Aktuelle Nachrichten in der Coronakrise: Biontech-Vakzin bald bei Hausärzten?

Norwegen setzt Impfungen mit AstraZeneca-Dosen weiter aus. Und die EMA erlaubt die Lagerung vom Biontech-Vakzin bei Gefrierschrank-Temperaturen.

Jens Spahn und Robert Wieler

Darf nun auch im Gefrierschrank gelagert werden: das Vakzin von Biontech/Pfizer Foto: Gonzalo Fuentes/reuters

EMA erlaubt Lagerung von Biontech bei Gefrierschrank-Temperaturen

Der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer kann laut einer Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) künftig vorübergehend auch bei weniger tiefen Temperaturen gelagert werden, was eine Verimpfung auch durch Hausärzte möglich macht. Wie die EMA am Freitag mitteilte, kann der Impfstoff bis zu zwei Wochen lang bei Temperaturen zwischen minus 25 und minus 15 Grad gelagert werden und damit in üblichen pharmazeutischen Gefrierschränken etwa in Apotheken.

Bisher war für den Impfstoff eine dauerhafte Lagerung in Spezialgefrierschränken bei zwischen minus 90 und minus 60 Grad vorgeschrieben, was einen Einsatz bei Hausärzten oder in armen Ländern verhinderte. Die neu zugelassenen Lagerbedingungen erleichterten die rasche Impfstoffverteilung, betonte die EMA.

Biontech-Chef Ugur Sahin erklärte, die Zulassung sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu dem Ziel, den Impfstoff Menschen in der ganzen Welt zugänglich zu machen. Sie komme „genau zum richtigen Zeitpunkt, da die Regierungen nun mehr Flexibilität haben, um von Impfungen in Impfzentren zu einer dezentraleren Verteilung der Impfstoffe durch lokale Ärzte und Allgemeinmediziner überzugehen, um unseren Weg aus der Pandemie zu beschleunigen“.

Die EMA genehmigte am Freitag auch die Herstellung von Corona-Impfstoff im neuen Biontech-Werk in Marburg. Dort wird seit Februar bereits der mRNA-Wirkstoff produziert, aus dem dann der Impfstoff hergestellt wird.

Laut Biontech ist das Werk mit der Zulassung nun eine der größten mRNA-Impfstoffproduktionsstätten in Europa und weltweit. Mit vollständigem Betrieb könnten dort jährlich bis zu einer Milliarde Dosen Corona-Impfstoff vom Band laufen. Die ersten Chargen der in Marburg hergestellten Impfstoffe würden voraussichtlich in der zweiten Aprilhälfte ausgeliefert.

Gleichzeitig erteilte die EMA am Freitag im Impfstoffwerk Halix im niederländischen Leiden die Genehmigung zur Produktion von Astrazeneca-Impfstoff für die EU. Das Werk steht im Mittelpunkt eines Streits zwischen der EU und London: Die EU und Großbritannien beanspruchen den dort hergestellten Impfstoff jeweils für sich. Die EU hatte ihre Exportregeln für Corona-Impfstofflieferungen vor wenigen Tagen verschärft.

Die EU streitet seit Monaten mit Astrazeneca, weil das Unternehmen bislang deutlich weniger Corona-Impfstoff als ausgemacht an die EU-Staaten liefert. Bis Ende März hatte das Unternehmen 100 Millionen Dosen zugesagt, weniger als ein Drittel davon wurde nach Kommissionsangaben bisher geliefert. Brüssel wirft dem Unternehmen vor, andere Länder wie Großbritannien zulasten der EU zu bevorzugen. (afp)

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bundesregierung mahnt zur Vorsicht an Ostern

Wegen steigender Corona-Infektionszahlen mahnt die Bundesregierung zu besonderer Vorsicht an Ostern. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) richtete am Freitag in Berlin die Bitte an die Bürgerinnen und Bürger: „Wenn Sie andere treffen, dann idealerweise nur draußen, weil dort die Infektionsgefahr deutlich reduziert ist.“ Er mahnte auch zu kleineren Gruppen. Bei Treffen in Innenräumen sollten wiederum Schutzmasken getragen werden. Regierungssprecher Steffen Seibert rief die Menschen zum Durchhalten auf. Es sei immer entscheidend gewesen, dass alle bei den Corona-Maßnahmen mitzögen.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, forderte dazu auf, die Ostertage nur im kleinsten Kreis zu verbringen, ungeschützte Treffen zu vermeiden und möglichst nicht zu verreisen. „Mobilität und Kontakte sind die Treiber der Pandemie.“ Er erinnerte an Ostern 2020, als die Menschen sich besonders genau an die Lockdown-Regeln gehalten hätten. Damals habe man kaum einen Menschen auf der Straße angetroffen. Die damalige Bremse in der ersten Corona-Welle sei sehr effektiv gewesen, es habe sich um einen Lockdown gehandelt, der den Namen verdient habe.

