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Abtreibung in PolenOffener Brief gegen ein totales Verbot

Drei ehemalige First Ladies warnen vor einer Verschärfung des Gesetzes. Frauen dürften nicht zum Heldentum gezwungen werden.

Aus Warschau

Gabriele Lesser

| Frauen in Polen dürften nicht durch ein absolutes Abtreibungsverbot „zum Heldentum gezwungen“ werden, warnen die ehemaligen polnischen First Ladies des Landes, Danuta Wałęsa, Jolanta Kwaśniewska und Anna Komorowska, am Dienstag in einem gemeinsam verfassten offenen Brief. „Jede Abtreibung ist ein Drama, aber man kann das Drama von Frauen nicht verschärfen, indem man sie zwingt, ein Kind aus einer Vergewaltigung zu gebären oder ihr Leben und ihre Gesundheit oder die des Kindes zu riskieren.“

Seit Tagen wird kaum ein Thema in Polen so heiß diskutiert wie die neue Gesetzesvorlage zum Abtreibungsrecht. Ins Parlament eingebracht hat sie eine Pro-Life-Bürgerinitiative mit 100.000 Unterschriften. Polens katholische Bischöfe stellten sich in einem Hirtenbrief hinter die Initiative.

Regierungschefin Beata Szydło erklärte, dass sie persönlich für das totale Abtreibungsverbot sei, und auch Jarosław Kaczyński, der Parteivorsitzende der rechtsnationalen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) lächelte nur lakonisch und sagte: „Ich bin gläubiger Katholik!“

Überall in Polens Städten hatten am vergangenen Wochenende bereits Frauen gegen ein Gesetz protestiert, das das Lebensrecht eines befruchteten Eis über dasjenige einer Frau stellen würde. Vergewaltigung, Gefahr für Gesundheit und Leben der Mutter, unheilbare Krankheit oder eine schwere Behinderung eines Kindes – all das wäre in Zukunft kein Grund mehr für einen Schwangerschaftsabbruch.

„Wir sind uns nicht in allen Fragen einig“, schreiben Wałęsa, Kwaśniewska und Komorowska. „Aber wir sind alle Mütter und denken mit Sorge an unsere Töchter und alle Polinnen. Unser Appell: Den Gesetzgebungsprozess anzuhalten, der dazu führen würde, dass Frauen, die vor einer schwierigen Entscheidung stehen, durch das Recht zum Heldentum gezwungen würden.“

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