+++ Nachrichten im Irankrieg +++: Trump schreibt auf X, der Iran werde „in die Hölle geprügelt“
Der US-Präsident droht dem Regime in Teheran mit einer Ausweitung der Angriffe. Derweil fordert Hisbollah zur Evakuierung einer nordisraelischen Stadt auf, nachdem Israel heftige Luftschläge im Libanon ausgeübt hat.
Arabische Liga plant Notfallsitzung
Die Arabische Liga plant morgen eine Notfallsitzung zu den iranischen Angriffen unter anderem in der Golfregion. Die Sitzung per Video-Schalte sei am Sonntagmittag geplant, sagte der Vize-Generalsekretär Hussam Saki gegenüber dem staatlichen ägyptischen Fernsehsender Al-Kahera-News. Die staatliche Nachrichtenseite Al-Ahram berichtete, das Treffen komme auf Gesuch Saudi-Arabiens. Auch Saudi-Arabiens Staatsfernsehen berichtete von dem geplanten Treffen.
Im Zuge der amerikanisch-israelischen Militärschläge im Iran reagiert das Land seit einer Woche mit Angriffen im Nahen Osten unter anderem auf US-Militärstützpunkte, aber auch auf zivile Ziele wie Flughäfen und Wohngebäude. In rund einem Dutzend arabischen Ländern kamen es seitdem zu Angriffen. Besonders viele davon meldeten Golfstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Katar.
Die Arabische Liga umfasst 22 Mitglieder, die sich bei internationalen Konflikten in Stellungnahmen zwar oft einheitlich äußern, aber eher selten konkrete Schritte beschließen. Als Gründe gelten vor allem interne Spaltungen und der Umstand, dass die Beschlüsse der Liga in der Regel nicht bindend sind. Schon in großen Kriegen und Konflikten etwa im Irak, in Syrien, Libyen und dem Jemen wurde der Liga deshalb vorgeworfen, kaum Einfluss ausgeübt zu und keine gemeinsame Linie gefunden haben. (dpa)
Trump droht Iran mit Ausweitung der Angriffe
US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mit der Ausweitung der Angriffe gedroht. Der Iran werde heute sehr hart getroffen und bislang nicht ins Visier genommene Gegenden würden für „komplette Zerstörung und sicheren Tod“ ernsthaft geprüft, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Der Iran werde „in die Hölle geprügelt“, schrieb Trump.
„Aufgrund des schlechten Verhaltens des Irans sind Gegenden und Gruppen von Menschen, die bislang noch nicht Ziel waren, unter ernsthafter Prüfung für vollständige Zerstörung und sicheren Tod“, schrieb Trump. Der Post auf seiner Plattform folgte auf Aussagen des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian, der am Morgen Bedingungen für ein Ende der eigenen Luftangriffe auf Nachbarländer gestellt
Eigentlich habe der Iran die ganze Region übernehmen wollen, schrieb der US-Präsident, ohne dafür konkrete Beweise vorzulegen. Jetzt aber sei das Land der „Verlierer“ der Region und werde es für viele Jahrzehnte sein, „bis sie sich ergeben, oder, noch wahrscheinlicher, komplett zusammenbrechen“. (dpa)
Libanesisches Gesundheitsministerium meldet 41 Tote
Bei israelischen Luftangriffen auf die Gegend um die libanesische Stadt Nabi Chit sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums 41 Menschen getötet und weitere 40 verletzt worden. Unter den Toten seien drei libanesische Soldaten, teilte das Ministerium am Samstag mit. In der Nacht seien dort israelische Streitkräfte gelandet und hätten sich heftige Gefechte mit Bewaffneten aus dem Gebiet im Osten des Landes geliefert.
Die israelischen Streitkräfte suchten nach Informationen über den israelischen Navigator Ron Arad, der vor 40 Jahren nach dem Absturz seines Kampfjets im Libanon verschollen war. Das israelische Militär gab an, keine Überreste von Arad gefunden zu haben. (dpa)
Hisbollah fordert zur Evakuierung von nordisraelischer Stadt auf
Die libanesische Hisbollah-Miliz ruft die Bewohner einer nordisraelischen Stadt zur sofortigen Evakuierung auf. „Warnung. Alle Einwohner von Kirjat Schmona sind aufgefordert, den Ort unverzüglich zu verlassen. Begeben Sie sich in den Süden“, heißt es in einer Erklärung der Gruppe. Welche Maßnahmen gegen die grenznahe Stadt geplant seien, lässt die Hisbollah offen. Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte die Bevölkerung im Norden dagegen wiederholt aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Das israelische Militär werde die Menschen schützen. (rtr)
Heidi Reichinnek verlangt sichere Fluchtwege nach Europa für Iraner*innen
Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek hat legale und sichere Fluchtmöglichkeiten nach Europa für schutzlos dem Krieg im Iran ausgesetzte Menschen verlangt. „Nachdem die Menschen in Iran Jahrzehnte unter einem brutalen Regime gelitten haben, bringt nun noch der massive Beschuss durch die USA und Israel die Zivilbevölkerung in große Gefahr“, sagte Reichinnek dem „Spiegel“. Auch umliegende Länder seien keineswegs sicher. „Es braucht sichere Fluchtwege nach Europa. Wir dürfen die Menschen in Iran und seinen Nachbarländern in dieser Situation nicht im Stich lassen.“ (dpa)
Tankstellenbetreiber monieren Abzocke durch Ölkonzerne
Die Kritik von Tankstellenbetreibern an den Mineralölkonzernen wegen der stark gestiegenen Spritpreise reißt nicht ab. „Das ist Raubtierkapitalismus wie im 19. Jahrhundert und hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun“, sagte der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands (TIV), Herbert Rabl, der Stuttgarter Zeitung.
Er monierte, dass Rohöl zu einem viel günstigeren Preis eingekauft und raffiniert worden sei und seitdem teilweise in den Tanks unter den Tankstellen lagere. Nun werde es deutlich teurer verkauft – ein Preis, mit dem die Konzerne ursprünglich nicht kalkuliert hätten. Das sei „Abzocke“, so Rabl weiter.
