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Schweigemarsch in Frankfurt„Hass zeigt seine hässlichste Fratze“

Am Mittwoch haben Hunderte Menschen gegen den Terror demonstriert. Michel Friedman warnt vor möglicher Regierungsbeteiligung der Linken in Berlin.

Weinende Augen, israelische Flaggen, nachdenkliche Gesichter: Rund 700 Menschen zogen am Mittwochnachmittag in Frankfurt am Main schweigend durch die Straßen, um der Opfer des Terrorangriffs der islamistischen Hamas auf Israel zu gedenken. Vom Opernplatz führte der Marsch zur Westend-Synagoge, wo die Veranstaltung endete. Aufgerufen hatten die Jüdische Gemeinde, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und weitere Initiativen. Mit rund 7.000 Mitgliedern ist die Jüdische Gemeinde Frankfurt die zweitgrößte in Deutschland. Das Westend gilt als Zentrum jüdischen Lebens in der Stadt.

Während des Marsches sprach neben einer Solidaritätsbotschaft der Exil-Iraner*innen nur Michel Friedman, Publizist und ehemaliger Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Vor der Westend-Synagoge sagte er: „Am 7. Oktober hat der Hass seine hässlichste Fratze gezeigt. Er hat versucht, Juden zu entmenschlichen und zu Objekten zu machen.“ Die Hamas habe das wiederholt, was die Nazis einst taten: „Jüdische Menschen massakrieren, quälen, Frauen vergewaltigen, Babys gegen Wände schlagen.“ Diese Taten habe sie mit Stolz dokumentiert.

Friedman warnte vor einer wachsenden Zahl von Menschen, die glaubten, Frieden für die Palästinenser sei nur durch die Vernichtung Israels möglich. Solche Ideen verbreiteten auch junge Menschen im Internet. „Wer den Palästinensern Frieden verspricht, wenn Israel verschwindet, lügt die Welt an“, sagte er. Israel stehe für die freie Welt – „eine Welt, in der getanzt wird, in der junge Menschen sich aus Verliebtheit küssen, in der man redet, flirtet, diskutiert und Menschen aus aller Welt zusammenleben wollen.“

Scharf kritisierte Friedman auch die Lage jüdischer Kinder an deutschen Schulen. Wie vielerorts stehen auch in Frankfurt jüdische Schulen unter Polizeischutz. Es sei eine „Schande“, dass „Professor:innen, Dekan:innen, Ober­stu­di­en­rä­t:in­nen nicht dafür sorgen, dass jüdische Kinder sicher sind“. Für die Kinder sei es belastend, „zu wissen, jemand will ihnen Böses“. Die ganze Stadt müsse sich solidarisieren: „Man kann doch so nicht weitermachen.“

Propalästinensische Demonstration am Hauptbahnhof

Auch die Berliner Linke und die Antisemitismus-Debatte nahm Friedman ins Visier. Mit Blick auf eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linken in Berlin warnte er vor einer Partei, „die verstrickt ist und ihre Stimmen teilweise ganz offensiv in Neukölln akquiriert“. Durch die Unterstützung von SPD und Grünen könnte sie zur Regierungspartei werden. Das sei ein „Tabubruch“, der jüdisches Leben in Berlin „fast unmöglich“ mache. Israel-Hasser und Menschen, die die Vernichtung des Staates propagierten, würden dann „mit einem Regierungsauftrag“ belohnt. Das sei „nicht hinzunehmen“.

Die parallel laufende propalästinensische Demonstration unter dem Motto „Stoppt den Völkermord“ nannte Friedman „barbarische Hetze“. Laut Polizei zogen etwa 400 Menschen lautstark bis zum Hauptbahnhof. Die Demonstration verlief ohne Zwischenfälle.

In den vergangenen Jahren hatte Frankfurt propalästinensische Demonstrationen am 7. Oktober verboten. Das Verwaltungsgericht hob das Verbot jedoch auf. Es begründete, das Datum allein rechtfertige kein Verbot und die Stadt habe nicht ausreichend belegt, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit von Gewalt bestehe. In diesem Jahr verzichtete die Stadt auf ein Verbot.

Am 7. Oktober 2023 tötete die Hamas bei ihrem Überfall auf Israel 1.221 Menschen. 251 wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

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