AfD-Gründer Lucke lehrt in Hamburg

Bernd ist wieder da

Er gründete die AfD mit, aber wofür er stand, ist dort längst nicht mehr mehrheitsfähig. Jetzt wird Bernd Lucke wieder Professor in Hamburg.

Ein Mann in Schlips und Kragen winkt

Hallo, Hörsaal: Bernd Lucke, schon nicht mehr Vorsitzender, auf dem AfD-Parteitag 2015 in Essen Foto: dpa

HAMBURG taz | Eigentlich wollte Bernd Lucke weiterhin für die rechtskonservative Fraktion EKR im Europaparlament sitzen, doch er wurde nicht mehr gewählt. Jetzt kehrt er an die Uni Hamburg zurück, genauer: den Lehrstuhl für Makroökonomie. Davon hatte er sich 2014 nur beurlauben lassen, um die AfD mit aufzubauen. Während die Partei groß und größer wurde, überwarf sich Lucke mit Bundessprecherin Frauke Petry, man trennte sich im Streit um eine, nun ja, „stärker nationalkonservative Ausrichtung“ der AfD, wie es dieser Tage dpa formulierte. Mit seiner 2015 gegründeten Partei Liberal-Konservative Reformer (LKR) scheiterte er dann bei der letzten Europawahl: 0,1 Prozent der Stimmen.

Lucke selbst und die Universität mochten sich erst mal nicht zu der Sache äußern. Dafür reagierte am Montag der Allgemeine Studierendenausschuss der Hamburger Hochschule. Entsetzt zeigte sich der Asta-Vorsitzende Karim Kuropka – neben Luckes AfD-Vergangenheit auch über dessen „Ideologie freier Märkte“.

„Die Ansicht, dass Lohndrückerei zu weniger Arbeitslosenzahlen führt, ist schlichtweg falsch“, sagt Kuropka. „Ein massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Jahren 2003 bis 2005 als Folge der Agendapolitik belegt dies eindrücklich.“ Weniger staatliche Investitionen, niedrigere Löhne: Eine solche wirtschaftspolitische Wende forderten 2005 im „Hamburger Appell“ Lucke und andere, darunter Thomas Straubhaar, Gründungsdirektor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI).

„Viele Professoren der Volkswirtschaft vertreten marktradikale Positionen, und genau das hat die AfD massiv befördert“, sagt der Ökonom Thomas Dürmeier, der selbst in Hamburg gelehrt hat. „Eine Universität soll ein Ort des Austausches zwischen linken und rechten Positionen sein, aber gerade linke Positionen werden in der Ökonomie stark zurückgedrängt.“

Sein Fachkollege Rüdiger Bachmann, University of Notre Dame, sieht dagegen keinen Zusammenhang zwischen Luckes früheren wissenschaftlichen Arbeiten und seiner politischen Laufbahn. Lucke habe sich „erst in den 2000ern, vermutlich weil ihm die Politik zu links wurde, an den deutschen orthodoxen Ökonomen orientiert“, sagt er.

Der 56-jährige Lucke werde zum kommenden Wintersemester in den Lehrbetrieb zurückkehren, erklärte die Uni jetzt. Ob er dann auch weiter für die eurokritische LKR arbeiten wird, ist unklar.

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