Auf die Preise an der Zapfsäule selbst hätten die Pächter keinen Einfluss. Diese würden von den Konzernen gemacht – den Frust der Autofahrer bekämen dann die Tankstellenpächter und ihre Angestellten ab, führte Rabl weiter aus. Die Mineralölwirtschaft rechtfertige die gestiegenen Preise als Vorsichtsmaßnahme vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs.
Ähnlich hatten sich zuvor auch Tankstellenbetreiber in Ostdeutschland geäußert. „Die Kollegen an den Kassen kriegen natürlich schon sehr deutlich den Unmut der Leute mit“, hatte Hans-Joachim Rühlemann, Vorsitzender des Verbands des Garagen- und Tankstellengewerbes (VGT) Nord-Ost, gesagt.
Die Tankstellenpächter könnten nichts für die Preisentwicklung. Die Preishoheit liege bei den Mineralölgesellschaften.
Zudem hätten die gestiegenen Preise auch Auswirkungen auf den Verkauf in den Tankstellenshops, sagte Rabl. Verärgerte Kunden würden nach dem Tanken nichts mehr kaufen. Dabei sei der Umsatz im Shop für die Tankstellenpächter wichtig: Er mache etwa 60 Prozent des Gesamtumsatzes aus, während auf Einnahmen durch den Verkauf von Benzin und Diesel lediglich etwa 20 Prozent des Gesamtumsatzes entfielen.
Auch dem Vorgehen der Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) steht Rabl skeptisch gegenüber: Die Prüfung durch das Kartellamt werde nichts ergeben, da die Preise bislang nicht so hoch seien, dass von gesetzeswidrigem Wucher gesprochen werden könne. Das Kartellamt sei in diesem Fall ein „zahnloser Tiger“.
Auch ein Tankrabatt, wie ihn die damalige Bundesregierung 2022 zeitweise eingeführt hatte, ist für den Sprecher des Interessenverbandes keine Option. Es sei nicht sinnvoll, die Preiserhöhungen der Konzerne zu bezuschussen. Dies hatte Reiche zuvor auch bereits ausgeschlossen. (dpa)
Rasche Ernennung von Chamenei-Nachfolger gefordert
Im Iran dringen zwei einflussreiche Geistliche auf die rasche Ernennung eines neuen Obersten Führers. Dies sei notwendig, um die Angelegenheiten des Landes besser zu organisieren, zitieren staatliche Medien Großajatollah Naser Makarem Schirasi. Auch Großajatollah Hossein Nouri Hamedani fordert das zuständige Expertengremium zur Eile bei der Auswahl eines Nachfolgers von Ajatollah Ali Chamenei auf. Nach dem Tod Chameneis führt derzeit vorübergehend ein dreiköpfiger Rat die Amtsgeschäfte. Diese Konstellation dürfte – nach den Aufrufen der Geistlichen zu urteilen – zumindest in Teilen des klerikalen Führungszirkels auf Vorbehalte stoßen. US-Präsident Donald Trump hatte gefordert, die USA müssten bei der Wahl des Nachfolgers ein Wort mitreden, was Teheran zurückweist. (rtr)
Benzin und Diesel kosten teils mehr als zwei Euro
Die Spritpreise in Deutschland sind infolge des Iran-Kriegs seit Ende Februar 2026 stark gestiegen. Der Dieselpreis überschritt am 4. März erstmals die Marke von zwei Euro pro Liter. Superbenzin der Sorte E10 verteuerte sich ebenfalls deutlich und kostete zeitweise knapp zwei Euro pro Liter.
Revolutionsgarden greifen Kämpfer im irakischen Kurdengebiet an
Eine Woche nach Beginn des Iran-Kriegs haben die iranischen Revolutionsgarden nach eigenen Angaben Kämpfer im irakischen Kurdengebiet angegriffen. Drei Ziele „separatistischer Gruppen“ seien am Morgen getroffen worden, erklärten die Revolutionsgarden der islamischen Republik nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim. „Sollten separatistische Gruppen in der Region auch nur die geringste Handlung gegen die territoriale Integrität des Iran unternehmen, werden wir sie zerschlagen“, erklärten die Revolutionsgarden demnach weiter.
Schon am Freitag hatte der Iran vor einem Eindringen kurdischer Kämpfer aus dem Irak in den Iran gewarnt. Der Verteidigungsrat drohte nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr für diesen Fall damit, „alle Einrichtungen“ der Kurdenregion im Irak ins Visier zu nehmen. (afp)
Fluggesellschaft Emirates nimmt Betrieb in Dubai wieder auf
Die Fluggesellschaft Emirates hat die Wiederaufnahme ihres wegen iranischer Angriffe unterbrochenen Betriebs in Dubai angekündigt. Nachdem am Samstagmorgen Explosionen zu hören waren, hatte Emirates zunächst erklärt, alle Flüge von und nach Dubai würden bis auf Weiteres ausgesetzt. Die Regierung gab bekannt, dass sie die Flugabwehr aktiviert habe. Kurz darauf erklärte Emirates dann, sie nehme ihre Flüge wieder auf.
Die Nachricht löste Jubel auf dem Internationalen Flughafen von Dubai aus, wo sich Reisende nach einem lauten Knall über ihnen in Zugtunneln unter dem weitläufigen Gelände in Sicherheit gebracht hatten. Die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate haben noch nicht erklärt, ob die Explosion Folge einer Abfangaktion war oder ob es zu Schäden am Flughafen gekommen ist, der weltweit als einer der verkehrsreichsten für internationale Flüge gilt.
