+++ Nachrichten im Irankrieg +++: Kuwait und Emirate melden neuen Beschuss mit Drohnen
Trotz Waffenruhe ist Kuwait von mutmaßlich iranischen Drohnen angegriffen worden. Offenbar ist auch ein Frachtschiff vor Katar beschossen worden.
Kuwait und Emirate melden neuen Beschuss mit Drohnen
Trotz einer geltenden Waffenruhe ist der kleine Golfstaat Kuwait von mutmaßlich iranischen Drohnen angegriffen worden. Die Streitkräfte hätten dort heute früh „mehrere feindliche Drohnen“ im eigenen Luftraum entdeckt und darauf reagiert, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mit. Mehr Details wurden nicht genannt. Man sei vollends bereit, die Sicherheit des Landes und der Bevölkerung zu beschützen.
Auch die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten heute neuen Beschuss. Die Flugabwehr habe zwei iranische Drohnen erfolgreich abgewehrt, teilte das emiratische Verteidigungsministerium mit. Opfer habe es nicht gegeben. Insgesamt habe der Iran die Emirate im Krieg bisher mit rund 550 Raketen, 30 Marschflugkörpern und 2.200 Drohnen angegriffen.
Schon am Donnerstag hatten sich der Iran und die USA trotz einer Waffenruhe gegenseitig angegriffen. Am Freitag hatte das US-Militär zwei unter iranischer Flagge fahrende, unbeladene Öltanker angegriffen und außer Gefecht gesetzt.
Nachdem die USA und Israel Ende Februar den Krieg gegen den Iran begonnen hatten, reagierte Teheran mit Angriffen unter anderem in den Golfstaaten. Hier liegen unter anderem wichtige US-Militärstützpunkte und -Botschaften. Kuwait wurde zusammen mit den Emiraten dabei besonders stark angegriffen. (dpa)
Flughafenverband warnt vor Millionen Flugstreichungen
Angesichts drohender Lücken in der Versorgung mit Kerosin warnt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) vor möglichen Flugstreichungen und Preiserhöhungen. „Es ist zu befürchten, dass vor allem bei Low-Cost-Airlines und touristisch weniger bedeutsamen Destinationen weitere Flüge gestrichen werden“, sagte Ralph Beisel, ADV-Hauptgeschäftsführer, der „Welt am Sonntag“.
„Das Best-Case-Szenario für 2026 ist eine Stagnation bei der Passagierentwicklung. Im Worst-Case-Szenario droht an manchen Flughäfen ein Kapazitätseinbruch von zehn Prozent. Hochgerechnet auf alle Flughäfen wären 20 Millionen Fluggäste betroffen“, so Beisel. Einige Ziele würden dann gar nicht mehr angeflogen, andere seltener und zu höheren Preisen.
Infolge der wegen des Iran-Kriegs gestörten Öltransporte durch die Straße von Hormus schnellten die Preise für den Flugtreibstoff Kerosin in die Höhe. Einige Airlines sagten deswegen bereits Flüge ab.
„Die Kerosinpreise sind seit mehr als zwei Monaten doppelt so hoch wie vor dem Krieg. Wir rechnen auch in den kommenden Monaten nicht mit einer Normalisierung“, sagte Beisel. „Auch wenn Kerosin verfügbar ist, werden Airlines viele Flüge zu diesen Preisen nicht wirtschaftlich durchführen können.“ (dpa)
Umfrage: Mehrheit spart seit Beginn des Iran-Kriegs Energie
Wegen der seit dem Iran-Krieg gestiegenen Kosten achten viele Menschen in Deutschland einer Umfrage zufolge stärker auf ihren Energieverbrauch. Gut zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) gehen deshalb grundsätzlich sparsamer mit Energie um, wie eine Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Verivox zeigt, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Zuerst hatten die Zeitungen der Funke Mediengruppe darüber berichtet, zu denen auch die „Braunschweiger Zeitung“ zählt (Sonntag online, Montag Print).
So reduzierten laut Umfrage 52 Prozent ihren Stromverbrauch. 55 Prozent gaben an, weniger zu heizen und 47 Prozent sparten beim warmen Wasser. Auch beim Verkehr zeige sich ein Effekt: So ließen 48 Prozent das Auto häufiger stehen. Knapp ein Drittel (29 Prozent) gab an, öfter Fahrrad zu fahren. Ein Viertel (24 Prozent) nutze häufiger Bus und Bahn. 28 Prozent gaben zudem an, ihren Energieverbrauch regelmäßig zu überprüfen.
