Vorwurf der Urheberrechtsverletzung: Autor Marc-Uwe Kling und Carlsen Verlag verklagen OpenAI
Astrid Henn und Marc-Uwe Kling, Illustratorin und Autor der Kinderbuchreihe „Das NEINhorn“, haben mit dem Carlsen-Verlag Klage gegen den Betreiber von ChatGPT eingereicht.
Foto: Carlsen Verlag/Montage:taz
Der renommierte Hamburger Carlsen Verlag, sein Bestsellerautor Marc-Uwe Kling und die Illustratorin Astrid Henn sehen ihre Urheberrechte an ihrem Werk „Das NEINhorn“ verletzt und haben am Donnerstag Klage vor dem Landgericht München gegen die irische Niederlassung des US-Softwareunternehmens OpenAI, Betreiberin des Chatbots ChatGPT in Europa, eingereicht.
Der Grund für die Klage ist triftig: Bereits einfachste Eingaben bei ChatGPT führen dazu, dass Nutzer:innen Geschichten vom „NEINhorn“ erstellt werden, die in den wesentlichen kreativen Elementen dem urheberrechtlich geschützten Werk von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn gleichen. Die von ChatGPT erzeugten Illustrationen lassen sich vom Original „NEINhorn“ kaum unterscheiden.
ChatGPT macht zudem eigeninitiativ Vorschläge für weitere rechtsverletzende Texte und Illustrationen zum „NEINhorn“, welche ohne jede Erwähnung auch die weiteren Charaktere und Handlungsorte aufnehmen. ChatGPT bietet ganze Druckvorlagen für illustrierte Geschichten, samt Umschlaggestaltung, Impressum, einer gefakten ISBN und Verlagslogo an.
Auf Basis der äußerst detailgetreuen Kopien des Originals muss davon ausgegangen werden, dass die Originalwerke aus der Reihe „Das NEINhorn“ in unrechtmäßiger Weise zum Training der Sprach- und Bildmodelle von OpenAI genutzt wurden und nun als „Memorisierung“ in diesen Modellen enthalten sind, sodass sie jederzeit über ChatGPT abrufbar sind.
Illustratorin Astrid Henn reagiert verständlicherweise erbost: „Die unerlaubte Verwendung meiner Illustrationen, oft Ergebnis monatelanger Arbeit, für das Training einer KI, mit dem Ziel, dass die Kl meine Arbeit, also mein Eigentum, für jedermann nutzbar macht, ist für mich Diebstahl. Dieser Vorgang unterscheidet sich in meinen Augen nicht von zum Beispiel dem Diebstahl von Firmengeheimnissen, die dann im Darknet verkauft und für jedermann zugänglich gemacht werden.“
Autor Marc-Uwe Kling of „Känguruh-Chroniken“-Fame legt nach: „Jedem, der sich illegal im Netz auch nur einen einzigen Film, ein Buch oder ein Hörbuch runterlädt, droht eine empfindliche Strafe. Aber OpenAI klaut einfach alle Kunst und Kultur der ganzen Welt und glaubt, damit durchzukommen? Dazu fällt dem NEINhorn ein Wort ein: ‚Nein!‘“
Sandra Harzer-Kux, Verlegerin des Carlsen Verlages lässt sich mit der Aussage zitieren: „Die Kreativität von Autor*innen und Illustrator*innen ist unser höchstes Gut, ihre Rechte zu vertreten und zu schützen, unsere Verantwortung als Verlag. ‚Das NEINhorn‘ und seine Folgebände gehören zu den erfolgreichsten Bilderbüchern auf dem Markt und sind bereits heute Klassiker der Kinderliteratur. Mit dieser Klage treten wir entschieden für die Rechte von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn sowie die des Verlages ein, gegen die ganz eindeutig verstoßen wird.“
Sollte ein geschlossenes Vorgehen gegen OpenAI Schule machen und seine fiesen Kopierpraktiken am Ende etwa mithilfe von EU-Rechtssprechung abgeschafft werden?
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