Aktionstag in Berlin-Friedrichshagen

Eine Fähre oder besser eine Brücke?

Endlich barrierefrei über die Spree, lautet die Forderung von verschiedenen Organisationen. Schon lange. Senatorin Regine Günther sagt eine Prüfung zu.

Eine Menschenmenge hört einer Rede auf einem Aktionstag zu.

Beim Aktionstag in Sachen Spreetunnel in Friedrichshagen Foto: Leon Knetter

50 Stufen runter, ungefähr 100 Meter Weg zwischen grün gefliesten, teils beschmierten Wänden, 50 Stufen wieder rauf – durch den Spreetunnel geht es sehr schnell von Friedrichshagen direkt ins Naturerholungsgebiet Köpenick. Voraussetzung ist aber, dass man ohne Kinderwagen und ohne Rollstuhl unterwegs ist.

In der Mitte der breiten Treppen ist ein Geländer, an den Rändern jeweils eine Fahrradrampe. Eine echte Hilfe sind die Fahrradrampen nur dann, wenn man das Glück hat, im Besitz eines besonders leichten Fahrrades zu sein. „Ich fahre immer den Umweg über die Salvodor-Allende-Brücke in Köpenick. Aber das sind halt mehr als drei Kilometer“, erzählt ein Fahrradfahrer, der seit Kurzem in Rente ist. Dabei ist das andere Ufer doch eigentlich so nah.

Damit eine Lösung für dieses Dilemma endlich real wird, hat der Berliner Behindertenverband zusammen mit anderen Organisationen am Samstag zu einem Aktionstag direkt am Spreetunnel, am Ufer des Müggelsees, aufgerufen. Schirmherr ist Gregor Gysi, der zeitlich verhindert ist. Regine Günther, parteilose Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, ist die erste Rednerin und kommt auch auf das neue Mobilitätsgesetz zu sprechen.

Darin ist das Ziel der „uneingeschränkten Mobilität für alle“ formuliert. Günther sichert den Anwesenden – auch einige Anwohner sind gekommen – zu, verschiedene Möglichkeiten eine barrierefreien Querung prüfen zu lassen. Konkret wären entweder eine Fähre, zum Beispiel von der BVG, oder eine Brücke denkbar. Alle anwesenden Vereine und Organisationen, das betont Günther noch, sollen beim Umsetzungsprozess beteiligt werden.

Ein bekanntes Problem

Maik Penn, Sozialpolitischer Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus (AGH) und selbst aus Köpenick, kennt das „Problem Spreetunnel“ auch aus dem Petitionsausschuss. Er hofft sehr, dass sich noch in der aktuellen Legislaturperiode eine Lösung findet. Die BVG hätte auf den Vorschlag der Fähre allerdings geantwortet, dass für ein solches neues Angebot ein anderes schon bestehendes gestrichen werden müsste.

Es folgen kurze Redebeiträge des Tourismusverbands Treptow-Köpenick, des Bürgervereins Friedrichshagen, des Behindertenverbandes, der Landesseniorenvertretung und eine kurze Podiumsdiskussion mit den behindertenpolitischen Sprechern der Linken, Stefanie Fuchs, und der FDP, Thomas Seerig. Alle sind sich einig: Es muss eine barrierefreie Querung geben. Eine Brücke scheint schon allein aus finanziellen Gründen die bessere Option zu sein, da die laufenden Kosten dann nicht so groß wären wie bei einem Fährbetrieb.

Warum gibt es nicht schon längst einen barrierefreien Weg ans andere Ufer?

Bei so viel generellerer Einigkeit fragt man sich, warum es nicht schon längst einen barrierefreien Weg ans andere Ufer gibt? Der Spreetunnel wurde schließlich erst vor zwei Jahren saniert. Immerhin wurden dabei die Fahrradrampen weit genug weg von den Wänden gebaut, sodass beim Hoch- und Runterführen nicht mehr ständig die Pedale oder das Lenkrad an der Wand anstößt. Aus „bautechnischen Gründen“ sei aber kein barrierefreier Fahrstuhl angebaut worden.

„Im Sande verlaufen“

Johanna Hambach, Vorsitzende der Landesseniorenvertretung Berlin, erzählt: „In der Bezirksverordnetenversammlung haben wir schon im Jahr 1995 gefordert, dass es eine barrierefreie Möglichkeit geben muss, hier von einem ans andere Ufer zu kommen. Das ist dann irgendwie im Sande verlaufen und erst 2004 wieder auf die Agenda gekommen. Und dann ab 2014 wieder.“

Mit „im Sande verlaufen“ meint Hambach, dass von Politik und Verwaltung zum Beispiel auf die Busse hingewiesen wird, mit denen man das andere Ufer der Müggelspree erreichen kann. „Das dauert halt aber eine Dreiviertelstunde.“ Gleiche, uneingeschränkte Mobilität für alle sieht anders aus. Die Organisatoren des Aktionstages werden nun erst einmal die von Günther versprochene Prüfung abwarten. Und dann, wenn es denn sein muss, weiter dafür kämpfen, schnell ans andere Müggelspree-Ufer zu kommen.

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