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ARAFAT RISKIERT EINEN PALÄSTINENSISCHEN BÜRGERKRIEGGefährliche Ruhe

Jassir Arafat hat es tatsächlich geschafft: In den palästinensischen Autonomiegebieten ist es weitgehend ruhig geblieben, nachdem am Montag antiamerikanische Demonstrationen in Gaza blutig unterdrückt wurden. Für seine Rigidität hat Arafat viel Beifall aus dem Westen und selbst von der israelischen Regierung erhalten. Ja, scheinbar wird er sogar belohnt: Auch gestern wieder erklärte US-Präsident Bush vage, er sei schon immer von der Notwendigkeit eines palästinensischen Staates überzeugt gewesen – was allerdings in absehbarer Zeit ohne praktische Folgen bleiben dürfte.

Passend zu seinem bisherigen autoritären Führungsstil scheint Arafat sich nicht bewusst zu sein, was für ein riskantes Spiel er treibt, wenn er die Konfrontation mit der palästinensischen Opposition sucht. Eine Beendigung der Intifada ist erst realistisch, erst dann gegenüber der palästinensischen Bevölkerung durchzusetzen, wenn die israelische Armee aus den Autonomiegebieten abgezogen ist und Palästinenser und Israelis erneut über einen Frieden verhandeln. Auf dem Weg dahin ist die palästinensische Polizei so wenig hilfreich wie die israelische Armee.

Gestörte Beziehungen zwischen der Autonomiebehörde und Hamas sowie Dschihad können langfristig fatal für den israelisch-palästinensischen Konflikt sein. Bisher herrschte zwischen beiden Lagern jenes Minimum an Konsens, das unbedingt notwendig ist, wenn Selbstmordattentate in Israel in der jetzigen weltpolitischen Situation verhindert werden sollen. Außerdem würde ein palästinensischer Bürgerkrieg dazu führen, dass sich Hamas und Dschihad weiter radikalisieren: Waren sie bisher auf den regionalen Konflikt mit Israel konzentriert, könnten auch sie ihre Anschläge internationalisieren. Die westliche Unterstützung für das harte Vorgehen Arafats ist ebenso unehrlich wie gefährlich, wenn sie nicht mit einer politischen Perspektive für die Palästinenser verbunden wird. Man darf nicht Arafat für den Kampf gegen den Terrorismus gewinnen und dafür das palästinensische Volk verlieren. ABDEL EL HUSSEINI

Freier Journalist aus dem Libanon. Lebt in der Eifel.

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