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Angriff auf Atomkraftwerk SaporischschjaKrieg am Reaktor

Russland und die Ukraine beschuldigen sich gegenseitig. Die Vorwürfe rund um das AKW Saporischschja lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Saporischja, 29. März 2023: Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Rafael Mariano Grossi (l.) besucht das Atomkraftwerk Foto: Sergei Ilnitsky/epa
Bernhard Clasen

Aus Kyjiw

Bernhard Clasen

Erneut ist das Atomkraftwerk Saporischschja, mit einer Nennleistung von 6.000 Megawatt Europas größtes AKW, angegriffen worden. Der russische Atomkonzern Rosatom berichtete am Samstag, eine ukrainische Drohne habe in einer Turbinenhalle des Kraftwerks ein Loch in die Wand gerissen. Das AKW, das im März 2022 von russischen Streitkräften überfallen und besetzt wurde, wird derzeit von Rosatom kontrolliert. Alle sechs Reaktoren sind abgeschaltet.

Die Ukraine wehrt sich entschieden gegen den Vorwurf, sie habe das AKW angegriffen. Die Ukraine verfüge nicht über Drohnen mit einer Kumulativ-Sprengladung von 5–6 kg. Eine solche Sprengkraft wäre aber erforderlich, um ein Loch der Größe zu erzeugen, von dem die russische Seite spricht, zitiert das öffentlich-rechtliche Portal Suspilne einen ukrainischen Armeesprecher. Ein kumulativer Sprengkopf ist ein spezieller Sprengsatz, der entwickelt wurde, um Panzer, gepanzerte Fahrzeuge oder feste Strukturen zu durchdringen.

Auch das ukrainische Außenministerium weist die russischen Vorwürfe zurück. „Wir betrachten diese Erklärungen als eine weitere Informationskampagne der Besatzungsmacht, die darauf abzielt, die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft von der einzigen tatsächlichen Quelle der nuklearen Gefahr im Kernkraftwerk Saporischschja abzulenken – der illegalen russischen Besetzung des Kraftwerks“, so das Ministerium.

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Gleichzeitig kritisiert das ukrainische Außenministerium, dass Russland der im Kraftwerk anwesenden Kontrollmission der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) keinen uneingeschränkten Zugang gewähre.

„Ein Staat, der internationalen Inspektoren den Zugang zu Teilen einer besetzten Nuklearanlage verwehrt, verlangt heute von der Welt, seinen eigenen Berichten über die Ereignisse dort zu vertrauen“, so das Ministerium. Auch Atomkraftwerke sind inzwischen nicht mehr vom Krieg ausgenommen.

In einem Gespräch mit ausländischen Journalisten hatte der Direktor des Atomkraftwerks Tschernobyl Serhij Tarakanov am 9. April berichtet, dass praktisch jede Woche mehrmals russische Drohnen das AKW Tschernobyl überfliegen würden. Allein in der vergangenen Woche, so die Internationale Atomenergiebehörde IAEA, seien 20 Drohnen über dem Gelände des AKW Tschernobyl gesichtet worden.

Im AKW Tschernobyl erinnert man sich noch zu gut an den Einschlag einer russischen Drohne am 14. Februar 2025. Sie hatte ein 15 Quadratmeter großes Loch in die Schutzhülle des alten Sarkophags gerissen, ein Feuer ausgelöst. Auch die Ukraine greift immer wieder Atomkraftwerke und deren Infrastruktur an. In einem Video zeigte die ukrainische Armee im Juli 2022, wie sie sich „filigran an den Positionen der russischen Okkupanten unweit des AKW abgearbeitet hat“. Die Einschläge sollen rund 500 Meter von den Reaktoren des AKW Saporischschja entfernt erfolgt sein. Am 26. September 2025 berichtete das ukrainische Portal fbc.biz.ua unter Berufung auf russische Quellen zudem von einem Drohnenangriff in der Nähe des russischen AKW Kursk.

Und der ukrainische Dienst von BBC berichtet unter Berufung auf russische Quellen, dass in der Nacht zum 7. Oktober 2025 eine ukrainische Drohne in einem Kühlturm des Atomkraftwerks Nowoworonesch eingeschlagen sei.

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