Abkühlung: Ein Hoch auf das Grundwasser
Das altmodische grüne Ding im Wendehammer tut seinen Dienst an heißen Sommertagen in der Großstadt.
F rühstück auf dem Balkon. Wochenende. Ich arbeite samstags, normalerweise. Studiozeiten von Dienstag bis Samstag. Nur heute nicht. Es ist zu heiß. Hitzewelle in Europa, Hitzewelle in Berlin – Großstadthitze ist gleich doppelt Jackpot. Die Hauswände werden zu unfreiwilligen Heizungen. Effizienz mal umgekehrt.
Ich habe das Glück, einen Balkon an meiner Wohnung zu haben. Nordwestseite, wenig Sonne. Nur nachmittags. Also jetzt gerade ist Schatten – der sich allerdings wie ein Heißluftfön mit sehr mäßiger Luftbewegung anfühlt. Immerhin bewegt sich etwas, also Luft. Nicht nur die Schweißtropfen, die mir eben noch beim Blumengießen, oder besser Pflanzen-vor-dem-grausamen-Hitzetod-Retten, die Stirn herunterliefen.
Liegestuhl. So ein klappbarer, klappriger aus einer Werbeaktion vor ein paar Jahren. Ein bisschen Entspannungsluxus. Der Kaffee ist längst leer und die letzten Tropfen eingebrannt. Es quietscht von unten auf der Straße. Rhythmisch, irgendwie. Ansonsten ist nicht viel los, abgesehen von ein paar aufgeregt fliegenden Schwalben. Und ich brauche eine Weile, das Geräusch richtig zuordnen zu können. Ab und an kommt das Quietschen aus dem Takt, dann wieder wird es schneller. Ich bin zu faul und es ist auch viel zu heiß, als dass ich extra aufstehen möchte, um nachzusehen. Irgendwann stehe ich dann doch auf. Die alte Wasserpumpe im Wendehammer! Komplett aus der Zeit gefallen, und immer noch tut sie quietschend ihren Dienst. Die Leute wundern sich oft über das grün angemalte, gusseiserne Ding. Manche wissen nicht, was es ist. Heute spendet sie dringende Abkühlung. Ein Hoch auf das Berliner Grundwasser! Kalt und nass und für jeden zu haben. Mit jedem Quietschen wird mein Lächeln breiter. Ich sinke wieder in meinen Liegestuhl und freue mich, heute einfach mal schwänzen zu können.
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