Wieler sagte, dass die aktuelle dritte Welle der Pandemie schlimmer werden könnte als die ersten beiden. Wenn nicht massiv gegengesteuert werde, drohten gravierende Folgen. Er verwies auf Daten, wonach die Virusmutation B.1.1.7 etwa 30 bis 70 Prozent ansteckender sei als die ursprüngliche Variante. Sie führe zudem zu schlimmeren Krankheitsverläufen und zu mehr Todesfällen. Spahn bemühte das Bild eines Marathonlaufs. Womöglich sei man nun im letzten Teil des Pandemiemarathons angekommen, wo jeder weitere Schritt eine Tortur sei. Alle hätten gehofft, dass Ostern in diesem Jahr anders als im vergangenen Jahr sein könnte. Die Virusmutation mache nun ein Strich durch die Rechnung.

Am Freitagmorgen hatte das Robert Koch-Institut 21.573 neue Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. 183 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus, so dass sich die Gesamtzahl der Coronatoten auf 75.623 Menschen erhöhte. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Zahl der Ansteckungen binnen einer Woche bezogen auf 100.000 Einwohner angibt, erhöhte sich bundesweit auf 119,1.

Inzwischen liegt die Inzidenz nur noch in fünf Bundesländern unterhalb von 100, in zweien davon sehr knapp. Halten sich die Länder an die getroffenen Bund-Länder-Beschlüsse, müsste vielerorts die Corona-Notbremse gezogen und damit Lockerungen wieder rückgängig gemacht werden. Spahn appellierte an die Länder, die Notbremse „konsequent anzuwenden“. Seibert sagte, es gebe ganz klar die Notwendigkeit, die Notbremse „wirkungsvoll“ umzusetzen.

In Bezug auf das Impfen sicherte Spahn deutliche Verbesserungen ab April zu. Mit Stand Freitag seien in Deutschland 8,3 Millionen Menschen geimpft und 12 Millionen Impfdosen seien verimpft worden. Allein im April würden in Deutschland 15 Millionen Impfdosen erwartet, also mehr als im ersten Quartal verimpft worden seien. Allerdings werde der Effekt der Impfungen durch aktuelle steigende Infektionszahlen geschmälert.

Er rief die Bundesländer auf, den Impfstoff, der da ist, schnell zu verimpfen und wies darauf hin, dass die zweite Prioritätsgruppe „sehr, sehr groß“ sei. Hier gebe es viele Impfwillige und Impfbereite. „Impftermine sind zu wertvoll, um sie verfallen zu lassen.“ Angesichts zahlreicher nicht wahrgenommener Impftermine riet er zu „Standby“-Lösungen oder Extraterminen an Wochenenden.

Ein Effekt der Impfungen wird bei den Hochbetagten sichtbar. So gingen die Ausbrüche in den Pflegeheimen laut Spahn deutlich zurück: „Ende des vergangenen Jahres waren es noch über 370 pro Woche, aktuell weniger als 20 pro Woche.“ (epd)

Berlin will Frankreich als Hochinzidenzgebiet einstufen

Die Bundesregierung will ganz Frankreich als Corona-Hochinzidenzgebiet einstufen. Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian bestätigte am Freitag in Paris Angaben aus Berliner Regierungskreisen. Die Grenze darf damit bis auf weiteres nur bei Vorliegen eines negativen Corona-Tests überquert werden, der nicht älter als 48 Stunden ist. Besonders für Berufspendler im Elsass werden die Auflagen damit verschärft. Die Neuregelung soll in der Nacht zum Montag in Kraft treten. Grund für die Entscheidung sei, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in Frankreich deutlich über der Schwelle von 200 liege, erfuhr die Nachrichtenagentur afp aus Berliner Regierungskreisen. Sie lag zuletzt nach Angaben der französischen Gesundheitsbehörden sogar im landesweiten Schnitt bei 325.

