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Eure Stimme zählt!

Stimmen Sie ab dem 8. Juni ab, wer den panterpreis für „Medien von unten“ gewinnt. Hier stellen wir vier weitere Nominierte vor: das Münsteraner Lokalmedium RUMS, die Sendung „Radio Connection“, die Gefangenenzeitung „der lichtblick“ und das „nah:dran“-Projekt – Medienkompetenz für junge Menschen

Münster ist politisch eine geteilte Stadt. Mit ihren Hochschulen ist sie zur Hälfte rotgrün, zur anderen von einem konservativen Bürgertum geprägt. In den zwei konservativen Lokalzeitungen spiegle sich das aber nicht wider, sagt Marc-Stefan Andres. „Beide sind wort- und bildgleich.“ Denn sie werden vom gleichen Verlag herausgegeben.

Da ist mehr drin – dachten sich Andres und eine Gruppe von Journalist:innen. 2020 gründeten sie das unabhängige Lokalmedium RUMS. Seitdem versendet es mehrmals pro Woche einen Email-Newsletter mit Recherchen und Analysen zu Politik, Wirtschaft, Kultur und Stadtleben. „Wir wollen ganz klassisch die vierte Gewalt in unserer Stadt sein“, sagt Andres, den „Mächtigen auf die Finger schauen“.

Journalist Andres ist heute Produktmanager bei RUMS. Bezahlnewsletter, erklärt er, hätten einen Vorteil: „Sie bekommen ihre Nachrichten, wie bei der klassischen Lokalzeitung in den Briefkasten. Nur eben in den elektronischen.“ Jeder Newsletter hat ein Hauptthema, das ausführlich aufbereitet wird. Dazu gibt es für die Le­se­r:in­nen Links und Quellen. Im News-Strudel will sich die Redaktion indes nicht verlieren. Stattdessen gebe es etwas später „eine gründliche Einordnung“.

Das erste halbe Jahr hat RUMS gratis gearbeitet – aber angekündigt: „Bald kostet es“, so Andres. Die Anfangsfinanzierung stemmten die mittlerweile 24 Gesellschafter, die Anteile erwarben. Derzeit beschäftigt RUMS sieben Mit­ar­bei­te­r:in­nen in Teilzeit, die sich fünf Stellen teilen. Dazu kommen rund 15 freie Kräfte. 14,99 Euro kostet das Standard-Abo. In diesem Jahr wolle RUMS zum ersten Mal eine schwarze Null schreiben.

Das Medium hat sich mittlerweile in der publizistischen Landschaft Münsters etabliert – auch mit Dialogformaten, die eine direkte Beteiligung ermöglichen. Noch sei die Leserschaft „sehr akademisch“, Ziel bleibe aber „ein Medium für alle“. Martin Kaluza

Eine mehrsprachige Radiosendung auf Deutsch und Arabisch, Farsi oder Französisch? Konzipiert und produziert in einer Geflüchteten­unter­kunft? Von Menschen mit und ohne Fluchterfahrung?

Genau das ist Radio Connection Berlin. Seit 2019 gibt es das Projekt in Berlin-Marzahn. Seitdem wird jeden Donnerstag eine Sendung im freien Radio Berlin-Brandenburg ausgestrahlt. Mal geht es um die politische Lage in Iran, mal um queeres Leben in Marzahn. Regelmäßig sitzen Gäste bei Radio Connection am Mikro – vom Grünen-Politiker bis zur Band aus Aleppo. Ausgestrahlt wird abwechselnd eine offene Sendung und eine Episode der Reihe „Marzahn am Mikro“.

Aufgenommen wird in ­einer Geflüchtetenunterkunft. Susanne Bayer schlug als „Kunst am Bau“-Projekt eine partizipative Radiosendung für die Nachbarschaft vor und gewann damit. Ein Verein wurde gegründet, ein mobiles Studio angeschafft und ein Team zusammengestellt, das Radios in die Gemeinschaftsküchen hing.

Heute sitzen jede Woche rund 25 Leute beim Redak­tions­treffen zusammen und planen die Sendung – ganz ohne Hierarchien, sagt Bayer. „Es gibt keine Chefredaktion.“ Dabei sind die Sendungen immer zweisprachig, auf Deutsch und einer weiteren Sprache, und der größte Teil der Redaktion arbeitet ehren­amtlich. Es gibt nur zwei Stellen für Tontechniker und eine halbe für die Koordinierung. Susanne Bayer kümmert sich unter anderem um Förderungskonzepte. Denn: „Ohne können wir das Projekt nicht aufrechterhalten.“

Und das wäre ein Verlust für den gesamten Kiez – eine Nachbarschaft, in der es Proteste gegen die Geflüchtetenunterkünfte gab. Mittlerweile aber habe sich Radio Connection richtig etabliert, erzählt Bayer. Wenn sie Gesprächs­anfragen in der Nachbarschaft stellten, komme oft die Rückmeldung: „Wir kennen euch.“

Ruth Fuentes

Fragt man Steffen Kahrels nach einem Artikel von ihm, erzählt er von Türschildern. Dahinter steckt eine Geschichte über Diskriminierung und Identität. Über ein Justizvollzugssystem, das plötzlich ein bisschen progressiv wird. Und über die Wirkmacht freier Presse.

