Porträt Angela Merkels: Blau, das uns nach sich zieht
Enthüllung des neuen Merkel-Porträts: Taugt der Blazer der Kanzlerin a. D. zum Blaumann der Republik?
Klassisch mutet das neue, das offizielle Porträt der Angela Merkel, Kanzlerin a. D. an. Staatsmännischer als so mancher ihrer Vorgänger steht sie frontal im Bild, ja, auch konservativer gepinselt. Bar jedweder Abstraktion, jeder Verspieltheit und auch jeder doppelten Bedeutung, Symbolik, Allegorie und überhaupt fast allem, was sich der malende Mensch so im jahrhundertealten Genre der Porträtdarstellung an Kommunikation abseits des Abbilds überlegt hat.
Merkel, so betonte es auch Marion Ackermann, Direktorin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, kommunizierte wie kein anderer Kanzler zuvor durch Farben. Blau und Gelb sind es, die ihr Porträt nun dominieren. Flächig der ultramarin strahlende Blazer, darüber ein warmes Bernsteincollier (ein Verweis an ihren Wahlkreis Vorpommern-Rügen?) erleuchtet im goldenen Seitenlicht, gerahmt mit Schattenfuge und schwerem Blattgold.
Vielleicht wird dieses Blau bald das Orange der Merkel-CDU in unserer kollektiven Erinnerung an die Kanzlerin überschreiben, strahlte doch schon das Cover ihrer Biografie „Freiheit“ im selben Ton. Und für ebenjene steht es auch, das Blau, zumindest in der französischen Trikolore. Auch in der Flagge der EU bildet es sie ab, hier gepaart mit der Weite des Himmels, an dem die Staatensternchen leuchten.
Maria, die Himmelskönigin, wird ebenfalls gern in Blau gekleidet, insbesondere in spätmittelalterlichen Darstellungen. Für ihre Abbildung war es gerade gut genug, das selten-teure, ferne Pigment aus afghanischem Lapislazuli. Naturgemäß wollten auch Könige sich darin kleiden: Louis VIV., V., VI. … sie alle posieren im nachtsamtenen Mantel mit goldener Lilienstickerei.
Herrschen oder dienen, ließe sich hier fragen, kommen einem doch die Blauhemden der DDR-Jugenorganisationen in den Sinn, oder einfach reparieren? Der Blazer als Blaumann der Republik?
Goethes Farbenlehre
„Wie wir den hohen Himmel, die fernen Berge blau sehen, so scheint eine blaue Fläche auch vor uns zurückzuweichen. Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht“, schreibt Goethe in seiner Farblehre über die „sinnlich-sittliche Wirkung der Farbe“.
Blau als Farbe der Ferne und des Entzugs – ist das die Nachricht, die die Altkanzlerin hier im Bild versteckt hat? Sie zieht uns an, während sie sich entfernt. Mag die Nation sich noch so sehr nach ihrem besonnenen Gemüt verzehren. Und plötzlich ergibt auch der flächige Farbauftrag einen tieferen Sinn.
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