Eine Ausnahme soll es für Pendler geben: Sie müssten sich nur zwei Mal pro Woche testen lassen, hieß es in Berlin. Dafür sollten gegebenenfalls Teststationen in Grenznähe aufgebaut werden. Vor allem für Berufspendler im Elsass gelten damit schärfere Regeln. Sie konnten bisher für 24 Stunden ohne Testpflicht einreisen. Für den französischen Verwaltungsbezirk Moselle an der Grenze zum Saarland und zu Rheinland-Pfalz hatte Deutschland die Einreiseregeln bereits Anfang März verschärft, weil dort die südafrikanische Corona-Variante grassiert.

Frankreichs Außenminister Le Drian erklärte die Neuregelung im Sender France Info mit einer „Explosion der Pandemie in Deutschland“. Er bestätigte Berliner Angaben, dass es nur „stichprobenartige Kontrollen“ geben soll. Ob ein Grenzgänger einen negativen Test hat, soll nicht direkt an der Grenze kontrolliert werden, sondern im Hinterland nach dem Prinzip der Schleierfahndung. Ob ein PCR-Test Pflicht ist oder ein Schnelltest ausreicht, blieb vorerst offen. In Berlin hieß es, die französische Regierung sei seit einigen Tagen über die bevorstehende Entscheidung informiert. Die Einstufung Frankreichs soll spätestens am Freitagabend vom Robert-Koch-Institut öffentlich mitgeteilt werden. In Frage stehe sie nicht mehr: „Die Entscheidung ist gefallen“, hieß es gegenüber afp. (afp)

Norwegen setzt AstraZeneca-Vakzin weiter aus

Norwegen will den Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers AstraZeneca vorerst nicht wieder einsetzen. „Es besteht immer noch große Unsicherheit über mögliche schwerwiegende Nebenwirkungen“, hieß es am Freitag in einer Mitteilung der Gesundheitsbehörde Folkehelseinstitutt FHI. „Nach Einschätzung des FHI ist es angebracht, mehr Zeit darauf zu verwenden, weitere Kenntnisse über diese schwerwiegenden Vorfälle zu erlangen.“ Das FHI betonte, dass die Entscheidung auf den Vorfällen in Norwegen beruhe.

Norwegen hatte wie viele andere Länder die Vergabe des Mittels vor zwei Wochen gestoppt, weil bei einigen Geimpften Blutgerinnsel aufgetreten waren. In Norwegen starben inzwischen vier Menschen nach einer Impfung. Ein direkter Zusammenhang ist bislang nicht erwiesen. Eine nationale Expertengruppe untersuche nun die Fälle, hieß es weiter. Außerdem arbeite man eng mit den Nachbarländern zusammen. (dpa)

Weiterhin wenige Neuinfektionen auf Mallorca

Die Zahl der Corona-Infektionen auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln ist weiterhin relativ niedrig. Nach den aktuellen Zahlen des regionalen Gesundheitsministeriums vom Donnerstag wurden binnen eines Tages 36 Menschen auf den Inseln im Mittelmeer positiv auf das Virus getestet. Davon entfielen 30 auf Mallorca, wo zurzeit viele Deutsche trotz der Warnungen der Bundesregierung ihren Urlaub verbringen, und je 3 auf Ibiza und Menorca. Das Gesundheitsministerium in Madrid gab die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen 7 Tagen für die Balearen am Donnerstagabend mit 29,32 an, ein leichter Rückgang im Vergleich zu Mittwoch.

Der niedrigste Stand bei dieser Sieben-Tage-Inzidenz war seit Jahresbeginn am 18. März gemessen worden, als dieser Wert mit 18,79 angegeben wurde. Seither stieg er täglich bis auf 30,80 am Mittwoch. Von Coronafällen unter Urlaubern wurde nichts bekannt. Auf den Balearen leben knapp 1,2 Millionen Menschen, davon mehr als 900.000 auf Mallorca.