Das Jahr 2022 war kein gutes für die Gefangenenzeitung der lichtblick, die 1968 in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel gegründet wurde. Ein Mitarbeiter soll das Redaktionstelefon für Straftaten missbraucht haben. Der Berliner Senat löste die Zeitung auf. Ende des Jahres dann der Neuanfang: Die taz panterstiftung unterstützte den Aufbau einer neuen Redaktion – und Kahrels wurde zum Redakteur.

Er veröffentlichte einen Text über die Rechte von trans Personen im Vollzug. Viele wiesen ihn daraufhin auf die Türschilder hin: „Belegt, 1 Mann“ stand an jeder Zelle. Das nutzten andere Insassen, um den trans Gefangenen ihre Identität abzusprechen. Kahrels fragte bei der JVA-Leitung an. Nach ersten Widerständen tauschte diese schließlich alle Schilder aus. Und das dank Kahrels Presseanfrage.

Etwa 30 Gefangenenzeitungen gibt es in Deutschland, der lichtblick ist die einzige, die ohne Zensur erscheint. „Wir haben kaum eine Lobby als Gefangene“, sagt Ferdi Balci, der seit Juli 2025 Redakteur bei lichtblick ist. Rund 5.000 Exemplare hatte die Redaktion zuletzt gedruckt. Die digitalen Abozahlen steigen sogar – sehr zur Freude der Redaktion, weil das Geld spart. Und Geld, das braucht die Redaktion dringend. Sie ist auf Spenden angewiesen. Gefangene brauchen allerdings weiterhin gedruckte Ausgaben. Internetzugang haben die wenigsten. Auch deshalb ist der lichtblick wichtig, der kostenlos alle deutschen Haftanstalten beliefert. Johanna Treblin

Viel zu selten“ kämen Jugendliche mit ihren Themen in die Medien, sagt Cynthia Seidel vom Bundesvorstand der „Jugendpresse Deutschland“. Der Verein führt als Verband junger Me­di­en­ma­che­r seit 2025 mit dem Projekt „nah:­dran“ Workshops für Medienkompetenz in strukturschwachen Städten und Regionen durch.

Vor Ort organisiert nah:­dran Jugendredaktionen, sagt Seidel, die für das Projekt zuständig ist. Dazu spreche sie vorab mit den Partner:innen, „weil sie ihre Zielgruppe viel besser kennen als wir“. In den Workshops schreiben Jugendliche selber Texte oder nehmen Podcasts auf. Ob einem Medienkompetenz im Elternhaus vermittelt wird, hängt laut Studien stark vom sozioökonomischen Status der Familie ab. Medienbildung kann verhindern, dass Kinder mit erschwertem Zugang zu Bildung den Anschluss verlieren. Dafür arbeiten Seidel und die Workshop-Teamer:innen aber auch ehrenamtlich. Durch die Finanzierung von „Demokratie leben“ des Bildungsministeriums konnten zwei Stellen geschaffen werden.

nah:­dran ist jedoch von der geplanten Umstrukturierung des Demokratie-Förderprogramms betroffen. Zwei Jahre vor dem Projektende würde die Finanzierung auslaufen. Cynthia Seidel und ihr Team bemühen sich, das Projekt zu erhalten – durch „die Netzwerke, die wir in den letzten eineinhalb Jahren aufgebaut haben“. Wie Medien arbeiten, ist für viele Menschen schwer zu verstehen. Darum sei die Vermittlung von Medienkompetenz für Jugendliche so wichtig – und das sollte auch ausreichend finanziell gefördert werden, meint Cynthia Seidel. „Vielfältige Perspektiven“ in den Journalismus einbringen, „das schaffen die regulären Medien einfach nicht“. Wiebke Howestädt

Preisverleihung: 14. Oktober 2026

Der Leser:innen- und der Jurypreis, mit je 5.000 Euro dotiert, werden von der taz panterstiftung um 18 Uhr anlässlich der „Hamburger Woche der Pressefreiheit“ im „Museum der Arbeit“ verliehen.

Weitere Informationen unter: taz.de/panterpreis

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