Gut ein Viertel (27 Prozent) sei hingegen bei der Energie nicht sparsamer geworden, hieß es. Gut die Hälfte dieser Befragten (52 Prozent) gab an, bereits sparsam zu sein und kein weiteres Einsparpotenzial zu sehen. Rund ein Fünftel (22 Prozent) spüre die Kostensteigerung zwar, könne sich das aber leisten. Rund 18 Prozent derjenigen, die keine Energie einsparen, wollten die eigenen Alltagsgewohnheiten nicht ändern. Ebenfalls knapp 18 Prozent erklärten, dass sie die höheren Energiekosten kaum bemerkten. Die Ergebnisse basieren laut Verifox auf einer Online-Umfrage aus dem April. Dafür habe das Marktforschungsinstitut Innofact 1.013 Menschen im Alter von 18 bis 79 Jahren befragt. Die Ergebnisse seien gewichtet und repräsentativ. (epd)
Frachter vor Katars Küste von Geschoss getroffen
Vor der Küste von Katar ist am Sonntag offenbar ein Frachtschiff beschossen worden. Ein Frachter habe gemeldet, dass er am frühen Sonntagmorgen 23 Seemeilen nordöstlich von Doha von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen worden sei, teilte die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) mit. Daraufhin sei ein kleines Feuer ausgebrochen, das aber bereits gelöscht sei. Es gebe keine Verletzten, auch seien keine Umweltschäden entstanden.
Der Vorfall ereignete sich, nachdem die iranischen Revolutionsgarden gedroht hatten, US-Frachter in der Region anzugreifen. „Jeder Angriff auf iranische Öltanker und Handelsschiffe wird einen harten Gegenschlag gegen eine der amerikanischen Einrichtungen in der Region sowie gegen die feindlichen Schiffe nach sich ziehen“, erklärten die Revolutionsgarden am Samstag laut Staatsmedien.
Die Revolutionsgarden erklärten weiter, es würden keine Bedrohungen gegen ihre Schiffe oder Störungen ihrer Ölexporte und Handelsrouten geduldet. Die Handelsflotte werde geschützt.
Die USA hatten zuvor trotz Waffenruhe zwei iranische unbeladene Öltanker angegriffen und außer Gefecht gesetzt. Sie hatten laut US-Armee versucht, einen iranischen Hafen am Golf von Oman anzulaufen und damit die Seeblockade der USA zu brechen. Nach Angaben des für die Golfregion zuständigen US-Zentralkommandos (Centcom) wurden die beiden iranischen Schiffe am Freitag im Golf von Oman von US-Kampfflugzeugen mit „Präzisionsmunition“ beschossen. Bereits in der Nacht zuvor hatte es Gefechte in der strategisch bedeutenden Straße von Hormus gegeben.
Die für den weltweiten Ölhandel bedeutende Meerenge war zu Beginn des Irankriegs Ende Februar von den iranischen Streitkräften weitgehend gesperrt worden. In der Folge schossen die Energiepreise weltweit in die Höhe. Seit April gilt in der Region eine Waffenruhe – die allerdings durch den sich wieder verschärfenden Konflikt um die Meerenge bedroht ist. (afp/dpa)
Iran lässt USA offenbar warten
Eine Antwort auf den US-Vorschlag für ein Ende des Kriegs schien Iran weiter schuldig zu bleiben – zumindest wurde dazu öffentlich nichts bekannt. US-Präsident Donald Trump und seine Regierung waren eigenen Worten zufolge davon ausgegangen, bis Freitag eine Antwort zu bekommen.
Irans Regierung hatte vor wenigen Tagen mitgeteilt, man prüfe einen Vorschlag aus den USA. Dabei handelt es sich um eine 14 Punkte umfassende Absichtserklärung. Deren Ziel ist es unter anderem, einen Rahmen für zunächst 30 Tage dauernde Verhandlungen zu schaffen, um den Krieg zu beenden. Diskutiert werden Medienberichten zufolge auch eine Lockerung von US-Sanktionen sowie Vereinbarungen zur Zukunft der Straße von Hormus. Zudem soll eine Grundlage für Verhandlungen über Irans umstrittenes Atomprogramm geschaffen werden. (dpa)
Diplomatie läuft auf Hochtouren
Die diplomatischen Bemühungen laufen auf Hochtouren weiter. Am Samstag trafen sich US-Außenminister Marco Rubio und der Sondergesandte des Weißen Hauses, Steve Witkoff, mit dem katarischen Ministerpräsidenten Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, um eine Vereinbarung zur Beendigung des Kriegs zu erreichen, wie das Portal „Axios“ unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen mitteilte. Das Weiße Haus halte Katar für besonders effektiv in Verhandlungen mit Iran, hieß es weiter. Pakistan vermittelt im Irankrieg offiziell, Katar agiert eher im Hintergrund.