Der Iran hat nach Beginn der Angriffe Israels und der USA auch Nachbarstaaten beschossen, die nicht direkt an dem Konflikt beteiligt sind. Allein die Vereinigten Arabischen Emirate sind nach eigenen Angaben mit Hunderten iranischen Drohnen und Raketen angegriffen worden. Luftfahrt-Drehkreuze wie der Airport von Duai oder der von Doha stellten daraufhin ihren Betrieb vorübergehend ein. (dpa)
16 Menschen bei israelischen Luftattacken im Libanon getötet
Im Libanon sind bei israelischen Luftangriffen laut Behördenangaben mindestens 16 Menschen getötet und 35 weitere verletzt worden. Die Zahl der Opfer könne noch steigen, teilt das Gesundheitsministerium weiter mit. Die Attacke galt der Stadt Nabi Schith im Osten des Landes. Seit dem jüngsten Wiederaufflammen der Kämpfe ist dies einer der Angriffe mit den meisten Toten. Insgesamt sind seit Montag bei israelischen Angriffen im Libanon mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen. Auslöser der schweren Bombardements war der Beschuss Israels mit Raketen und Drohnen durch die Hisbollah im Libanon. (rtr)
Schwere Schäden und zahlreiche Tote nach Luftangriffen auf Iran
Die iranischen Staatsmedien berichten nach Luftangriffen von schweren Schäden im ganzen Land. Betroffen seien unter anderem zwei Krankenhäuser in der Provinz Chuzestan im Südwesten des Landes. Laut Staatsfernsehen wurden das medizinische Zentrum Rasi in der Stadt Ahwaz und das Imam-Ali-Krankenhaus in Andimeschk durch Druckwellen nach Explosionen erheblich beschädigt.
Ein Mitarbeiter der Provinzregierung im zentraliranischen Isfahan sprach von „acht Bürgern, die als Märtyrer gestorben“ seien. Neben der Stadt Isfahan seien in der Provinz sieben weitere Städte angegriffen worden, sagte ein Vertreter der Sicherheitsbehörden laut der Nachrichtenagentur Tasnim. Mindestens 80 Gebäude seien „schwer beschädigt“ worden. Unabhängige Bestätigungen dafür gibt es bislang nicht.
Israels Militär setzte nach eigenen Angaben mehr als 80 Kampfflugzeuge ein, diese hätten Ziele in Teheran und im Zentrum des Landes ins Visier genommen. Die „Angriffswelle“ habe sich gegen „Infrastruktur des iranischen Terror-Regimes“ gerichtet. Im Visier waren demnach unter anderem Abschussrampen für Raketen und weitere Ziele.
Laut der staatlichen Rundfunkagentur Irib war auch der Inlandsflughafen Mehrabad im Westen von Teheran Ziel von Angriffen. Medienberichte zeigen Brände und große Schäden an dem Flughafen. Die Autobahn, die dorthin führt, ist demnach blockiert. Auch Militäranlangen in Teheran sowie in Zentral-, West- und Nordwestiran seien attackiert worden.
Der Ausfall des Inlandsflughafens zählt zu den Gründen, warum die Beisetzung des vor einer Woche getöteten Religionsführers, Ajatollah Ali Chamenei, verschoben wurde. Chamenei soll im Imam-Resa-Mausoleum in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden. Der Schrein im Nordosten des Landes ist für Schiiten ein Heiligtum. Eine Autofahrt in das rund 900 Kilometer entfernte Maschhad dauert rund zehn Stunden. Allerdings sind die Routen bekannt, und Fahrzeuge könnten gezielt angegriffen werden. (dpa/afp)
Irans Präsident stellt Bedingungen für Ende der Luftangriffe auf Nachbarländer
Irans Präsident Massud Peseschkian stellt Bedingungen für ein Ende von Luftangriffen auf Nachbarländer. In einer von der staatlichen Rundfunkagentur ausgestrahlten Videobotschaft sagte er, der Iran werde keine Raketen abfeuern und Nachbarländer angreifen, sofern von deren Territorium keine Attacken auf den Iran erfolgten. Er nannte jede Form der Unterstützung für Israel und die USA als „ehrlos“.
Zugleich entschuldigte er sich für die Angriffe auf Nachbarländer. „Diese Vorfälle waren das Ergebnis der chaotischen Situation nach dem Tod mehrerer hochrangiger Kommandeure, als die Streitkräfte führungslos waren und eigenständig handeln mussten“, sagte er.
Peseschkians Aussage bedeutet, dass auch von US-Militärstützpunkten in der Region keine Angriffe auf den Iran erfolgen dürfen. Da solche Basen in mehreren Nachbarländern stationiert sind, würde die Bedingung faktisch auch die USA betreffen. (dpa)
Hilfsorganisation schlagen Alarm wegen humanitärer Lage in Libanon
Die katholischen Hilfswerke Misereor und Malteser International machen angesichts des anhaltenden Nahost-Kriegs auf das Leid der Zivilbevölkerung im Libanon aufmerksam. „Wir verurteilen aufs Schärfste, dass der Libanon in diesen Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran hineingezogen wird“, hieß es in einer Misereor-Mitteilung vom Samstag. Die humanitäre Lage verschlechtere sich dramatisch. Nach offiziellen Angaben seien bislang mehr als 120 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt worden.
Misereor und seine Partnerorganisationen im Land riefen alle Konfliktparteien zu einem sofortigen Gewaltverzicht auf. Die internationale Staatengemeinschaft müsse alles tun, um zum Weg der Diplomatie zurückzukehren.
