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75 Jahre ARDDie Zu­schaue­r*in­nen animieren

Die ARD feiert sich mit „75 Jahre. Fürs Erste!“ in Form einer Power-Point-Präsentation. Das ist nicht verkehrt – aber reicht das?

ARD-Moderatorin Susanne Daubner Foto: Thomas Ernst/hr/ndr/ard

Die ARD wird 75 Jahre alt und egal, was man ihr so vorwerfen kann (Staub): Das ist ein Grund zu feiern. Dieser Verbund von Landesrundfunkanstalten hat das deutsche Fernsehen geprägt – und damit alle, die irgendwann in ihrem Leben mal regelmäßig Zeit mit „Sportschau“, „Maus“ oder „Tatort“ verbracht haben.

Also: Herzlichen Glückwunsch! Auch dazu, dass Ihr für die Dokumentation zu Eurem Geburtstag Susanne Daubner als Moderatorin gewinnen konntet. In Halle (Saale) geboren, Moderatorin beim Ostberliner Jugendradio DT64, nach ihrer Flucht beim Sender Freies Berlin und dann ab 1999 Sprecherin bei der „Tagesschau“ – professionell süffisant.

So scheppert also zu Beginn der Doku ein Wecker das Publikum und auch die Daubner wach, die uns danach auch gleich – kurzer Umweg durch eine klinisch saubere Küche – durch den Newsroom führt, in die Maske mit Jens Riewa und vor allem durch die Geschichte des Verbundes ARD, der 1950 von den damals sechs öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gegründet wurde.

„Nun wollen wir uns noch ein bisschen mit der Bundesregierung anlegen“, sagt ein Moderator in einem der vielen Einspieler aus (ur)alten Sendungen.

Die Dokumentation

„75 Jahre. Fürs Erste!, 59 Minuten, ARD-Mediathek

Zwischen historischen Radrennen durch Matsch, dem „Sandmann“ und frühen misogynen Sketchen pocht der Film immer wieder darauf, Kontrollorgan zu sein, vielleicht ein bisschen zu oft und zu frontal. Dazwischen kleine Einspieler mit Aufnahmen historischer Ereignisse – nur leider oft nicht eingeordnet.

Vielleicht darf man das ganze auch nicht wie eine Doku betrachten, sondern wie eine dieser Power-Point-Präsentationen, die Geschwister und enge Freun­d*in­nen bei runden Geburtstagen aufführen, begleitet von peinlichem, aber herzigem Schauspiel und dem ein oder anderen Glas.

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1 Kommentar

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  • Kein Grund zum feiern!

    Dem Autor, der ARD, dem ZDF und den LeserInnen sei der filmischer Essay „Es werde Stadt!“ (2014) von Dominik Graf empfohlen. Am Beispiel der Idealstadt Marl, Sitz des Grimme‑Institut, werden Szenen und Stimmen zum Zustand des Fernsehens in Deutschland montiert. Ein Dokument der verpassten Chancen und des Verfalls eines Mediums, das ideal für Aufklärung und Bildung geeignet wäre, zu einem Instrument seichter Unterhaltung und Dauerwerbung, dass vor allem auf sinnliche Affizierung der ZuschauerInnen setzt. Wer sich fragt, wie es dazu kommen konnte und warum neue Medien und „Fake News“ so erfolgreich werden konnten, findet dort vielleicht erste Antworten.

    Spätestens mit der Zulassung von privaten Sendeanstalten hätten die Öffentlich-Rechtlichen den eigenen Programmauftrag nachjustieren sollen; stattdessen wollen sie auf ähnlichem Niveau Konkurrenz zu RTLII, Sky Sport, Netflix, TikTok usw. sein.