Aktuelle Nachrichten in der Coronakrise: Krisengipfel platzt doch nicht

Impfstoffhersteller Astrazeneca will nun doch am Treffen mit der EU teilnehmen, bei dem es um Lieferprobleme gehen soll. Das RKI meldet weitere 13.000 Coronafälle.

Logo des Impfstoffherstellers Astrazeneca neben dem EU Logo - im Vordergrund Fläschchen mit Imfdosen

Ein Krisentreffen der EU mit dem Hersteller Astrazeneca ist am Mittwoch geplatzt Foto: Pavlo Gonchar/imago

Verwirrung um Krisengipfel mit Astrazeneca

Der Impfstoffhersteller Astrazeneca hat nach EU-Angaben die Absage eines Krisentreffens zurückgezogen und will nun doch an dem für Mittwochabend geplanten Gespräch teilnehmen. Dies habe die Presseabteilung des Konzerns der EU-Kommission bestätigt, hieß es am Mittwochmittag in Brüssel. Zuvor habe das Management des Unternehmens per Mail abgesagt und erklärt, ein Treffen habe derzeit wegen der vielen offenen Fragen keinen Sinn. Man sei erfreut über die neue Entwicklung, hieß es aus Kommissionskreisen.

Ein Astrazeneca-Sprecher erklärte auf Anfrage: „Wir können bestätigen, dass wir uns nicht aus den Gesprächen mit der EU-Kommission zurückgezogen haben, die für heute geplant sind.“

Die Kommission und die 27 Staaten hatten das Treffen mit Astrazeneca auf Expertenebene für den Abend (18.30 Uhr) einberufen. Hintergrund ist der Streit mit dem britisch-schwedischen Hersteller über Lieferkürzungen. Statt erwarteter 80 Millionen Impfdosen im ersten Quartal sollen nach EU-Angaben nur 31 Millionen ankommen. Den angegebenen Grund – Probleme in der Lieferkette – will die EU nicht gelten lassen. (dpa)

Astrazeneca-Chef verweist auf späten Vertragsabschluss

Im Streit mit der EU-Kommission sieht der Pharmakonzern Astrazeneca den langsamen Vertragsabschluss als Grund für Lieferengpässe. „Wir sind in Europa jetzt zwei Monate hinter unserem ursprünglichen Plan. Wir hatten auch Anfangsprobleme in Großbritannien. Aber der Vertrag mit den Briten wurde drei Monate vor dem mit Brüssel geschlossen. Wir hatten dort drei Monate mehr Zeit, um Pannen zu beheben“, sagte Astrazeneca-Chef Pascal Soriot der „Welt“.

Sein Unternehmen sei vertraglich nicht zur Lieferung bestimmter Mengen Impfstoff verpflichtet. Astrazeneca habe eine „Best effort“-Vereinbarung mit der Europäischen Union abgeschlossen. „Der Grund war, dass Brüssel mehr oder minder zum selben Zeitpunkt beliefert werden wollte wie die Briten, obwohl die drei Monate früher unterzeichnet hatten. Darum haben wir zugesagt, es zu versuchen, uns aber nicht vertraglich verpflichtet“, so Soriot.

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Soriot fügte hinzu: „Vergessen Sie nicht: Wir entwickeln den Impfstoff gemeinnützig, wir verdienen damit kein Geld. Ich denke, wir behandeln Europa wirklich fair.“

In Hinblick auf Berichte deutscher Medien, die Wirksamkeit des Impfstoffs von Astrazeneca sei bei älteren Menschen nur gering, sagte Soriot: „Ich habe keine Ahnung, woher diese Zahl kommt. Sie stimmt nicht. Wie kann man annehmen, dass Prüfbehörden rund um den Globus ein Mittel zulassen, das nur acht Prozent Wirksamkeit hat? Wie gesagt, die Nerven liegen blank. Es wird über alles mögliche dummes Zeug geredet.“

Mehr 13.000 Neuinfektionen gemeldet

In Deutschland sind binnen eines Tages mehr als 13.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet worden. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwochmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden weitere 13.202 Ansteckungsfälle registriert. Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Deutschland seit Beginn der Pandemie stieg damit auf 2.161.279.

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Nach Angaben des RKI wurden zudem 982 Todesfälle im Zusammenhang mit Coronavirus-Infektionen innerhalb von 24 Stunden gezählt. Die Gesamtzahl der verzeichneten Coronatoten in Deutschland erhöhte sich damit auf 53.972.

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Die Zahl der von einer Corona-Infektion genesenen Menschen bezifferte das RKI auf rund 1.866.000. Die Sieben-Tage-Inzidenz betrug am Mittwoch 101,0 und war damit niedriger als am Vortag, als sie bei 107,6 gelegen hatte. Der Wert geht seit Wochen zurück, seinen bislang höchsten Stand hatte er am 22. Dezember mit 197,6 erreicht.

Bei der Sieben-Tage-Inzidenz handelt es sich um die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Ein­woh­ne­r:in­nen innerhalb einer Woche. Ziel der Bundesregierung ist es, den Wert auf unter 50 zu drücken. Der derzeitige harte Coronalockdown in ganz Deutschland gilt laut Beschluss von Bund und Ländern vorerst noch bis zum 14. Februar. (afp)

Sanofi will Biontech helfen

Der französische Pharmakonzern Sanofi will dem Mainzer Unternehmen Biontech und dem US-Konzern Pfizer beim Abfüllen des Corona-Impfstoffs unter die Arme greifen. „In unserem Werk in Frankfurt werden wir das Produkt verpacken, das uns ab Juli von Pfizer-Biontech geliefert wird“, sagte Sanofi-Generaldirektor Paul Hudson der Zeitung „Le Figaro“ am Dienstag. „Wir sollten in der Lage sein, bis Ende des Jahres mehr als 100 Millionen Dosen zu liefern, die für die Europäische Union und damit teilweise für Frankreich bestimmt sind“, sagte Hudson.