Malteser International äußerte sich ebenfalls besorgt. „Die Zivilbevölkerung im Libanon ist den Angriffen quasi schutzlos ausgeliefert. Es gibt im gesamten Land nur wenige öffentlich zugängliche Luftschutzbunker und kaum Möglichkeiten, sich in Sicherheit zu bringen“, erklärte die Organisation. Wegen der Kämpfe zwischen israelischer Armee und pro-iranischer Hisbollah-Miliz seien Hunderttausende Menschen auf der Flucht. Der Schulbetrieb sei im gesamten Land komplett eingestellt worden. Und für die Helfer werde es immer schwieriger, der notleidenden Bevölkerung beizustehen. (kna)
Putin fordert sofortige Einstellung der Kriegshandlungen
Russlands Präsident Wladimir Putin fordert in einem Telefonat mit seinem iranischen Amtskollegen Massud Peseschkian die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen im Iran-Krieg. Er verurteile die „bewaffnete israelisch-amerikanische Aggression“ und verlange eine Rückkehr zur Diplomatie, erklärte Putin laut Kreml am späten Freitagabend. Er lehne Gewalt als ein Mittel zur Lösung von Problemen rund um den Iran und darüber hinaus im Nahen Osten ab. Putin sprach sein Beileid zum Tod des geistlichen Oberhaupts Ajatollah Ali Chamenei, dessen Familienmitgliedern sowie von Politikern, Militärs und „zahlreichen Zivilisten“ aus, so der Kreml. Peseschkian dankte Putin demnach für die Solidarität Russlands. (rtr)
Israel meldet Angriffe aus Iran
Israel wird nach Angaben des Militärs erneut aus Iran angegriffen. Am frühen Morgen seien von Iran aus Raketen auf Israel abgefeuert worden, teilt die Armee mit. Es sind Explosionen zu hören, während die Luftabwehr aktiv ist. Kurz darauf beginnt das israelische Militär nach eigenen Angaben mit Angriffen auf Infrastruktur in der iranischen Hauptstadt Teheran. Auch im Libanon werden demnach iranische und Hisbollah-Ziele attackiert. (rtr)
US-Außenministerium genehmigt Waffenverkauf an Israel
Das US-Außenministerium genehmigt einen möglichen Verkauf von Munition und dazugehöriger Ausrüstung im Wert von 151,8 Millionen Dollar an Israel. Nach Angaben des Ministeriums hat US-Außenminister Marco Rubio einen Notfall festgestellt, der einen sofortigen Verkauf erfordere und im nationalen Sicherheitsinteresse der USA liege. Daher werde es die sonst übliche Überprüfung durch den US-Kongress nicht geben. (rtr)
Revolutionsgarden greifen erneut Öltanker in der Straße von Hormus an
Die iranischen Revolutionsgarden haben am Samstag nach eigenen Angaben einen Öltanker in der strategisch und wirtschaftlich wichtigen Straße von Hormus angegriffen. Das Schiff „Prima“ sei am Morgen von einer Drohne getroffen worden, teilten die Revolutionsgarden der Islamischen Republik laut der Nachrichtenagentur Tasnim mit. Der Tanker habe „wiederholte Warnungen“ der Revolutionsgarden zur Sperrung der Meerenge im Persischen Golf ignoriert.
Zuvor hatten die Revolutionsgarden US-Präsident Donald Trump einem Bericht staatlicher iranischer Medien zufolge direkt herausgefordert, Öltanker mit Marineschiffen durch die Straße von Hormus zu eskortieren. „Der Iran begrüßt die Eskorte von Öltankern und die Anwesenheit von US-Streitkräften bei der Durchquerung der Straße von Hormus ausdrücklich. Wir warten darauf“, sagte der Sprecher der Revolutionsgarden, Alimohammad Naini. „Wir empfehlen den Amerikanern, sich vor jeder Entscheidung an den Brand des amerikanischen Supertankers Bridgeton im Jahr 1987 und an die kürzlich angegriffenen Öltanker zu erinnern.“
Trump hatte am Dienstag gesagt, die US-Marine könne bei Bedarf Öltanker durch die Straße von Hormus eskortieren. Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran am Samstag wurden mindestens neun Schiffe angegriffen.
Die Revolutionsgarden hatten nach Beginn des Krieges die Sperrung der Straße von Hormus verkündet, die für den weltweiten Verkehr von Containerschiffen und Tankern bedeutend ist. (rtr/afp)
Konservative Medien wenden sich von Trump ab
Donald Trump bekam einige der kritischsten Töne in den ersten Tagen des Iran-Kriegs von einst loyalen Journalistinnen und Journalisten zu hören. Dazu zählen Tucker Carlson, Megyn Kelly und Matt Walsh, auf deren Unterstützung sich der US-Präsident bislang verlassen konnte. Der Stimmungsumschwung bleibt im Weißen Haus nicht unbemerkt. Die Regierung verteidigt sich in sozialen Medien und Interviews.
Die Kritiker zählen zwar zur Minderheit in der medialen MAGA-Sphäre, wo die wichtigsten Stimmen etwa bei Fox News weiter fest hinter Trumps Politik stehen. Doch ihre Äußerungen verdeutlichen den Einfluss konservativer Medien und wie wertvoll es für den Präsidenten ist, wenn alles läuft wie geschmiert – und wie problematisch es sein kann, wenn die Unterstützung nachlässt.
Ein Großteil der Kritik richtet sich gegen den Einfluss Israels auf Trumps Entscheidung für den Krieg. Carlson, ehemaliger Fox-News-Star und heute selbstständiger Medienschaffender, bezeichnete den Angriff auf ABC News als „absolut widerlich und böse“. „Es ist schwer, das zu sagen, aber die USA haben hier nicht die Entscheidung getroffen“, sagte er in seinem Podcast. „Das war (der israelische Ministerpräsident) Benjamin Netanjahu.“
Kelly, ebenfalls frühere Fox-Moderatorin und inzwischen selbstständig, sagte in ihrer Sendung über amerikanische Todesopfer in dem Krieg: „Niemand sollte für ein fremdes Land sterben müssen.“
„Ich denke nicht, dass diese Soldaten für die Vereinigten Staaten gestorben sind“, fuhr sie fort. „Ich denke, sie sind für den Iran oder für Israel gestorben.“ Trump sagte der Journalistin Rachael Bade in einem Interview, er glaube nicht, dass die Basis seiner MAGA-Anhängerschaft die Ansichten von Carlson und Kelly teile.
Auf Widerspruch stießen auch Äußerungen von US-Außenminister Marco Rubio. Trump habe den Startschuss für die Operation in dem Wissen gegeben, dass Israel zum Angriff bereit war und in der Folge iranische Vergeltungsschläge gegen US-Stützpunkte in der Region zu befürchten seien, sagte Rubio. Wenn die USA nicht präventiv angegriffen hätten, wäre die Zahl der US-Toten höher gewesen.
