+++ Nachrichten im Irankrieg +++: Öltanker vor Dubai getroffen
In der Türkei ist erneut ein iranisches Geschoss abgefangen worden. Laut dem israelischen Premier Netanjahu wurde mehr als die Hälfte der Kriegsziele bereits erreicht.
Inhaltsverzeichnis
- Öltanker vor Dubai getroffen
- Ifo-Umfrage: Irankrieg belastet 90 Prozent der Industrieunternehmen
- Irankrieg und Energiekrise setzen Börsen in Ostasien zu
- Laut Netanjahu mehr als die Hälfte der Kriegsziele in Iran erreicht
- EU weitet Marineeinsatz im Nahen Osten aus
- Nato fängt erneut Rakete aus Iran in der Türkei ab
- Iraner per SMS zur Landesverteidigung aufgerufen
- Zwei weitere Blauhelmsoldaten bei Explosion im Südlibanon getötet
Öltanker vor Dubai getroffen
dpa | Iran setzt auch einen Monat nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe seinen Beschuss benachbarter Golfstaaten mit ballistischen Raketen und Drohnen unablässig fort. Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten in der Nacht erneute Angriffe. Im Persischen Golf wurde zudem vor der Küste von Dubai ein riesiger kuwaitischer Öltanker getroffen, teilte die Kuwait Petroleum Corporation nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Kuna mit. Es brach ein Feuer aus, das nach Angaben der Behörden in Dubai erst nach mehreren Stunden gelöscht werden konnte. Verletzte gebe es nicht.
US-Außenminister Marco Rubio zeigte sich unterdessen überzeugt, dass die Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr geöffnet wird – „so oder anders“. Entweder werde sich Iran bereiterklären, „sich an internationales Recht zu halten“ und die Meerenge nicht zu blockieren, sagte Rubio dem Sender Al Jazeera. „Oder eine Koalition von Nationen aus der ganzen Welt und der Region wird mit Beteiligung der Vereinigten Staaten dafür sorgen, dass sie offen ist“.
Rubio äußerte sich nicht weiter dazu, was genau er mit „dafür sorgen“ meinte. Falls Iran die Meerenge weiter blockieren sollte, drohten Teheran „wirkliche Konsequenzen, nicht nur seitens der Vereinigten Staaten, sondern von Ländern in der Region und der Welt“, sagte Rubio.
Im Persischen Golf liegen wichtige Häfen und Verladestationen für den globalen Handel mit Öl und Gas. Von dort bringen Schiffe ihre Fracht über die strategisch wichtige Straße von Hormus in den Golf von Oman und weiter auf den Weltmarkt.
Ifo-Umfrage: Irankrieg belastet 90 Prozent der Industrieunternehmen
rtr | Neun von zehn Industrieunternehmen in Deutschland sehen ihre Geschäfte durch den Irankrieg beeinträchtigt. Nur neun Prozent fühlen sich derzeit nicht betroffen, wie eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage des Münchner Ifo-Instituts ergab. „Der Konflikt trifft die Industrie unmittelbar, sorgt aber vor allem für große Unsicherheit“, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Viele Firmen stellen sich auf zusätzliche Belastungen in den kommenden Monaten ein.“
Zur Begründung nennen mit 78 Prozent die meisten Industrieunternehmen gestiegene Energiepreise. 36 Prozent betonen jeweils Einschränkungen bei Schifffahrtswegen und Lieferschwierigkeiten bei Vorprodukten und Rohstoffen. Eine Beeinträchtigung des Luftfrachtverkehrs befürchten 16 Prozent der Betriebe. Rund ein Viertel geht von einer abnehmenden Nachfrage auf wichtigen Exportmärkten aus.
Darüber hinaus weisen viele Unternehmen auf finanzielle Risiken hin, etwa durch unsichere Fracht- und Logistikkosten, steigende Versicherungsprämien oder erhöhte Zahlungsrisiken. „Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs bereits jetzt abzeichnen und sich über verschiedene Kanäle noch verstärken könnten“, sagte Wohlrabe. „Je länger die Unsicherheit anhält, desto größer werden die wirtschaftlichen Probleme für die Unternehmen.“
Der seit mehr als vier Wochen anhaltende Irankrieg hat bereits auf die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft durchgeschlagen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im März zum Vormonat um 2,0 auf 86,4 Punkte. Dies ist der tiefste Stand seit Februar 2025. Die Firmen blickten ähnlich skeptisch wie zuletzt auf ihre aktuelle Lage, bewerteten ihre Aussichten aber spürbar schlechter. „Der Krieg im Iran beendet vorerst die Hoffnung auf einen Aufschwung“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.
