstadtregion Madrid als Akt „eines mutigen Parteimitglieds“ verkaufen. Mit kämpferischer Rhetorik in der viel von drohendem Faschismus, von den „linken Madridern“ und von der spanischen „Republik“ die Rede ist, stilisiert er sich zum Führer und zum Retter der Linken.
Vergessen sind die Zeiten, als er Kategorien wie links und rechts ablehnte und für eine „transversale Politik“ des „gesunden Menschenverstands“ warb. Er richtet sich längst nicht mehr an ein modernes, linksalternatives, feministisches, grünes Spektrum. Er wirbt um die Stimmen der orthodoxen Linken, derer, die schon immer alles besser wussten als der Rest des fortschrittlichen Lagers.
Iglesias, der in den letzten Jahren alle aus der UP säuberte, die den Zusammenschluss mit der Vereinigten Linken und damit der Kommunistischen Partei nicht nachvollziehen wollten, beschwört jetzt die „Einheit“ und hat dabei Más Madrid (Mehr Madrid) im Auge, die in der Hauptstadtregion vor zwei Jahren Podemos beerbte. Es ist reine Rhetorik. Iglesias wusste, dass er einen Korb bekommen wird. Viele haben nicht vergessen, dass er bei den vergangenen Bürgermeisterinnenwahlen eine kleine Splitterkandidatur aus orthodoxen Linken statt der amtierenden Bürgermeisterin Manuela Carmena unterstützte. Iglesias Option schaffte es nicht, Carmena fehlten wenige Stimmen. Nun regiert ein Rechtsbündnis mit Unterstützung der rechtsextremen VOX die spanische Hauptstadt.
Iglesias, der vor sieben Jahren „den Himmel im Sturm nehmen“ wollte, wird die Agonie seiner Partei verlangsamen, aufhalten wird er sie nicht. Er hat die Hoffnung von Millionen auf einen tiefgreifenden Wandel in Spanien verspielt. „Von Madrid in den Himmel … und dort ein Löchlein, um es zu sehen“, lautet ein Sprichwort. Mit dem versprochenen Erstürmung hat das allerdings nichts zu tun.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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