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Allein ist auch mal schönMänner im schlechtesten Alter

Zwischen Mitte 40 und Mitte 50 macht Dating wenig Spaß, finden zwei Frauen in der Kaffeeschlange. Für männliche Singles haben sie sogar ein neues Wort erfunden.

Illustration: Donata Kindesperk/taz

D ie Schlange in dem Kaffeeladen in Berlin-Schöneberg ist lang, aber das ist gut, weil ich immer noch meinen Recup-Becher in meiner Handtasche suche. Es ist ein kleiner, leichter Becher, deshalb habe ich ihn eigentlich oft dabei, falls mich die Kaffeelust überfällt. Meistens dann, wenn ich irgendwo auf irgendetwas warten muss. Die Pappbecher mag ich nämlich nicht, weil mir mal jemand, der es wissen muss, erzählt hat, dass die Beschichtung in Verbindung mit heißen Getränken so richtig giftig sei. Als ich ihn finde, ist er voller Fussel, aber egal.

Vor mir in der Schlange stehen zwei Frauen und unterhalten sich über das Daten. Ich lausche natürlich. Die eine mit einem roten Mund und einem ironischen Mundwinkel sagt: „Also in unserem Alter kann man es voll vergessen. Mit Mitte 40 bis Mitte 50 sind die Männer entweder verheiratet und damit sofort uninteressant oder sie sind geschieden, dann nehmen sie alles persönlich und haben kaum Zeit, weil sie noch kleine Kinder haben. Und wenn sie Singles sind, stimmt meistens ganz grundlegend etwas nicht.“ Die andere mit einer knallblauen Mütze nickt. „So Beziehungshumpler.“

Die Frau mit dem roten Mund sagt: „Beziehungshumpler ist lustig. Hab ich noch nie gehört.“

„Das sind die, die sich auf jede Frau stützen, um dann verletzt zur nächsten zu humpeln“, erklärt die mit der blauen Mütze. Die beiden lachen. Ein Mann in der erwähnten Altersspanne dreht sich unauffällig um, und sieht die beiden interessiert an.

„Und ehrlich gesagt, allein ist auch mal ganz schön“, sagt die mit dem roten Mund. „Ich hab mir einen neuen Akku für meinen Massagestab gekauft und ich bin selten so tiefenentspannt gewesen.“ Die beiden lachen wieder. Ich wische meinen Becher mit einem Taschentuch aus und hab noch vor dem ersten Kaffee ein tolles neues Wort gesammelt.

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Isobel Markus
Autorin
Isobel Markus ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie schreibt für die Berliner Szenen und weitere Rubriken der taz. Ihre Kurzgeschichten wurden in Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht und ins Arabische übersetzt. Bisher erschienen von ihr: Stadt der ausgefallenen Leuchtbuchstaben (2021), Der Satz (2022) und Neues aus der Stadt der ausgefallenen Leuchtbuchstaben (2023), alle im Quintus Verlag. Dating-Roman ist ihr zweiter Roman und erschien im Juni 2024 bei mikrotext. In der Lettrétage veranstaltet sie die senatsgeförderte Veranstaltungsreihe Berliner Salonage. Sie bietet dort Künstler*innen verschiedener Genres eine thematische Bühne und regt zum Austausch mit dem Publikum an. https://isobelmarkus.de/salons https://www.quintus-verlag.de/Stadt-der-ausgefallenen-Leuchtbuchstaben/978-3-96982-010-0 https://mikrotext.de/book/isobel-markus-dating-roman/
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