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Abschied von Olympia 2026Doch gar nicht sooo wichtig?

Die Winterspiele sind vorbei. Waren sie wirklich von so großer Bedeutung? Und welche Rolle könnten bald Skifahrer aus Iran oder Saudi-Arabien spielen?

Fayik Abdi, der erste Teilnehmer Saudi-Arabiens an Olympischen Winterspielen aller Zeiten, wurde 71. beim Riesenslalom Foto: imago/Xinhua

A us, aus, aus! Die Spiele sind aus! Und jetzt? Wie komme ich nur wieder raus aus dieser Blase, in die ich mich für zwei Wochen begeben habe? Ich weiß, dass ich wahrscheinlich vieles wichtiger fand, als es wirklich war.

Vielleicht hätte ich mir jeden Gedanken, den ich mir darüber gemacht habe, dass Marco Odermatt, der Überskifahrer der vergangenen Jahre, in Bormio ohne Gold geblieben ist, einfach sparen können. Vielleicht ist der Parallelriesenslalom der Snowboarderinnen für Olympia doch gar nicht so wichtig, wie ich das hier empfunden habe. Und vielleicht sind Olympische Spiele überhaupt ja gar nicht so groß, wie sie das selber gerne wären.

Für die meisten Sportlerinnen und Sportler sind sie ganz sicher das Größte. Und es gibt ja auch immer noch diejenigen, für die es ein Erfolg ist, überhaupt dabei zu sein. Bisweilen tragen sie eine noch viel größere Geschichte mit sich herum. Da ist etwa Mohammad Kiadarbandsari aus Iran. Der Skifahrer ist im Slalom ausgeschieden, im Riesenslalom wird er am Ende auf Rang 61 geführt.

Er habe immer Probleme mit dem Schnee in Europa, der sei so anders als in Iran. Was er über sein Heimatland denkt, möchte ich gerne wissen. Oder fragt man besser nicht? Es hieß ja, die Revolutionsgarden seien in Italien, um das Team zu schützen. Am Ende scheitert ein Gespräch eh an der Sprachbarriere.

Auftritt der saudischen Kerle

Auch von Fayik Abdi würde ich gerne mehr wissen, als er sagt. Der Skifahrer aus Saudi Arabien ist 71. im Riesenslalom geworden. Immerhin meinte er, dass sich etwas tue im Skisport seines Heimatlandes. Es gebe durchaus hoffnungsvolle Junioren.

Auf die Frage, was er denn davon halte, dass die asiatischen Winterspiele 2029 nun in Kasachstan stattfinden werden, weil das Mega-Ski-Resort, das die Saudis in die Wüste stellen wollten, gescheitert ist, mag er nichts sagen. „Nur Fragen zum Rennen, bitte“, sagt er höflich. Über 16 Sekunden Rückstand auf Olympiasieger Lucas Pinheiro Braathen hatte er. Will er wirklich, dass ich frage: „Und, woran hat’s gelegen?“

Später begegnet mir in Bormio eine große Gruppe Männer in den Anoraks des saudischen Teams. Was machen die hier? Hat Abdi so viele Betreuer wie der Olympiasieger bei seiner Olympiaexpedition dabei? Oder gibt der Eindruck schindende Auftritt der saudischen Kerle einen ersten Hinweis darauf, dass das stinkreiche Königreich bald eine herausragende Rolle im Olympiakosmos spielen wird? Eine wichtige Frage? Ich weiß es nicht. Ich nehme sie mal mit nach Hause.

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Andreas Rüttenauer
Sport, dies und das
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