Portrait: Agrippinas Anwältin
Mein Geschichtslehrer hat mich belogen“ – das ist der Satz, mit dem die Arbeit begann. Die Historikerin und Feministin Irene Franken überschrieb so vor 30 Jahren ihren ersten Aufsatz zur Frauengeschichte. Seitdem ist viel passiert: Mit acht Mitstreiterinnen gründete sie 1986 den Kölner Frauengeschichtsverein, organisierte dafür Stadtrundfahrten, schrieb Bücher, hielt Vorträge, stellte Anträge an den Stadtrat und arbeitete unermüdlich an ihrem Ziel: Frauen sollen in der bisher männlich dominierten Geschichtsschreibung endlich sichtbar werden.
Dafür hat die heute 64-Jährige jetzt eine Auszeichnung bekommen: Seit Sonntag ist Irene Franken Kölns Alternative Ehrenbürgerin. Den Titel vergibt ein Komitee aus Kölner Stadtpromis rund um den Kabarettisten Jürgen Becker und den Grünen-Politiker Volker Beck. Franken habe zahlreiche Kölnerinnen und Rheinländerinnen der Vergessenheit entrissen und ihre Bedeutung für Stadt und Geschichte dokumentiert. „Dass wir uns heute von keinem Geschichtslehrer mehr belügen lassen müssen, haben wir neben anderen Historikerinnen Irene Franken zu verdanken“, begründet das Komitee die Entscheidung.
„Meine Mutter fand den Satz mit dem Geschichtslehrer furchtbar“, erinnert sich Franken. „Aber ich war eben wütend. Jahrtausendelang sollen in der Geschichte Frauen nur als Randfiguren existiert haben, das fand ich nicht glaubwürdig.“ Franken, 1952 in Düsseldorf geboren, zog für ihr Geschichtsstudium nach Köln. Dort begann sie, Artikel über Frauengeschichte zu veröffentlichen.
Anfang 2016 organisierten Franken und ihr Verein einen großen antirassistisch-feministischen Flashmob auf der Domplatte. Ihr Wirken als Historikerin kann man heute in Köln an Straßennamen ablesen, deren Benennung nach wichtigen Kölnerinnen sie gemeinsam mit den „Mitfrauen“ aus dem Verein durchgesetzt hat. Dass Archivleiter mit ihren Türen knallten und sie für ihre Arbeit in Leserbriefen schon mal zu hören bekam, da seien „keine Historikerinnen, sondern Hysterikerinnen am Werk“, nimmt sie gelassen. „Das hat mir nur gezeigt: Es gibt noch viel zu tun!“ Helke Ellersiek
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