Alle gegen Infantino: Auch der asiatische Fußballverband erteilt Fifa Absage
Nach Uefa und Concacaf spricht sich auch Asiens Regionalverband AFC gegen den Investorendeal aus. Damit hat der Infantino-Plan rechnerisch keine Mehrheit mehr.
Foto: Denis Balibouse/reuters
dpa/rtr | Der Fußball-Weltverband Fifa kann nicht mehr mit einer Mehrheit seiner Mitglieder für den geplanten milliardenschweren Verkauf von Anteilen an seinen Weltmeisterschaften an private Investoren rechnen. Der asiatische Regionalverband AFC erklärte am Freitag, der Vorstoß von Fifa-Präsident Gianni Infantino habe nach seiner Ansicht keine Chance mehr.
„Im Lichte der klaren Positionen von Uefa und Concacaf und der beispiellosen Spaltung der Fußball-Welt glaubt die AFC, dass die FFE realistisch nicht mehr mit dem breiten Konsens rechnen kann, der notwendig wäre“, hieß es in einer Stellungnahme des Verbandes. In Fifa Forward Enterprise (FFE) will Infantino die Rechte an allen Großveranstaltungen des Verbandes bündeln. Externe Investoren sollten sich daran mit bis zu 4,2 Milliarden Dollar beteiligen.
Der europäische Fußballverband Uefa hatte am Donnerstag einen Weltmeisterschaftsboykott beschlossen, wenn die Fifa nicht ein für alle Mal auf diese Pläne verzichte. Der Verband für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik (Concacaf) hatte sich hinter die Position der Uefa gestellt. Uefa, Concacaf und AFC stellen zusammen die Mehrheit der 211 Fifa-Mitgliedsverbände.
FIFA-Krise: Hochrangiger Infantino-Berater tritt zurück
Im weltweiten Streit um seine Investorenpläne hat FIFA-Präsident Gianni Infantino Berichten zufolge einen engen Vertrauten verloren. Der hochrangige FIFA-Berater Carlos Cordeiro trat aus Protest gegen das Vorhaben zurück, wie die Nachrichtenagentur AP und der Sender Sky News unter Verweis auf eine Stellungnahme meldeten. Cordeiro vertrat den Fußball-Weltverband zuletzt in der Task Force des Weißen Hauses zur WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko.
„Als leitender Berater des FIFA-Präsidenten, früherer Banker und lebenslanger Fußball-Fan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die FIFA den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht“, schrieb der ehemalige Präsident des US-Verbandes, der seit 2021 für die FIFA arbeitet. Er betonte, an den Plänen nicht beteiligt gewesen zu sein und diese entschieden abzulehnen.
„Es ist ein schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft dieses Sports“, schrieb Cordeiro. Laut AP war der Funktionär in den vergangenen Wochen mehrfach zu Arbeitsbesuchen im Weißen Haus. Als früherer Partner der Investmentbank Goldman Sachs wird Cordeiro große Erfahrung mit Investitionsgeschäften nachgesagt.
Fifa nach Uefa-Drohung: „Niemand verkauft den Fußball“
Unterdessen hat die Fifa die Pläne zur Gründung einer Tochtergesellschaft, mit der ein Teil der kommerziellen Rechte an Fifa-Turnieren an Investoren verkauft werden sollte, verteidigt. „Wir respektieren die öffentlich geäußerten Rückmeldungen und Bedenken und bekräftigen unser Bekenntnis zu einer offenen und demokratischen Konsultation“, teilte der Fußballweltverband in einem Statement mit.
Die Fifa gab an, der geplante Konsultationsprozess sei durch fehlerhafte Medienberichte gestört worden. „Niemand verkauft den Fußball“, beteuerte der Weltverband. „Das ist etwas, was die Fifa niemals in Betracht ziehen würde.“ Die Fifa Forward Enterprise (FFE) sei ausschließlich vorgeschlagen worden, um sicherzustellen, dass alle Fifa-Mitgliedsverbände die Möglichkeit haben, die kommerziellen Chancen des Fußballs in ihren jeweiligen Ländern sinnvoll zu nutzen.
Die Fifa verwies in ihrer Reaktion auf ihre „demokratischen Grundsätze“. Jeder habe das Recht, seinen Widerstand zum Ausdruck zu bringen und weitere Klarstellungen einzufordern, „aber keine einzelne Instanz kann für sich beanspruchen, alle 211 Mitgliedsverbände weltweit zu vertreten“, hieß es. „Jedem Mitgliedsverband sollte es gestattet sein, den Vorschlag zu prüfen und bei der Gestaltung seiner eigenen Zukunft mitzureden.“
Die genauen Investorenpläne, die die Fifa am Dienstag mit einigen Details erläutert hatte, führte der Weltverband in seinem Schreiben nicht erneut auf.
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