Irankrieg und Energiekrise setzen Börsen in Ostasien zu
dpa | Nach einem bereits schwachen Start in die Handelswoche haben sich die Kursverluste an den Börsen in Ostasien fortgesetzt. Der japanische Leitindex Nikkei 225 sank am Dienstag bis zum Nachmittag (Ortszeit) um rund 1,3 Prozent, der südkoreanische Kospi brach gar um 3,6 Prozent ein.
Robuster hielt sich der Hongkonger Hang Seng Index mit einem Minus von knapp 0,8 Prozent. Für den CSI 300, der die wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen abbildet, ging es lediglich um rund 0,6 Prozent nach unten. Der australische S&P ASX 200 konnte den Handelstag mit einem leichten Plus von 0,25 Prozent abschließen.
Die Märkte reagieren damit auf den anhaltenden Irankrieg und die sich verschärfende Energiekrise. Insbesondere die ostasiatischen Volkswirtschaften sind stark von Öllieferungen über die derzeit nahezu geschlossene Straße von Hormus vor Iran angewiesen. Der Ölpreis ist unterdessen am Dienstag leicht gesunken. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit Auslieferung im Mai lag zuletzt bei rund 113 Dollar.
Laut Netanjahu mehr als die Hälfte der Kriegsziele in Iran erreicht
afp | In dem Krieg Israels und der USA gegen Iran sind nach Auffassung des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu mehr als die Hälfte der Ziele erreicht worden. „Wir haben definitiv die Hälfte hinter uns“, sagte Netanjahu am Montag in einem Interview mit dem konservativen US-Sender Newsmax. Zugleich betonte er, der Krieg sei mehr als zur Hälfte erledigt „im Hinblick auf die Missionen, nicht unbedingt im Hinblick auf die Zeit“.
Er wolle keinen Zeitplan für den restlichen Verlauf des Krieges aufstellen, sagte Netanjahu. US-Präsident Donald Trump hatte nach dem Beginn des Krieges erklärt, dieser werde vier bis sechs Wochen dauern. US-Außenminister Marco Rubio erklärte am Montag, der Krieg werde sich noch über Wochen hinziehen, nicht aber über Monate.
Netanjahu unterstrich derweil die Ziele, die bislang erreicht worden seien, darunter die Tötung von „tausenden“ Mitgliedern der iranischen Revolutionsgarden. Die israelische und die US-Armee stünden außerdem „kurz davor, ihre Rüstungsindustrie zu zerstören“, fügte er mit Blick auf Iran hinzu. Damit meine er die gesamte industrielle Basis und das Atomprogramm Teherans. Trump hatte das iranische Atomprogramm als einen der Gründe für den Krieg bezeichnet.
Netanjahu zeigte sich zudem zuversichtlich, dass die iranische Führung fallen werde. „Ich denke, dieses Regime wird von innen heraus zusammenbrechen“, sagte er. „Wir schwächen ihre militärischen Fähigkeiten, wir schwächen ihre Raketenfähigkeiten, wir schwächen ihre atomaren Fähigkeiten und wir schwächen sie außerdem von innen.“
EU weitet Marineeinsatz im Nahen Osten aus
dpa | Die EU weitet ihre Marineeinsätze im Roten Meer und im westlichen Indischen Ozean aus, wird sich aber vorerst nicht an möglichen Einsätzen zur Absicherung von Öl- und Gastransporten durch die Straße von Hormus beteiligen. Wie die Vertretung der Mitgliedstaaten mitteilte, sieht eine Ergänzung des Mandats vor, dass die beteiligten Schiffe und Flugzeuge künftig auch Informationen über verdächtige Aktivitäten im Zusammenhang mit kritischer Unterwasserinfrastruktur sammeln können. Zudem soll es unter anderem Ausbildungsaktivitäten für die Seestreitkräfte Dschibutis und eine Zusammenarbeit mit der jemenitischen Küstenwache geben.
Bei den EU-Marineeinsätzen geht es um die Operationen „Aspides“ und „Atalanta“. „Aspides“ war Mitte 2024 gestartet worden und soll Handelsschiffe vor allem vor Angriffen der militant-islamistischen Huthi aus dem Jemen schützen. „Atalanta“ gibt es bereits seit 2008. Sie wurde zur Bekämpfung der Piraterie in der Region gestartet.
Deutschland beteiligt sich derzeit an dem Einsatz „Aspides“, hat derzeit allerdings kein Schiff vor Ort. Das Mandat für eine Beteiligung an „Atalanta“ lief im April 2022 aus.
Diplomaten betonten am Montag in Brüssel, dass die geplante Ausweitung der Einsätze nicht im Zusammenhang mit Forderungen von US-Präsident Donald Trump steht. Dieser verlangt von europäischen Alliierten, einen Beitrag zur Absicherung von Öl- und Gastransporten durch die Straße von Hormus zu leisten. Hintergrund ist nach Angaben aus Brüssel unter anderem auch eine bessere Beobachtung der russischen Schattenflotte. Über diese versucht Moskau seit Jahren, einen von westlichen Unterstützern der Ukraine eingeführten Preisdeckel für russisches Öl zu umgehen. Zudem steht sie in Verdacht, auch für Sabotageaktionen gegen Unterwasserinfrastruktur genutzt zu werden.