Die Regionalregierung mahnte jedoch trotz der im Vergleich zu Deutschland niedrigen Zahlen zu großer Vorsicht. Bereits bei 83 Prozent aller Neuinfektionen sei die zuerst in Großbritannien aufgetretene Variante des Coronavirus diagnostiziert worden, die ansteckender sei und zu schwereren Krankheitsverläufen führe. „Die Zahlen können jederzeit schnell wieder steigen“, warnte die regionale Gesundheitsministerin Patricia Gómez kürzlich laut TV-Sender Ser. (dpa)

Beschluss: Keine landesweite Corona-Notbremse ab Montag in NRW

Nordrhein-Westfalen wird trotz rasant steigender Coronazahlen ab Montag doch keine landesweite Corona-Notbremse ziehen. Nur in Kommunen mit einer Wocheninzidenz über 100 müssen unter anderem Läden, Sportstätten und Kultureinrichtungen schließen. Das geht aus der am Freitag veröffentlichten Corona-Schutzverordnung hervor. Die betroffenen Kreise und kreisfreien Städte dürfen aber Ausnahmen für Menschen mit tagesaktuellem negativem Schnell- oder Selbsttest erlauben. Diese Ausnahme-Möglichkeiten müssen mit dem Gesundheitsministerium vorher abgestimmt werden.

Bund und Länder hatten am Montag beschlossen, dass die vereinbarte „Notbremse“ bei gestiegenen Coronazahlen konsequent umgesetzt werden müsse, um dem Infektionsgeschehen Einhalt zu gebieten. Das bedeutet, dass Öffnungen des Einzelhandels, von Museen, Zoos oder Sportanlagen wieder rückgängig gemacht werden müssen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einem Bundesland oder einer Region an drei aufeinanderfolgenden Tagen auf über 100 steigt. Dann sollen auch wieder strengere Kontaktbeschränkungen in Kraft treten.

In NRW liegt die Wocheninzidenz schon seit mehreren Tagen über 100. Bis Freitag stieg sie nach Zahlen des Landeszentrums Gesundheit (LZG) auf 121,6. Die wichtige Kennziffer gibt die Zahl der Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner an.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte angekündigt, dass in NRW die Corona-Notbremse ab Montag gezogen werde. Dabei sei das ganze Land der Maßstab, hatte er ursprünglich gesagt. In Corona-Hotspots werde es noch zusätzliche Maßnahmen geben. Laschet hatte aber auch gesagt, dass im Kampf gegen Corona ein neues Kapitel aufgeschlagen werden müsse. Das „reine Schließen“ sei an seine Grenzen gekommen. (dpa/lnw)

Weil betont Notwendigkeit von Ausgangssperren in Niedersachsen

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat die Notwendigkeit der in Niedersachsen bevorstehenden Ausgangssperren im Kampf gegen die Coronapandemie betont. „Wir befinden uns inmitten der dritten Welle. Die Infektionszahlen steigen von Tag zu Tag – bundesweit und auch bei uns in Niedersachsen“, sagte Weil am Freitag im Landtag in Hannover. „Wenn wir die Ausbreitung des Virus nicht eindämmen, werden in Niedersachsen noch viele Menschen an oder mit dem Virus sterben.“ Die bisherigen Maßnahmen reichten nicht mehr aus. Die neue Corona-Verordnung sehe deshalb ein intensiveres Prüfen von nächtlichen Ausgangssperren in Hotspots vor.

„Ich erwarte auf dieser Grundlage, dass wir künftig in unserem Land deutlich mehr Ausgangssperren erleben werden, vor allen Dingen in den Hotspots“, sagte Weil. „Die gibt es überall im Land und aus ihnen stammt immer wieder ein großer Teil der Infektionen, gegen die wir angehen müssen.“

Nach der Absage des Osterlockdowns durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief Weil dazu auf, die Kontakte in den Osterferien deutlich herunterzufahren. Ein Verbot von Tagesausflügen über Ostern sieht der Entwurf der neuen Corona-Verordnung des Landes zwar nicht vor, Weil lies allerdings durchblicken, dass er kommunale Verbote in diese Richtung begrüßt. „So wird beispielsweise die Stadt Cuxhaven den überregionalen Tagestourismus unterbinden, um keine Touristen anzulocken. Auch jede weitere Unterstützung ist in dieser Hinsicht herzlich willkommen.“ (dpa)

