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Vivian Wilson gegen KI Mensch, Maschine, Mode

Ann-Kathrin Leclere

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Ann-Kathrin Leclere

In der neuen Werbekampagne von Desigual wird Kritik an KI geübt. Und das ausgerechnet mit der Tochter von Elon Musk, der Milliarden in KI investiert.

E r wurde designt, um zu gehorchen“, sagt Vivian Wilson in die Kamera, während sie an einem Gartentisch sitzt. Hinter ihr mäht ein humanoider Roboter den englischen Rasen. „Ich nicht“, sagt Wilson, drückt einen roten Knopf – die Sprinkleranlage geht an und der Roboter fällt funkenschlagend um. Der Clip ist Teil der neuen Modelinie der Fashionmarke Desigual. Und die Kampagne feiern viele gerade ziemlich ab.

„Eine Maschine gehorcht, eine Königin regiert“, schreibt etwa ein Nutzer unter dem Post von Vivian Wilson. „Das ist die beste Werbekampagne, die ich seit Langem gesehen habe“, eine andere. Sie ist gut gemacht, sie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich viele Ar­bei­te­r*in­nen die Köpfe darüber zerbrechen, wie sie bitteschön gegen den Vormarsch von KI ankommen wollen – und vor allem hat sie Vivian Wilson. Die entfremdete Tochter von Elon Musk als Gesicht einer Anti-AI-Kampagne einzusetzen, während dieser Milliarden in AI-Projekte steckt, ist genial.

Die 22-Jährige ist schließlich auch nicht irgendeine Tochter des Techmilliardärs. Sie ist die Tochter, über die Musk gesagt hat, dass sie vom „woke mind virus“ infiziert worden sei, nachdem sie sich öffentlich als trans geoutet hat. Sein Sohn sei tot, so Musk zu dem Outing. Er sei beim Unterschreiben der Dokumente von Wilsons Transition mit Hormonen ausgetrickst worden. Wilson hat sich öffentlich von ihm distanziert, änderte ihren Nachnamen, lebt finanziell unabhängig von ihrem Vater und äußert sich in den sozialen Medien immer wieder kritisch, etwa zur US-Politik bei queeren Rechten.

Jetzt macht sie eine Kampagne, in der sie Roboter als Untersatz für einen Golfball benutzt, ihn an der Leine durch den Garten führt, eine Sexpose mit ihm ausprobiert und versucht, ihm das Wort „Desigual“ beizubringen.

„I am not a robot“

Sie fordert den KI-Roboter im Clip also zu Widerstand auf. Widerstand, den es gegen die KI‑Industrie wohl ganz gut gebrauchen könnte. Gerade am Mittwoch kündigte Jacob Coxon, ein ehemaliger Mitarbeiter von Anthropic, seinen Job und warnte öffentlich vor den Gefahren der Technologie. Er warf Unternehmen wie Anthropic und OpenAI mangelndes Verantwortungsbewusstsein vor und warnte davor, dass KI im schlimmsten Fall die Menschheit auslöschen könnte.

Auch Elon Musk treibt die Entwicklung von KI und humanoiden Robotern massiv voran. Tesla entwickelt etwa mit Optimus einen eigenen humanoiden Roboter, und Musk hat mit xAI eines der großen KI-Unternehmen der Gegenwart aufgebaut.

Desigual nennt die Werbekampagne „Born to Disobey“. Und nutzt dabei Slogans wie „Own the code“, „Dress to disrupt“, „System failure“ oder „Free will activated“. Und auf der Website arbeitet die Marke mit einem Motiv, das man aus dem Internet kennt: „I am not a robot.“ Also: Beweise, dass du ein Mensch bist.

In einer Pressemitteilung zur Kampagne heißt es: Die größte Rebellion bestehe heute nicht mehr darin, das System zu bekämpfen, sondern darin, sich zu weigern, Teil des Systems zu sein. Das klingt ketzerisch, ist aber einfach eine ziemlich bequeme Haltung.

Desigual ist kein Systemsprenger

Denn natürlich ist Desigual Teil des Systems. Nicht irgendeines Systems, sondern der kapitalistischen Modeindustrie – einer Industrie, die von globalen Lieferketten, riesigen Produktionsmengen und ständigem Konsum lebt. Desigual produziert einen großen Teil seiner Kleidung außerhalb Europas. Da kann man sich schon fragen: Wie glaubwürdig ist es, wenn ausgerechnet eine Modemarke behauptet, außerhalb des Systems zu stehen? In einem Werbeclip einen Menschenroboter umlegen und „Widerstand“ auf ein Shirt drucken, macht einen noch nicht zum Systemsprenger.

Aber was die Kampagne macht, wie alle guten Werbekampagnen, ist, Aufmerksamkeit zu schaffen. Auf die Marke, aber auch auf das Thema. Wilsons persönlicher Konflikt mit Musk macht sichtbar, was abstrakte Debatten über KI oft nicht schaffen: Hinter der Technologie stehen immer noch Menschen. Extrem reiche Menschen mit Geld, Macht und bösen Absichten. Und manchmal eben auch ein Vater, der humanoide Roboter bauen lässt, während seine Tochter öffentlich genau das Gegenteil verkörpert.

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Ann-Kathrin Leclere

Ann-Kathrin Leclere

Aus Kassel, lange Zeit in Erfurt gelebt und Kommunikationswissenschaft studiert. Dort hat sie ein Lokalmagazin gegründet. Danach Masterstudium Journalismus in Leipzig. Bis Oktober 2023 Volontärin bei der taz. Jetzt Redakteurin für Medien (& manchmal Witziges).
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