Walsh, Moderator beim konservativen Medienunternehmen The Daily Wire, schrieb auf X, Rubio habe „uns rundheraus gesagt, dass wir in einem Krieg mit dem Iran sind, weil Israel uns dazu gezwungen hat. Das ist im Grunde das Schlimmstmögliche, was er uns hätte sagen können“. Auf seinen Vorwurf, das Narrativ der US-Regierung in Bezug auf den Krieg klinge wirr, reagierte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, mit einem längeren Post auf der Plattform X. „Einfach ausgedrückt würde das terroristische iranische Regime nicht Ja sagen zum Frieden“, schrieb sie.
Die republikanische Ex-Abgeordnete Marjorie Taylor Greene äußerte sich in Kellys Podcast aufgebracht über das militärische Vorgehen der USA. „Bei ‚Make America Great Again‘ sollte Amerika an erster Stelle stehen und nicht Israel“, sagte Greene, die sich seit einem bitteren Zerwürfnis mit Trump als Influencerin positioniert.
Schon vor dem Iran-Krieg hatten sich Risse in der Unterstützung konservativer Medien für Trump gezeigt, vor allem im Zuge der Veröffentlichung von Ermittlungsdokumenten zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Aber die jüngste Kritik löste einige überraschende interne Verbalattacken aus.
Ben Shapiro vom Daily Wire bezeichnete Kelly als „völlig widersprüchlich“ und feige. Die TV-Moderatorin Elisabeth Hasselbeck verurteilte in der Sendung „The View“ Kellys Andeutung, US-Soldaten seien für Israel gestorben.
Sean Hannity von Fox News sagte, Carlson sei „nicht der Mensch, wie ich ihn zu seiner Zeit bei Fox gekannt habe“. Carlson wiederum nannte Hannity einen Bittsteller, der niemals etwas Negatives über Trump sagen würde. (ap)
Israelischer Botschafter in Berlin sieht auch Deutschland bedroht
Im Zuge des Iran-Krieges sieht der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, auch Deutschland „existenziell“ durch die Führung in Teheran bedroht. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sei „bewusst, dass die iranischen Terror-Proxies und ihre ballistischen Raketen auch Europa bedrohen“, sagte Prosor im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Auch deutsche Wirtschaftsinteressen seien betroffen. Für Deutschland seien dies „existenzielle Bedrohungen“.
„Die Situation ist ernst“, warnte Prosor. „Die Mullahs haben wiederholt bewiesen, dass sie Terror als politisches Mittel einsetzen.“ Für Anschläge auf jüdische und israelische Einrichtungen nutze die Führung in Teheran „ihr Netzwerk in der organisierten Kriminalität in Europa“. Die Bundesregierung und die Länder hätten auf diese Bedrohungslage aber „schnell und entschieden“ reagiert.
„Der Machtanspruch der Mullahs endet nicht in Jerusalem“, warnte der Botschafter – auch mit Verweis auf den Ukraine-Krieg. Dieser habe gezeigt, „wie schnell ein scheinbar weit entfernter Konflikt und auch iranische Waffen nach Europa kommen können“.
„Solange die Mullahs an der Macht sind, werden sie die Seewege und die Energiesicherheit stören und damit das deutsche Geschäftsmodell als Exportnation gefährden“, führte Prosor aus. Hinzu kämen „die zahlreichen Bürgerkriege in Nahost, die von Teheran angeheizt werden und in der Region zu großem Leid sowie in Europa zu innenpolitischen Problemen führen“. Diese Bedrohungen könnten „nicht länger ignoriert werden“.
Den Kanzler lobte Prosor für seinen Umgang mit der Lage. „Ich ziehe meinen Hut vor der Führungsstärke von Bundeskanzler Friedrich Merz“, sagte Prosor. Merz könnte „es sich leicht machen und das Thema versuchen so gut es geht zu ignorieren“. Stattdessen stelle Merz sich jedoch der Debatte und formuliere „eine klare Haltung, die sowohl moralisch richtig als auch im Interesse Deutschlands“ sei.
Sollten sich die Machtverhältnisse im Iran infolge des Krieges verändern, könnte Deutschland aus Prosors Sicht eine wichtige Rolle zukommen. „Es ist kein Geheimnis: Deutschland genießt bei der Bevölkerung des Iran ein ausgezeichnetes Ansehen“, sagte er. „Fällt das Mullah-Regime, wird Expertise aus Deutschland – ob in der Wirtschaft oder im zivilen Aufbau – gefragt sein.“ Noch wichtiger sei aber, „dass der Wegfall der Bedrohung durch das Regime, ob durch Terror-Proxies oder die Lieferung von Waffen im Ukraine-Krieg, die Sicherheitslage für Europa deutlich verbessert“.
Deutschland sei Israels wichtigster Partner in Europa, bekräftigte Prosor. Mit seinem Raketenabwehrsystem Arrow 3, dem die israelischen Erfahrungen mit dem Iran zugrunde lägen, liefere sein Land „nun einen konkreten Beitrag zur Sicherheit Deutschlands“. Er wünsche sich, dass dieser Zusammenhang „stärker wahrgenommen“ werde. (dpa)
Iranisches Kriegsschiff in indischem Hafen
Indien hat einem iranischen Kriegsschiff wegen eines Motorschadens Medienberichten zufolge das Anlegen erlaubt. Die „IRIS Lavan“ und ihre 183 Besatzungsmitglieder befänden sich seit Mittwoch in der südwestlichen Hafenstadt Kochi, berichteten der Sender NDTV und andere indische Medien übereinstimmend unter Berufung auf Beamte in Neu-Delhi.
Für die USA ist es im Iran-Krieg ein wichtiges Ziel, alle Kriegsschiffe der iranischen Marine außer Gefecht zu setzen. Erst vor wenigen Tagen hatte ein U-Boot der US-Marine eine iranische Fregatte in internationalen Gewässern vor Sri Lanka versenkt.
Dem Sender NDTV berichtete, die iranische Seite habe darum gebeten, das Schiff aufzunehmen, um technische Probleme beheben zu können. Die Anfrage erfolgte den Berichten zufolge am 28. Februar, also am ersten Tag der israelisch-amerikanischen Angriffe im Iran. Einen Tag später habe Indien der Aufnahme zugestimmt, hieß es. Die Besatzungsmitglieder des Landungsschiffs „IRIS Lavan“ befänden sich in Einrichtungen der indischen Marine in Kochi.