Corona-Spätfolgen: Zunahme der Fallzahlen bei Jugendlichen erwartet

Mit der Zunahme der Corona-Ansteckungen bei Kindern und Jugendlichen sind nach Einschätzung eines pädiatrischen Infektiologen auch mehr Spätfolgen in diesen Gruppen zu erwarten. „Wir rechnen durch die Lockerungen der Maßnahmen mit mehr Betroffenen mit meist diffusen, länger anhaltenden gesundheitlichen Problemen“, sagte Markus Hufnagel vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg der Deutschen Presse-Agentur. „Darauf ist die Pädiatrie im Vergleich zur Versorgungssituation bei Erwachsenen nach überstandener Infektion noch nicht vorbereitet.“

In der Fachsprache ist bei dem Phänomen von Long Covid (Langes Covid-19) oder Post Covid (Nach Covid-19) die Rede. Da für Kinder und Jugendliche noch keine Covid-19-Impfstoffe zugelassen sind, zählen sie zu den Gruppen, die noch einige Monate empfänglich für das Virus sein werden. Seit Wochen steigt die Zahl der erfassten Corona-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) an.

„Das Krankheitsbild ist sehr variabel“, erläutert Hufnagel. Darunter seien chronische Erschöpfung, generelle Leistungsminderung und Gelenk- und Muskelschmerzen, aber auch Hautveränderungen. Solche anhaltenden gesundheitlichen Einschränkungen seien auch von anderen Virusinfektionen wie dem Pfeifferschem Drüsenfieber bekannt. (dpa)

Testpflicht bei Flug-Einreisen erst ab Dienstag

Die generelle Corona-Testpflicht für Einreisen per Flugzeug nach Deutschland soll erst in der Nacht von Montag zu Dienstag in Kraft treten. Der Starttermin werde noch einmal etwas verschoben, um mehr Zeit für die Vorbereitung zu geben, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in Berlin. Die entsprechende Verordnung habe er unterschrieben. Zunächst war geplant, dass die neuen strengeren Vorgaben in der Nacht zu Sonntag in Kraft treten.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten beschlossen, dass der Bund angesichts der weltweiten Pandemie eine generelle Testpflicht vor Abflug als Einreisevoraussetzung bei Flügen nach Deutschland festschreiben soll. Schon jetzt müssen Einreisende einen negativen Test vor dem Abflug vorweisen, die aus „Hochinzidenzgebieten“ mit besonders vielen Infektionen sowie Gebieten mit neuen Virusvarianten kommen.

Flugreisende sollen die Kosten der Tests grundsätzlich selbst tragen. Eine Beförderung durch die Fluggesellschaft ist nur mit negativem Testnachweis gestattet. Andernfalls soll man sich nach den örtlichen Vorschriften auf eigene Verantwortung in Isolierung begeben müssen.

Zum Reizthema geworden war zuletzt, dass Tausende deutsche Urlauber auf die spanische Insel Mallorca flogen, für die Testpflichten wegen gesunkener Infektionszahlen weggefallen waren. Die neue Regelung gilt nun aber nicht nur für Mallorca, sondern generell. Und nur für Flüge, nicht für Reisen mit anderen Verkehrsmitteln. (dpa)

Deutsches Gesundheitssystem wohl bald an Belastungsgrenze

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnt bei weiter steigenden Corona-Infektionszahlen vor einer baldigen Überlastung des deutschen Gesundheitssystems. „Momentan steigen die Zahlen zu schnell und die Virusvarianten machen die Lage besonders gefährlich“, sagte er am Freitag in Berlin. „Wenn das ungebremst weitergeht, laufen wir Gefahr, dass unser Gesundheitssystem im Laufe des Aprils an seine Belastungsgrenze kommt.“

Auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, malte ein düsteres Bild. Es gebe „deutliche Signale“, dass die nun begonnene dritte Corona-Welle „noch schlimmer werden kann als die ersten beiden Wellen“, sagte er auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Spahn. Das Land müsse sich darauf einstellen, dass die Zahl der Infizierten stark steige, dass Kliniken überlastet werden und „viele Menschen auch sterben“.

„Wenn wir nicht sofort massiv gegensteuern, werden die Folgen gravierend sein“, betonte Spahn. Er forderte die Bevölkerung auf, Kontakte zu reduzieren und die Regeln zur Pandemie-Eindämmung einzuhalten.

