AfD-Delegation reist nach Bergkarabach: Nationalisten treffen Nationalisten

Die AfD will in Bergkarabach das christliche Abendland gegen eine islamische Invasion verteidigen. Dabei hat der Konflikt mit Religion nichts zu tun.

Drei Männer vor frischen Gräbern

Die AfD-Delegation um auf einem Soldatenfriedhof in Stepanakert Foto: reuters

Zynischer geht es kaum. Bei Gefechten zwischen Armenien und Aserbaidschan sind täglich Opfer zu beklagen. Niemand weiß, wie viele Leben dieser Wahnsinn noch kosten und wie viele Menschen er zu Flüchtlingen machen wird. Und die AfD? Sie hat nichts Besseres zu tun, als eine Delegation in die umkämpfte Region Bergkarabach zu schicken – angeblich, um das christliche Abendland gegen islamische Invasoren zu verteidigen.

Eine derartige Positionierung ist unterkomplex, aber das gehört ja seit jeher zum Markenkern der AfD. Denn der jahrzehntealte Konflikt, der Ende September erneut ausgebrochen ist, ist kein Kampf zwischen christlichen Armenier*innen und muslimischen Aserbaidschaner*innen. Ein Blick in die Geschichtsbücher würde genügen, um sich in diesem Punkt Klarheit zu verschaffen: Im Kern geht es um Grenzen und Territorien; der Konflikt ist eine Erblast aus der sowjetischen Zeit. Doch was die Kenntnis historischer Fakten angeht, gibt es bei der AfD bekanntermaßen so einige blinde Flecken.

Dass ausgerechnet Rechtsextreme wie Andreas Kalbitz jetzt Bergkarabach ihre Aufwartung machen, ist nicht überraschend. Schließlich ist dies nicht der erste derartige Abstecher in die Region. Zudem unterhält die AfD ersprießliche Beziehungen zur armenischen Gruppe Adekvad. Wer einmal die Möglichkeit hatte, sich in den Räumen dieser ultranationalistischen Truppe umzutun und sich von ihrem Chef, Artur Daniljan, dessen menschenverachtende Weltsicht darlegen zu lassen, kann sich nur mit Schaudern abwenden.

Die armenische Staatsführung tut gut daran, nicht der Versuchung zu erliegen, den Besuch dieser deutschen Parlamentarier für eigene Propagandazwecke auszuschlachten. Denn das Unternehmen ist dazu angetan, noch mehr Hass zu schüren – in einer Region, die einen Modus für ein weiteres Zusammenleben finden muss.

Der AfD darf dort nicht das (Schlacht-)Feld überlassen werden. Genau das passiert aber. Die Bundesregierung laviert herum, Europa nicht minder.

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Geboren 1964, ist seit 1995 Osteuropa-Redakteurin der taz und seit 2011 eine der beiden Chefs der Auslandsredaktion. Sie hat Slawistik und Politikwissenschaft in Hamburg, Paris und St. Petersburg sowie Medien und interkulturelle Kommunikation in Frankfurt/Oder und Sofia studiert. Sie schreibt hin und wieder für das Journal von amnesty international. Bislang meidet sie Facebook und Twitter und weiß auch warum.

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