Unklar war zunächst, ob das Schiff ebenfalls an einer von Indien im Februar veranstalteten Flottenschau teilgenommen hatte. Daran hatte sich die vom US-Militär später vor Sri Lanka versenkte Fregatte beteiligt. (dpa)
Weiteres iranisches Kriegsschiff in Sri Lanka
Einen Tag nach dem Angriff auf die Fregatte gestattete die sri-lankische Regierung einem anderen iranischen Kriegsschiff aus humanitären Gründen das Anlegen. Das Schiff „IRIS Bushehr“ bat nach Angaben der Regierung um die Erlaubnis, in einem sri-lankischen Hafen ankern zu dürfen. Die 208 Besatzungsmitglieder wurden demnach in die Hauptstadt Colombo gebracht. Das Schiff hatte Medienberichten zufolge einen technischen Schaden. (dpa)
USA nicht besorgt über mögliche russische Hilfe für Iran
Das Pentagon hat sich angesichts eines Medienberichts, wonach Russland seinem Verbündeten Iran Informationen über US-Militärziele im Nahen Osten liefert, unbesorgt gezeigt. Die USA seien „nicht besorgt“ über den Bericht in der Washington Post, sagte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth am Freitag (Ortszeit) dem Sender CBS. Hegseth bestätigte den Bericht zwar nicht, sagte im Nachrichtenmagazin „60 Minutes“ jedoch: „Wir verfolgen alles.“
„Unsere Kommandeure sind über alles informiert. Wir verfügen über die besten Geheimdienstinformationen der Welt. Wir wissen, wer mit wem spricht. Wir sind darüber nicht besorgt“, erklärte der Pentagonchef, der sich selbst „Kriegsminister“ nennt.
Die Washington Post hatte berichtet, Russland habe dem Iran die Positionen von US-Militäranlagen übermittelt, darunter Schiffe und Flugzeuge. Das Blatt berief sich auf mit Geheimdiensterkenntnissen vertraute Quellen.
Zuvor hatte bereits das Weiße Haus die Berichte heruntergespielt. Das mache keinen Unterschied für den Militäreinsatz im Iran, denn die US-Armee werde die gegnerischen Kräfte in jedem Fall „vollständig vernichten“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, am Freitag.
„Wir erreichen die militärischen Ziele dieser Operation, und das wird so weitergehen“, fügte Leavitt hinzu.
Der Washington Post zufolge leistet China offenbar keine Unterstützung für die Verteidigung des Iran. Russland sowie China unterhalten seit langem diplomatische und Handelsbeziehungen zum Iran, während Russland zudem enge militärische Verbindungen zu Teheran hat.
Sowohl Moskau als auch Peking haben den Krieg der USA und Israels gegen den Iran kritisiert.
US-Präsident Donald Trump hatte den Kremlchef Wladimir Putin im vergangenen August in Alaska auf einem roten Teppich empfangen. Im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ergriff Trump wiederholt Putins Partei.
Am Sonntag waren bei einem Drohnenangriff auf einen US-Stützpunkt in Kuwait sechs US-Soldaten getötet worden. Trump nimmt am Samstag an der Überführung der sterblichen Überreste der fünf Soldaten und einer Soldatin teil. Die Militärzeremonie findet auf einem Luftwaffenstützpunkt in Dover im US-Bundesstaat Delaware statt. (afp)
Trump bei Militärritual für getötete US-Soldat*innen
US-Präsident Donald Trump nimmt am Samstag an einem Militärritual für sechs im Iran-Krieg getötete US-Soldatinnen und Soldaten teil. Die sterblichen Überreste der fünf Männer und einer Frau werden auf eine Luftwaffenbasis in Dover im US-Bundesstaat Delaware überführt.
Die Soldaten waren bei einem Drohnenangriff in Port Schuaiba in Kuwait getötet worden. Die Vereinigten Staaten und Israel hatten am Samstag massive Luftangriffe auf den Iran begonnen. Dabei wurden der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Als Reaktion greift der Iran Ziele in der Region an. (afp)
Saudi-Arabien wehrt iranischen Drohnenangriff auf Ölfeld ab
Saudi-Arabien hat nach Behördenangaben einen Drohnenangriff des Irans auf das riesige Ölfeld Schaiba abgewehrt. Es seien sechs Drohnen abgefangen und zerstört worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Wie die saudische Nachrichtenagentur Spa unter Berufung auf einen Ministeriumssprecher berichtete, wurde zudem erneut eine auf den Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan abgefeuerte ballistischen Rakete abgefangen.
Erst vor wenigen Tagen war in Saudi-Arabien eine Ölraffinerie des staatlichen Ölkonzerns Aramco in Ras Tanura im Osten des Landes mit mutmaßlich iranischen Drohnen angegriffen worden. Auch sie wurden nach amtlichen Angaben abgefangen und zerstört. Aramco betreibt auch das Ölfeld Schaiba. (dpa)
US-Rüstungsunternehmen wollen Produktion „vervierfachen“
US-Rüstungsunternehmen haben sich angesichts der Debatte über mögliche Engpässe im Arsenal wegen des Iran-Kriegs laut Präsident Donald Trump bereit erklärt, die Produktion „exquisiter“ Waffen zu vervierfachen. Gemeint sind damit häufig besondere, teure oder technisch komplexe Waffen, etwa Hyperschallwaffen oder Abfangraketen mit hoher Reichweite, die in der Regel in geringerer Stückzahl vorgehalten werden als herkömmlichere Kriegsgeräte.
In einem Post auf der Online-Plattform Truth Social vom Freitag (Ortszeit) machte Trump keine Angaben dazu, bei welchen Waffen eine Produktionssteigerung geplant sein soll. Er habe auch Bestellungen für herkömmliche Waffen gesteigert, „die wir zum Beispiel im Iran verwenden und kürzlich in Venezuela eingesetzt haben“, schrieb er.