Spahn appellierte an die Bundesländer, die vereinbarte Notbremse zur Rücknahme von Öffnungen „konsequent umzusetzen“. Die Bürgerinnen und Bürger sollten sich zudem „idealerweise nur draußen“ treffen. Sowohl Spahn als auch Wieler baten zudem, die Möglichkeit zur Impfung zu nutzen. (afp)

Strenge Schutzkonzepte in der Kirche

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hält Präsenzgottesdienste an Ostern für vertretbar. Man könne sich darauf verlassen, dass davon keine Risiken ausgehen, sagt der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm im Deutschlandfunk. Er verweist auf „strenge Schutzkonzepte, die sich bewährt haben“. So werde in den Gottesdiensten nur eine begrenzte Zahl von Besuchern zugelassen. „Wir haben jetzt ein Jahr Erfahrung damit“, sagt Bedford-Strohm. „Die Osterbotschaft war noch nie so wichtig wie gerade jetzt. Die Menschen sind verwundet, sie sind erschöpft“, ergänzt er.

Heil will Unternehmen zu Tests verpflichten

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil drängt die Unternehmen, ihren Beschäftigten ausreichend Coronatests zur Verfügung zu stellen. „Ich setze jetzt darauf, dass die Wirtschaft ihrer Selbstverpflichtung nachkommt“, sagt der SPD-Politiker im ZDF. Andernfalls müsse die Politik entsprechende Vorgaben machen. Er habe den Eindruck, dass die Test-Kapazitäten in den Firmen hochgefahren werden. Heil macht deutlich, es gehe um ein Angebot für die Mitarbeiter. Es gebe „keine Möglichkeit, die Beschäftigten zu zwingen“. Der Minister ergänzt, er empfehle aber zwei Tests pro Woche am Arbeitsplatz.

Lockerungen im Saarland werden positiv bewertet

Der Städte- und Gemeindebund befürwortet die Pläne für weitreichende Corona-Lockerungen im Saarland als „richtigen Ansatz“. Zwar sei die Lage angesichts steigender Infektionszahlen besorgniserregend. „Aber das ist auf jeden Fall der richtige Weg“, sagt Hauptgeschäftsführer Gerd Landesberg im ZDF. Es könne bei den Menschen das Gefühl erzeugen, dass man wieder etwas mehr Freiheiten haben könne, wenn man sich testen lasse und vernünftig verhalte.

Auch mit Tests verbundene Öffnungsschritte wie in Tübingen bezeichnet er als richtig und vernünftig. Die Möglichkeit, mit einem negativen Test einzukaufen, ins Restaurant oder ins Kino zu gehen sei ein Hoffnungssignal, auf das die Menschen nach rund einem Jahr Pandemie warteten. „Und dann sind sie vielleicht auch eher bereit, die anderen Dinge einzuhalten.“

Kretschmer hat Verständnis für Pandemiemüdigkeit

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer warnt vor einer Verschärfung der Pandemie. Das Virus sei durch die Mutationen deutlich ansteckender geworden, sagt der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Daher können die Pandemie „mit dem derzeitigen Instrumentenkasten“ nicht aufgehalten werden. Aber in der Bevölkerung hielten sich viele nicht mehr an die Einschränkungen. „Die Menschen haben die Kraft nicht mehr“, sagt Kretschmer. Dies müsse die Politik akzeptieren. Der Ministerpräsident äußert sich aber überzeugt, dass die Bereitschaft, bestimmte Maßnahmen mitzutragen, wieder steigen werde, wenn sich das Infektionsgeschehen zuspitze.

Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 119,1

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet am Freitag 21.573 Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 119,1 (Vortag: 113,3). Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. 183 Menschen sind in den vergangenen 24 Stunden in Verbindung mit Covid-19 gestorben. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle auf 75.623. Insgesamt wurden bislang mehr als 2.73 Millionen Menschen in Deutschland positiv auf das Coronavirus getestet.

100.000 Neuinfektionen in Brasilien

Brasilien meldet mehr als 100.000 Neuinfektionen und damit so viele wie nie zuvor. Die Zahl der Toten stieg um 2.777, gab das Gesundheitsministerium am Donnerstag bekannt. Die Rekordfallzahl kommt einen Tag, nachdem Brasilien die Zahl von 300.000 Todesopfern durch die Pandemie überschritten hat. Damit verbucht Brasilien nach den Vereinigten Staaten die zweithöchste Zahl an Todesopfern weltweit.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Coronapandemie geht um die Welt. Welche Regionen sind besonders betroffen? Wie ist die Lage in den Kliniken? Den Überblick mit Zahlen und Grafiken finden Sie hier.

▶ Alle Grafiken

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de