Seit gut einem Monat gilt eine Waffenruhe im Irankrieg. Die militärischen Spannungen sind jedoch nach wie vor beträchtlich. Gespräche der Konfliktparteien unter der Vermittlung Pakistans könnten laut Wall Street Journal in der kommenden Woche erneut in Islamabad stattfinden. Zuletzt waren Pläne für weitere Gesprächsrunden in der pakistanischen Hauptstadt mehrmals gescheitert. (dpa)
Mindestens neun Tote bei israelischen Angriffen im Südlibanon
Bei israelischen Angriffen im Süden des Libanon sind nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums am Samstag mindestens neun Menschen getötet worden. Unter den Opfern sei ein Mädchen, teilte das Ministerium mit. Bei Angriffen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz auf israelische Soldaten wurden nach Armeeangaben drei Reservisten verletzt. Zwischen Israel und dem Libanon gilt seit drei Wochen eine Waffenruhe, die von der Hisbollah aber nicht anerkannt wird.
Bei einem israelischen Angriff auf die Stadt Saksakije wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums sieben Menschen getötet, unter ihnen ein Mädchen. 15 Menschen, darunter drei Kinder, seien zudem verletzt worden.
Bei einem Angriff in der Stadt Nabatije wurde nach Ministeriumsangaben außerdem ein Mann getötet. Die zwölfjährige Tochter des syrischen Staatsbürgers sei schwer verletzt worden und müsse sich einer Notoperation unterziehen.
In der südlichen Stadt Bedias wurde bei israelischen Angriffen laut dem Gesundheitsministerium ein weiterer Mensch getötet. 13 Menschen wurden demnach verletzt, darunter zwei Frauen und sechs Kinder.
Die israelische Armee hatte am Samstagmorgen ungeachtet der Waffenruhe mit dem Libanon die Bewohner von neun Dörfern im Süden des Libanon aufgefordert, sich zum Schutz vor geplanten Militärangriffen in Sicherheit zu bringen. „Angesichts des Verstoßes der terroristischen Hisbollah gegen die Waffenruhe-Vereinbarung“ sei die israelische Armee gezwungen, „kraftvoll“ gegen die Hisbollah vorzugehen, teilte der arabischsprachige israelische Armeesprecher Avichay Adraee im Onlinedienst X mit.
Libanesische Staatsmedien berichteten anschließend von Angriffen auf mehrere Ziele im Süden des Landes sowie auf eine Autobahn südlich der Hauptstadt Beirut.
Die pro-iranische Hisbollah-Miliz erklärte, sie habe als Reaktion auf die anhaltenden israelischen Angriffe Soldaten im Norden Israels mit einer Drohne angegriffen. Zudem nahm die Miliz nach eigenen Angaben israelische Soldaten ins Visier, die im Südlibanon im Einsatz sind.
Die israelische Armee meldete mehrere Drohnen der Hisbollah, die in Richtung Israel unterwegs waren. Bei einem der Angriffe seien in Israel drei Reservisten verletzt worden, einer von ihnen schwer.
Zuvor hatte die israelische Armee mitgeteilt, sie habe in den vergangenen 24 Stunden mehr als 85 Infrastruktur-Einrichtungen der Hisbollah „aus der Luft und vom Boden aus“ getroffen. Darunter seien Waffenlager, Abschussvorrichtungen und Bauten gewesen, die von der Hisbollah genutzt worden seien, um „terroristische Aktivitäten gegen israelische Zivilisten und Soldaten voranzutreiben“.
Seit dem 17. April gilt eine Feuerpause zwischen Israel und dem Libanon. Dessen ungeachtet setzten Israel und die Hisbollah ihre gegenseitigen Angriffe fort. Beide Seiten werfen einander Verstöße gegen das Waffenruhe-Abkommen vor. Parallel dazu laufen erstmals seit Jahrzehnten direkte Friedensverhandlungen zwischen dem Libanon und Israel.
Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel Israels Vernichtung ist, lehnt sowohl die Waffenruhe als auch die direkten Gespräche zwischen den Nachbarländern ab. Die schiitische Miliz verübte seit Beginn der Waffenruhe nach eigenen Angaben mehrere Angriffe auf israelische Streitkräfte im Süden des Libanon sowie Angriffe auf Nordisrael.
Der Libanon war Anfang März in den Irankrieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei feuerte die von Teheran finanzierte Hisbollah Raketen auf Israel ab. Israel flog daraufhin massive Angriffe auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.
Satellitenbilder deuten auf Ölteppich vor iranischer Insel Charg hin
Satellitenbilder deuten auf einen möglichen Ölteppich von etwa 45 Quadratkilometern vor der iranischen Ölinsel Charg im Persischen Golf hin. Die grau-weiße Schliere sei auf Aufnahmen der europäischen Copernicus-Satelliten vom 6. bis 8. Mai westlich der acht Kilometer langen Insel zu sehen gewesen, erklärten Umweltforscher. Die Verschmutzung, etwa so groß wie der Ammersee, stimme vom Aussehen mit einem Ölteppich überein. Die Ursache und die genaue Herkunft seien unbekannt. Das US-Militär und die iranische UN-Vertretung in Genf äußerten sich zunächst nicht zu den Aufnahmen. (rtr)
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