US-Generalstabschef Dan Caine versicherte diese Woche vor Reportern, dass das Militär in ausreichendem Maße über Präzisionswaffen für die gegenwärtigen Aufgaben verfüge. Zugleich erklärte er, das man von Raketen mit großer Reichweite auf weniger komplexe Bomben mit kürzerer Reichweite umsteige. (dpa)
Iranischer Botschafter verbietet sich US-Einmischung bei Chamenei-Nachfolge
Der iranische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Amir Saeid Iravani, hat eine Einmischung von US-Präsident Donald Trump in die inneren Angelegenheiten des Iran angeprangert und diese scharf verurteilt. Trumps Äußerungen seien „ein klarer Verstoß gegen die Grundsätze der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten von Staaten“, welche in der UN-Charta verankert sind, sagte Iravani am Freitag vor Journalisten in New York mit Blick auf die Forderung Trumps, bei der Nachfolge des getöteten obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei mitzureden.
Trump hatte zuvor erklärt, er wolle bei der Ernennung eines Nachfolgers des bei den US-israelischen Angriffen vor einer Woche getöteten Chamenei beteiligt sein. „Ich muss in die Ernennung eingebunden sein“, zitierte die Plattform Axios den US-Präsidenten am Donnerstag.
Iravani erklärte: „Der Iran ist ein souveräner und unabhängiger Staat. Er akzeptiert keine Einmischung ausländischer Mächte in seine inneren Angelegenheiten und wird dies auch niemals akzeptieren.“
Die Wahl von Chameneis Nachfolger werde „streng nach unseren verfassungsrechtlichen Verfahren und ausschließlich nach dem Willen des iranischen Volkes ohne jegliche Einmischung aus dem Ausland erfolgen“, fügte der UN-Botschafter hinzu. (afp)
Irankrieg treibt Ölpreis in die Höhe
Der Iran-Konflikt hat am Freitag die Preise für schwere US-Ölsorten weiter in die Höhe getrieben. Die Käufer suchen weltweit nach Alternativen für ausfallende Lieferungen aus dem Nahen Osten. Der Preis für die Sorte Mars Sour, die wichtigste im US-Golf von Mexiko geförderte Rohölsorte, notierte Händlern zufolge mit einem Aufschlag von elf Dollar auf die US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI). Dies ist der höchste Wert seit April 2020 und ein Anstieg um vier Dollar gegenüber Donnerstag. Noch vor einer Woche hatte der Aufschlag bei 1,50 Dollar gelegen.
Die faktische Schließung der Straße von Hormus hat mehrere Länder, darunter den Irak, gezwungen, ihre Produktion zu drosseln. Zusätzliche, am Freitag in Kuwait angekündigte Förderkürzungen trugen einem Händler zufolge ebenfalls zum Preisanstieg bei. „Raffinerien, die auf diese Sorten angewiesen sind, müssen Alternativen finden, um die ausfallenden Mengen zu ersetzen“, sagte Matt Smith, leitender Öl-Analyst für Amerika bei Kpler. Vor allem Käufer in Asien bemühten sich um diese Fässer.
Auch Tim Snyder, Chefökonom bei Matador Economics, sieht die kriegsbedingte Angebotsverknappung als Haupttreiber des Preisanstiegs. „Kurzfristig werden wir weiter steigende Preise für diese Sorten sehen, bis die Straße von Hormus wieder geöffnet wird“, sagte Snyder. (rtr)
Drohnen treffen Energieinfrastruktur in Irak
Mindestens zwei Drohnen haben Energieinfrastruktur und Einrichtungen von US-Auftragnehmern in der südirakischen Provinz Basra getroffen. Dies teilten zwei Sicherheitsbeamte am Freitag mit. Demnach wurde am Abend ein Gelände ins Visier genommen, auf dem sich Büros sowie Lagerhäuser einer ausländischen Ölgesellschaft befinden. Die Angriffe hätten Brände in den Einrichtungen verursacht, die mit US-Energiefirmen in Verbindung stehen, hieß es. Ob es Opfer gab, war zunächst unklar.
Zuletzt ist es zu einer Reihe von Drohnen- und Raketenangriffen auf Ziele im Irak und in der Region gekommen, die unter anderem Ölfelder und den Frachtbereich des Internationalen Flughafens von Basra trafen. (dpa)
USA wollen im Ukrainekrieg erprobtes Anti-Drohnen-System in Nahost einsetzen
Die USA wollen ein amerikanisches Anti-Drohnen-System im Nahen Osten einsetzen, das sich in der Ukraine bei der Abwehr russischer Drohnen als wirksam erwiesen hat. Das als Merops bekannte System solle bald in die Region gebracht werden, um die Verteidigung gegen iranische Drohnen zu stärken, teilten zwei US-Vertreter der am Freitag mit. Zwar hätten die USA bisher die Luftabwehrsysteme der Typen Patriot und THAAD eingesetzt, um iranische Raketen abzuschießen, sagte eine der Gewährspersonen gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Doch hätten die USA im Nahen Osten aktuell nur eine begrenzt wirksame Drohnenabwehr.
Die andere Gewährsperson bezeichnete die bisherige US-Reaktion auf iranische Schahed-Drohnen als „enttäuschend“. Dies sei insbesondere deshalb der Fall, weil die von Iran eingesetzten Drohnen eine viel einfachere Version der Drohnen seien, die Russland in seinem Krieg gegen die Ukraine kontinuierlich weiterentwickele und verbessere.
Das Waffensystem Merops setzt Abfangdrohnen gegen feindliche Drohnen ein und hat sich laut Experten im Kampf gegen russische Drohnen in der Ukraine bewährt. Es ist klein und kompakt genug, um im hinteren Teil eines mittelgroßen Pickup-Trucks Platz zu finden, und kann Drohnen identifizieren und sich ihnen nähern. Mithilfe künstlicher Intelligenz kann Merops zudem gesteuert werden, wenn Satelliten- und elektronische Kommunikation gestört wird. Die Nato-Staaten Polen und Rumänien nutzten das System im vergangenen Jahr, nachdem russische Angriffsdrohnen wiederholt in den Nato-Luftraum eingedrungen waren.
