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NHL ignoriert deutsche EishockeypläneKeine Lust auf Kooperation

Vor dem Saisonstart der Deutschen Eishockey-Liga ärgern sich die Verantwortlichen über das rücksichtslose Vorgehen der NHL bei ihren Gastspielen.

Die Deutsche Eishockey-Liga, deren Saison am Donnerstag beginnt, sieht sich in einem nicht enden wollenden Boom. Ihr Chef Gernot Tripcke führte vor dem Start, den Meister Eisbären Berlin und Straubing bestreiten, allerlei schöne Zahlen als Beleg an. Zum Beispiel sei der Gesamtumsatz der Liga um 3 Millionen Euro auf 198 Millionen Euro gestiegen. Im kommenden Jahr soll erstmals die 200-Millionen-Marke geknackt werden. „Ein schöner Anreiz“ sei das, meint Tripcke. Außerdem findet im kommenden Mai eine Weltmeisterschaft in Düsseldorf und Mannheim statt, auf die sich alle freuen.

Allerdings gibt es auch ein Thema, das Tripcke und einigen DEL-Klubchefs nicht behagt: Die National Hockey League (NHL), die beste Eishockey-Liga der Welt, wildert recht rücksichtslos in den sorgsam gehegten DEL-Gefilden.

Es klingt zunächst einmal wunderbar. Im Rahmen der Global Series kommt die NHL, wie sie unlängst ankündigte, 2027 für zwei Spiele der Edmonton Oilers mit dem Kölner Superstar Leon Draisaitl nach Köln in die Arena. Gleichzeitig werden die vom früheren Bundestrainer Marco Sturm gecoachten Boston Bruins mit Nationalspieler J.J. Peterka in München spielen. Das Interesse des deutschen Publikums an Weltklasse-Eishockey ist erwiesenermaßen groß. Die beiden Partien der Ottawa Senators mit dem deutschen Nationalspieler Tim Stützle, die am 18. und 20. Dezember dieses Jahres in Düsseldorf stattfinden, waren beim Verkaufsstart innerhalb weniger Minuten ausverkauft.

Allerdings gibt es ein Problem, das nicht nur Tripcke verärgert: das mutmaßliche Bulldozer-Verhalten der amerikanischen Gäste, die offenbar allein nach dem Recht des Stärkeren handeln. „Sie haben ihre Spiele angekündigt, isoliert, ohne Rücksprache mit den Vereinen, mit uns oder dem DEB. Das geht spielplanmäßig gegen 28 Profiklubs hier in Deutschland“, sagt Tripcke – und: „Es gab auch nach der Ankündigung der Spiele in München und Köln keine neuerliche Kontaktaufnahme, es ist nichts passiert.“ Alles laufe über internationale Großvermarkter.

NHL-Spiele auf Kosten der Kölner Haie

Natürlich pickt sich die NHL für ihre Auftritte die besten Termine heraus, nämlich die Zeit vor Weihnachten, in der das Interesse am Eishockey traditionell besonders groß ist. Dass in der DEL gleichzeitig Spiele stattfinden, denen womöglich Aufmerksamkeit und Besucher entzogen werden, scheint den Planern egal zu sein. Zwar ist es noch nicht bestätigt, doch auch im kommenden Jahr will sich die NHL, wie zu hören ist, im Dezember die Ehre geben.

Für die Kölner Haie, mit einem Schnitt von gut 18.000 Zuschauern Zuschauer-Champion der DEL, würde das bedeuten, dass in ihrer Arena im Stadtteil Deutz mindestens eine Woche lang kein Heimspiel möglich wäre.

Es geht dabei nicht nur um die eigentlichen NHL-Spieltermine. Zudem muss die Eisfläche zunächst auf das nordamerikanische Format verkleinert und anschließend wieder auf die europäischen Maße zurückgebaut werden – was jeweils drei bis vier Tage dauert. Hinzu kommt, dass die Arena in dieser Zeit traditionell auch mit anderen Veranstaltungen gut gebucht ist.

Gesprochen hat mit dem Verein niemand, verhandelt wurde von Seiten der NHL nur mit der Arena, die weder den Haien noch der Stadt Köln gehört, sondern einem Konsortium asiatischer Investoren. In München ist die Situation komfortabler, da die neue Arena einer Tochtergesellschaft des Vereinsbesitzers gehört – und die Einnahmen somit immerhin in der Familie bleiben.

Aus wirtschaftlicher Sicht sind die NHL-Partien sehr einträglich. Bei den Düsseldorfer Spielen kosteten die günstigsten Tickets etwa 90 Euro, die Preise reichten schnell bis zu 380 Euro. Beim KEC fängt es hingegen bei circa 24 Euro an, Sitzplatzkarten der höchsten Kategorien liegen um die 60 Euro.

Zwar sind aus Nordamerika immer wieder schöne Dinge zu hören: Durch die Präsenz werde Eishockey gefördert, der Nachwuchs zu hohen Zielen animiert – und so weiter. Eine offizielle Kooperation schloss die beste Eishockey-Liga der Welt bisher allerdings nicht etwa mit der DEL, Meister Eisbären Berlin oder etwa den Kölner Haien, sondern mit dem deutschen Fußballmeister Bayern München, dem reichweitenstärksten deutschen Sportverein.

Die Motive erscheinen klar: Während die NHL ihre Bekanntheit und ihr Geschäft in Deutschland ausbauen möchte, will der FC Bayern seine Marke in Nordamerika stärker promoten. Von dieser Zusammenarbeit könnten tatsächlich beide profitieren. Eine solche Win-win-Situation sieht Tripcke für seinen Sport nicht – er sagt: „Momentan ist es komplett isoliert und völlig fernab vom deutschen Eishockey.“

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