Nato fängt erneut Rakete aus Iran in der Türkei ab
dpa | In der Türkei ist erneut ein aus Iran abgefeuertes Geschoss von einem Nato-Abwehrsystem abgefangen worden. Es habe sich um eine ballistische Rakete gehandelt, teilte die Sprecherin des Verteidigungsbündnisses, Allison Hart, auf X mit.
Vom türkischen Verteidigungsministerium hieß es, alle notwendigen Maßnahmen würden entschlossen und ohne zu zögern gegen jede Bedrohung des Staatsgebiets und des Luftraums des Landes ergriffen. Wo genau die Rakete abgefangen wurde, teilte das Ministerium nicht mit.
Es war bereits der vierte Vorfall dieser Art in den vergangenen Wochen. Zuletzt war eine ballistische Rakete in den türkischen Luftraum eingedrungen und zerstört worden. Die iranische Führung dementierte bisher stets, die Türkei beschossen zu haben.
Die Türkei verhält sich im Krieg zwischen Israel, den USA und Iran neutral und hat sich lange um eine diplomatische Lösung des Konflikts bemüht. Das Land verstärkte zuletzt die Flugabwehr. Im Rahmen der Maßnahmen der Nato werde ein Patriot-Raketenabwehrsystem in der osttürkischen Provinz Malatya für den Einsatz vorbereitet.
Iraner per SMS zur Landesverteidigung aufgerufen
ap | Viele Iraner sind per SMS aufgerufen worden, sich freiwillig zur Verteidigung ihres Landes zu melden und sich einer möglichen US-Bodenoffensive entgegenzustellen. In einer SMS, die der Nachrichtenagentur AP am Montag vorlag, hieß es, jene, die bereit seien, ihr Leben zu opfern, sollten sich über einen Link für den Kampf melden. Diese Freiwilligen könnten bald zum Einsatz kommen, hieß es in einer weiteren SMS. Ob die Nachrichten von einer Regierungsstelle abgeschickt worden waren, blieb allerdings zunächst unklar.
In Iran wurden in der Vergangenheit mehrfach Freiwillige per SMS für regierungstreue Einheiten mobilisiert und Regierungsgegner mit Konsequenzen bedroht. Einige dieser Nachrichten stammen von der iranischen Revolutionsgarde. In anderen Fällen sind die Absender nicht zweifelsfrei zuzuordnen.
Zwei weitere Blauhelmsoldaten bei Explosion im Südlibanon getötet
afp | Bei einer Explosion im Südlibanon sind am Montag nach Angaben der UN-Mission Unifil zwei Blauhelmsoldaten getötet worden. Ihr Fahrzeug sei in Bani Hajjan durch eine Detonation, deren Ursache unbekannt sei, zerstört worden, teilte Unifil mit. Bereits am Sonntag war ein Blauhelmsoldat im Süden des Libanon bei der Explosion eines Geschosses getötet worden. Frankreich beantragte eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats.
Bei dem Vorfall am Montag wurden nach Angaben von Unifil außerdem zwei Soldaten der UN-Friedenstruppe verletzt, einer von ihnen schwer. Die UN-Mission kündigte eine Untersuchung an.
Der libanesische Präsident Joseph Aoun verurteilte jeglichen „Angriff“ auf die Soldaten der Friedenstruppe. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot erklärte, sein Land habe wegen der „äußerst schwerwiegenden Vorfälle“ eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Er warf der israelischen Armee außerdem vor, am Sonntag die Sicherheit französischer Blauhelmsoldaten in Nakura bedroht zu haben. Dem israelischen Botschafter in Paris sei „mit größter Entschiedenheit“ die Verurteilung durch Frankreich übermittelt worden.
Der Libanon wurde Anfang März in den Irankrieg hineingezogen. Damals feuerte die von Iran unterstützte Hisbollah als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Soldaten über die Grenze. Nach Angaben des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz will die Armee im Libanon die Kontrolle über das Gebiet bis zum Fluss Litani übernehmen.
Im Zuge der Kämpfe im Südlibanon wurden Unifil-Stellungen UN-Angaben zufolge bereits mehrmals getroffen. Anfang März waren drei ghanaische Soldaten in einer Grenzstadt durch Schüsse verletzt worden.
Die Unifil ist seit Jahrzehnten zwischen Israel und dem Süden des Libanon im Einsatz. An der Mission sind auch rund 200 Bundeswehrsoldaten beteiligt, die die libanesische Seegrenze überwachen und libanesische Marine-Soldaten ausbilden.
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