Abkommen von Katar und Golfnachbarn: Umarmung mit weitreichenden Folgen

Saudi-Arabien und seine Verbündeten heben die Blockade gegen Katar auf. Ihre Grenzen wollen die Golfstaaten wieder öffnen.

Ein saudischer Fernsehmoderator steht vor dem Logo des 41. Golf-Kooperationsrates (GCC) im Medienzentrum

Wieder vereint? Am Dienstag trafen sich die Golfstaaten zum Gipfel des Golf-Kooperationsrats Foto: Amr Nabil/ap/dpa

KAIRO taz | Es ist eine Geste, die für die gesamte Region Folgen haben könnte: Für den Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, ist am Dienstag beim Gipfeltreffen des Golf-Kooperationsrats (GCC) in der saudischen Stadt al-Ula der rote Teppich ausgerollt worden. Am Flugfeld wartete der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman, um seinen Gast aus Katar lange in die Arme zu schließen.

Nach fast vier Jahren saudischen Embargos gegen Katar, das von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Bahrain und Ägypten mitgetragen wurde, scheint das Eis nun – pünktlich zum GCC-Treffen – gebrochen. Angekündigt wurde der Durchbruch schon am Vorabend durch den kuwaitischen Außenminister Ahmad Nasser al-Sabah, der erklärte, dass die Landgrenzen und der Luftraum zwischen Saudi-Arabien und Katar wieder geöffnet seien. Kuwait hat die Übereinkunft vermittelt. Kurz darauf verkündete der Emir von Katar, die Einladung zum GCC-Treffen in Saudi-Arabien anzunehmen. Dort unterzeichneten die sechs Mitglieder am Dienstag ein Abkommen für „Solidarität und Stabilität“, das den Konflikt offiziell beenden soll.

Es ist eine Annäherung, die weite Kreise ziehen könnte. Ägypten hat seinen Außenminister zum GCC-Treffen geschickt. „Ägypten unterstützt Bemühungen, die die arabische Einheit bewahren und zur Versöhnung im Interesse aller Seiten führen“, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Kairo. Die VAE und Bahrain gaben sich zurückhaltender. Beide gehören zu den Hardlinern am Golf, die einer Aussöhnung mit Katar bis zuletzt entgegengestanden hatten.

In dem Deal soll es um 18 Punkte gehen: Neben der Grenzöffnung und der Wiederaufnahme des Luftverkehrs wollen sich die Widersacher in Zukunft nicht mehr in staatlichen Medienkampagnen gegenseitig anfeinden und sich nicht in die inneren Angelegenheiten eines Staates des jeweils anderen Lagers einmischen. Möglich wurde die Wiederannäherung, weil es nach über dreieinhalb Jahren immer deutlicher wurde, dass das Embargo gegen Katar eine Sackgasse war und das Ziel, das kleine Emirat in die Knie zu zwingen, nicht erreicht wurde. Der superreiche Staat am Golf hat das Embargo einfach ausgesessen.

Saudi-Arabien will wieder Führungsrolle am Golf

Viele Fragen bleiben indes offen: Alle Seiten betonen, dass dies nur ein Anfang sei und weitere Details der Aussöhnung in einem Dialog ausgehandelt werden müssten. Das Embargo wurde ursprünglich damit gerechtfertigt, dass Katar zu enge Beziehungen mit dem Iran unterhalte und eine türkische Militärbasis beheimate. Auch dass Katar als einer der Unterstützer der Muslimbruderschaft gilt, war vor allem den Emiraten und Ägypten ein Dorn im Auge, die die Muslimbrüder als Terrororganisation einstufen. Saudi-Arabien und Bahrain störten sich dagegen eher an den engen Beziehungen Katars zum Iran, wobei es aber offensichtlich war, dass das Embargo Katar noch weiter in die Arme Teherans drängen würde – ein weiterer Grund, warum vor allem Saudi-Arabien auf ein Ende des Boykotts drängte.

Dass sich Saudi-Arabien nun vor allem gegen die VAE durchgesetzt hat, zeigt, dass das Königreich wieder eine Führungsrolle am Golf übernehmen will. In den letzten Jahren war der Kronprinz der Emirate, Muhammad bin Zayed, immer wieder als Mentor und Berater des saudischen Kronprinzen Muhammad bin Salman aufgetreten. Er gilt als der Architekt des Katar-Boykotts.

Die Umarmung der beiden Kronprinzen könnte Folgen haben, die weit über die Golfstaaten hinausgehen. Das Zerwürfnis beider Länder lag vielen Konflikten in der Region zugrunde. Im Kern geht es um die Beziehungen der arabischen Golfstaaten zum Iran, der Türkei, aber auch zu Organisationen wie der Muslimbruderschaft. Da könnten jetzt die Karten neu gemischt werden.

Beispielsweise in Libyen: Dort unterstützen Saudi-Arabien, die VAE und Ägypten bisher General Chalifa Haftar im Osten des Landes. Katar dagegen unterstützt zusammen mit der Türkei die libysche Regierung in der Hauptstadt Tripolis. Wenn sich nun nicht nur Saudi-Arabien an Katar annähert, sondern auch die Emirate und Ägypten, könnte das den Weg für viele andere Aussöhnungen in der Region ebnen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de