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„Da wir mit unserem Hauptimpfstoff einige Monate hinter dem Zeitplan zurücklagen, fragten wir uns, wie wir uns jetzt nützlich machen könnten“, so Hudson weiter. Das Abfüllen des Impfstoffs müsse in einer sterilen Umgebung und bei einer sehr niedrigen Temperatur erfolgen. Sanofi wolle das in einem großen Maßstab tun. Da die Sanofi-Produktionsstätte in der Nähe des Biontech-Hauptsitzes in Mainz liege, werde das die Sache erleichtern.

Die Arbeit an eigenen Impfstoffen wolle Sanofi fortsetzen. Zuletzt war bekannt geworden, dass die Corona-Impfstoffentwicklung von Sanofi und GSK (GlaxoSmithKline) sich verzögere. „Wir streben eine Markteinführung im letzten Quartal des Jahres an“, bestätigte Hudson frühere Angaben. Man sei zuversichtlich. Die ersten Ergebnisse zur Dosierung und Wirksamkeit werde man voraussichtlich im Mai erhalten, danach könne man mit großangelegten Tests beginnen. (dpa)

Mehr als 100.000 Tote in Großbritannien

In Großbritannien sind seit Beginn der Coronapandemie mehr als 100.000 Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben. Nach Angaben des Londoner Gesundheitsministeriums vom Dienstag erhöhte sich die Zahl der Toten um weitere 1.631 und erreichte damit 100.162 Todesfälle. Großbritannien ist damit das erste Land in Europa, das diese Marke überschreitet. Premierminister Boris Johnson sagte, er übernehme die „volle Verantwortung“ für alles, was die Regierung in der Coronakrise unternommen habe.

„Ich bin sehr traurig über jedes Leben, das verloren gegangen ist“, sagte Johnson an seinem Londoner Amtssitz. Zu Beginn der Pandemie hatte er sich noch gebrüstet, Coronakranken im Krankenhaus die Hand zu reichen. Nun sagte er, es sei schwer, die Trauer über die „finstere Statistik“ in Worte zu kleiden. „Meine Gedanken sind bei jedem, der eine geliebte Person verloren hat“, sagte Gesundheitsminister Matt Hancock. „Hinter diesen herzzerreißenden Zahlen stehen Freunde, Familien und Nachbarn“.

Die Hoffnungen Großbritanniens, das derzeit die dritte Coronawelle erlebt, richten sich vor allem auf die Impfkampagne. Inzwischen erhielten bereits 6,8 Millionen Menschen eine erste Impfdosis. Die Anti-Coronapolitik von Johnsons Regierung ist seit Beginn der Pandemie umstritten. Der Abstand zwischen den beiden Anti-Corona-Impfungen wurde inzwischen auf zwölf Wochen verlängert, um mehr Erstimpfungen gewährleisten zu können.

Die Regierung in London hatte darauf hingewiesen, dass eine zuerst in England nachgewiesene Coronavirus-Mutante offenbar tödlicher als frühere Varianten sei. Es gebe mittlerweile „Hinweise“, dass die Mutante B.1.1.7 nicht nur ansteckender sei, sondern auch „mit einer höheren Sterblichkeitsrate in Verbindung gebracht werden“ könne, sagte Johnson Ende vergangener Woche. Eindeutige Beweise, dass die Mutante tödlicher ist, gibt es derzeit nicht.

Die Zahl der Corona-Erkrankungen in Großbritannien stieg inzwischen auf 3,7 Millionen. Der erste Todesfall wurde am 5. März 2020 registriert. Damals waren die Behörden davon ausgegangen, es wäre ein „gutes Ergebnis“, die Zahl der Todesfälle unter 20.000 zu halten. (afp)

SPD fordert Aufklärung der Impfstoff-Misere

Die SPD im Bundestag hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aufgefordert, auf offene Fragen zur Bereitstellung der Corona-Impfstoffe zu antworten. „Dafür muss der Bundesgesundheitsminister in den Fachausschüssen auf jeden Fall Rede und Antwort stehen“, sagte Fraktionschef Rolf Mützenich am Dienstag in Berlin. „Offensichtlich gibt es Mängel. Und es gibt möglicherweise auch berechtigte Nachfragen“, so Mützenich.

„Ein Impfstoffmangel, das wäre mit Sicherheit etwas, was den Gesundheitsminister umtreiben sollte – und keine anderen Fragen“, mahnte Mützenich auch vor dem Hintergrund von Spahns Rolle bei der neuen personellen Aufstellung der CDU mit ihrem neuen Chef Armin Laschet. Zugleich forderte Mützenich die Impfstoffhersteller auf, ihre Zusagen einzuhalten.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte einen Fragenkatalog der SPD in einem 30 Seiten langen Papier beantwortet. Die SPD hatte den Katalog im Zuge der Debatte über Probleme beim Corona-Impfstart kurz nach dem Jahreswechsel übermittelt. Der Fragenkatalog hatte der SPD den Vorwurf eingebracht, mit dem sensiblen Thema Impfen Wahlkampf zu betreiben. Mützenich verteidigte den Fragenkatalog als gerechtfertigt. Bereits der SPD-Kanzlerkandidat und Vizekanzler Olaf Scholz hatte vergangene Woche entsprechende Vorwürfe zurückgewiesen. (dpa)

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