Ehemalige Grünen-Hochburg: Selbst Berlin-Kreuzberg ist jetzt pink
Die Berliner Grünen haben bei der Wahl in ihrem Kernbezirk Friedrichshain-Kreuzberg kein einziges Direktmandat erreicht. Prominente Politiker*innen scheiden nun aus der Politik aus.
Foto: Sebastian Wells/OSTKREUZ
Sie sind die großen Verlierer*innen der Wahl: In Friedrichshain-Kreuzberg hat keine*r der fünf grünen Kandidat*innen das Direktmandat geholt. Stattdessen ist der Innenstadtbezirk, der nur noch fünf statt sechs Wahlkreise hat, auf den Karten mit den Wahlergebnissen jetzt pink eingefärbt, und in fester Hand der Linken. Für die Grünen ist das extrem bitter: Sie verlieren damit ausgerechnet in ihrem Berliner Kernbezirk – und das teils haushoch.
So erhielt Valgolio Damiano von den Linken im Wahlkreis 5 mit 39,1 Prozent fast doppelt so viele Stimmen wie die ehemals grüne Fraktionsvorsitzende Antje Kapek, die nur auf 19,5 Prozent der Erststimmen kam. Dass sie so deutlich hinter dem aktuellen Mandatsträger Damiano liegt, habe sie nicht erwartet, sagte Kapek der taz: „Bei uns ist das Entsetzen und die Trauer groß.“ Viele gute Kolleg:innen seien nicht mehr ins Abgeordnetenhaus gekommen. Sie selbst steht auf Platz 11 der grünen Landesliste und wird deswegen trotzdem ins Parlament einziehen.
Katrin Schmidberger, langjährige und verdiente Fachpolitikerin für Mieten und Wohnen, ist eine der Kolleginnen, die rausfliegen. Sie verlor im Wahlkreis 2 relativ knapp: Mit 33,5 Prozent lag sie weniger als 4 Prozentpunkte hinter Michael Efler von den Linken, der 37,1 Prozent der Stimmen bekam.
Schmidberger stand der Schock darüber am Wahlabend ins Gesicht geschrieben. „Wir Grüne haben am klarsten gesagt, dass wir eine progressive Regierung wollen, dass Rot-Grün-Rot unser Projekt ist und die Stadt das braucht. Es tut weh“, sagte sie bei der Wahlparty der Friedrichshain-Kreuzberger Grünen. Die Grünen seien zwischen Linken und CDU aufgerieben worden. „Leider haben die Leute nicht strategisch gewählt.“ Ihr Ziel sei weiterhin, die CDU aus dem Roten Rathaus zu schicken. „Wir erwarten, dass die Linke jetzt auch liefert.“
Extreme Enttäuschung trotz großer Anstrengung
Die Grünen hatten in ihrem „angestammten“ Bezirk offensiv um die Erststimmen geworben, da in einigen Wahlkreisen die jeweiligen Linken- und SPD-Kandidat*innen sowieso über Landes- und Bezirkslisten abgesichert waren.
Foto: Jens Gyarmaty
Extrem enttäuscht ist auch Enad Altaweel. Im Wahlkreis 3 hatte er mit seinem Team an knapp 20.000 Türen Haustürwahlkampf gemacht, in Potenzialanalysen schien es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Linken-Kandidatin zu geben und ein Sieg schien durchaus möglich. Er verlor gegen die Landesvorsitzende der Linken, Kerstin Wolter-Ehling. Immerhin kann er wie Schmidberger einen Achtungserfolg aufweisen: Altaweel holte 28,1 Prozent der Erststimmen, Wolter-Ehling bekam 42,2 Prozent. Bei den Zweitstimmen lag die Linke mit 47 Prozent deutlich vor den Grünen, die hier nur 21,7 Prozent erreichten.
Das berlinweit beste Erststimmenergebnis erreichte im Kreuzberger Wahlkreis 1 – in dem auch das taz-Haus liegt – Linkspartei-Spitzenkandidatin Elif Eralp mit 50,4 Prozent. Sie setzte sich gegen Kübra Beydaș durch, die für die Grünen nur 17,2 Prozent der Erststimmen holen konnte.
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