Drohnen sind auf Radarsystemen, die für die Erkennung von Raketen mit hoher Geschwindigkeit angelegt sind, schwer zu erkennen und können mit Vögeln oder Flugzeugen verwechselt werden. Merops ist darauf ausgelegt, Drohnen zu erkennen und auszuschalten. Entscheidend ist überdies, dass der Einsatz des Systems günstiger als das Abfeuern einer mehrere Hunderttausend Dollar teuren Rakete auf eine Drohne ist, die weniger als 50.000 Dollar (rund 43.000 Euro) kostet.
Erst in dieser Woche erklärte Jim Himes, der ranghöchste Demokrat im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, dass die USA zwar ziemlich gut darin seien, Raketen abzuschießen. „Was für uns viel problematischer ist, ist das riesige Inventar an iranischen Drohnen, die schwer zu erkennen und schwer abzuschießen sind.“
Die Drohnenangriffe stellen ein „mathematisches Problem“ dar, da sich die USA nicht weiterhin auf teure militärische Abfangsysteme wie die Patriot-Systeme verlassen könnten, um die schnell und günstig produzierten iranischen Drohnen abzuschießen. „Es ist wirklich, wirklich teuer, eine billige Drohne abzuschießen“, sagte Himes. „Eine riesige Rakete, die auf eine winzige, schrottige Drohne zielt.“
Pentagonvertreter räumten diese Woche zudem in vertraulichen Sitzungen mit Kongressabgeordneten ein, dass das US-Militär Mühe habe, sich den Wellen iranischer Drohnen zu erwehren. Dadurch seien einige US-Ziele in der Golfregion anfällig.
Im Nahen Osten solle Merops an verschiedenen Standorten eingesetzt werden, auch dort, wo keine US-Truppen stationiert sind, sagte eine der Quellen der AP. Die meisten Systeme würden direkt von Perennial Autonomy geliefert, dem Hersteller des Anti-Drohnen-Systems. Die Drohnenabwehr in Europa werde dadurch nicht beeinträchtigt. Perennial Autonomy wird von Ex-Google-Chef Eric Schmidt unterstützt.
Michael Robbins, Chef des Drohnen-Branchenverbands AUVSI erklärte, die Lehren aus dem Nahen Osten und der Ukraine zeigten, dass die USA den Einsatz fortschrittlicher Anti-Drohnen-Technologien beschleunigen müssten. Nur so „können unsere Truppen Stützpunkte und Bevölkerungen verteidigen, ohne eine Million Dollar auszugeben, um eine Bedrohung im Umfang von 50.000 Dollar zu stoppen“. (ap)
Ischinger ist über Planlosigkeit der USA negativ überrascht
Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, vermisst einen klaren Plan der US-Regierung für den Iran-Krieg. „Negativ überrascht hat mich, dass die amerikanische Regierung weiterhin keinen halbwegs verlässlichen Plan kommunizieren kann, was das Ziel der Intervention im Iran ist“, sagte Ischinger dem Magazin „Stern“. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, wenn man ohne klaren Plan, der auch mit den Verbündeten geteilt wird, in solche Operationen hineinstolpert.“
Am ersten Tag der Operation habe US-Präsident Donald Trump den Begriff „Regime Change“ in den Mund genommen. „Inzwischen hat Washington die Begründung für den Einsatz jedoch gewechselt, so wie manche das Hemd wechseln“, sagte Ischinger. Von „Regime Change“ sei jetzt nicht mehr die Rede, „oder nur noch am Rande“.
Ischinger sieht durch den Iran-Krieg auch die westliche Unterstützung für die Ukraine in Gefahr. Deutschland müsse als europäische Führungsnation den USA sagen: „Wir müssen uns auf die Ukraine konzentrieren, und nicht auch noch Munitionsknappheiten für die Ukraine verstärken durch eine längere militärische Auseinandersetzung mit dem Iran“, betonte Ischinger.
Die Ukraine müsse für Europa die absolute Priorität haben. „Wir dürfen es unter keinen Umständen zulassen, dass die Ukraine in ihrem Freiheitskampf in Vergessenheit gerät, weil sich der Fokus verlagert.“ Der Iran-Krieg lenke schon jetzt ab und reduziere die Fähigkeiten, Russland unter Druck zu setzen. „Er droht, die Friktionen im transatlantischen Verhältnis noch zu verstärken.“ (dpa)
20.000 Seeleute sitzen wegen des Krieges fest
Wegen des Iran-Kriegs sitzen im Persischen Golf nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) rund 20.000 Seeleute an Bord von Schiffen fest. Generalsekretär Arsenio Dominguez bezeichnete das als inakzeptabel und wies auf ihr erhöhtes Risiko und die „erhebliche psychische Belastung“ hin. Alle an dem Konflikt beteiligten Parteien seien verpflichtet, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um den Schutz der Seeleute sowie die Freiheit der Schifffahrt im Einklang mit dem Völkerrecht zu gewährleisten.
Der Persische Golf wird nur durch die für den internationalen Handel wichtige Straße von Hormus mit den Weltmeeren verbunden. Der Iran weist zwar Berichte über eine vollständige Sperrung der Meerenge, die zwischen seinem Land und dem Oman liegt, zurück. Nach Einschätzung von US-Kriegsbeobachtern ist der Schiffsverkehr dort aber um etwa 90 Prozent zurückgegangen. Am Golf von Persien liegen bedeutende Ölförderländer, zu den Anrainern zählen neben dem Iran Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Dominguez wies auf einen tödlichen Angriff auf ein Schiff („Mussafah 2“) in der Straße von Hormus am Freitag hin, bei dem Berichten zufolge mindestens vier Seeleute ums Leben gekommen und drei schwer verletzt worden seien. Seeleute dürften nicht zur Zielscheibe werden, sagte er.
Zuletzt wurden im Persischen Golf, der Straße von Hormus und dem Golf von Oman immer wieder Schiffe von Geschossen getroffen. Die Gefahr durch iranische Raketen und Drohnen hat die Handelsschifffahrt in der Region seit Beginn der jüngsten Kampfhandlungen am Samstag beinahe zum Erliegen gebracht. (dpa)
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