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Das Detail zum BundesligaspieltagDie frühe Fahne

Linienrichter sind im VAR-Zeitalter ein wenig aus dem Fokus geraten. Nun hat einer zu früh die Fahne gehoben. Schon beginnt eine große Diskussion.

Werkzeug des Assistenten: Linienrichterfahne in der Bundesliga Foto: dpa

Linienrichter haben es gut. Sie können im aufgeregten Fußballbusiness weitgehend unbeachtet ihren Aufgaben nachgehen. Schauen, ob der Ball das Spielfeld verlässt, einen Spieler zurückhalten, der bei seiner Einwechslung zu früh auf’s Feld rennen mag – solche Dinge eben. Manchmal macht er Fehler, aber das wird ihm meistens nicht lange übel genommen.

Früher war das anders. Da ist jede Menge Mist über die Assistenten ausgekübelt worden, wenn sie etwa eine Abseitsposition erkannt haben, wo keine war, oder keine erkannt haben, obwohl eine solche vorlag. Zwar müssen sie Assistenten immer noch darauf achten, dass kein Spieler der angreifenden Mannschaft im Abseits steht, aber wenn es eng wird, fällt die fällige Entscheidung an den Rechnern der Abteilung für Videoschiedsrichterei.

Dass es dennoch auch im abseitstechnologisch hochgerüsteten Fußball zu anhaltenden Diskussionen führen kann, wenn ein Linienrichter die Fahne hebt, war nun beim Spiel von Union Berlin gegen den 1. FC. Köln (2:2) zu beobachten. Da hob der Assistent vor dem Kölner Führungstreffer sein Fähnchen, obwohl der Angreifer, der sich alleine zwischen dem letzten gegnerischen Verteidiger und dem Torwart befand, gar nicht ins Spiel eingegriffen hat. Der Schiedsrichter hat richtigerweise nicht gepfiffen und Köln konnte in Führung gehen.

Dass die Fahne oben war, mag Unioner irritiert haben, spielt regeltechnisch aber keine Rolle. Diskutieren lässt sich natürlich dennoch lange darüber. Eine Linienrichterdiskussion hat es wirklich lange nicht mehr gegeben. Es war fast ein bisschen wie früher, in der guten, alten Fußballzeit.

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1 Kommentar

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  • Eine "gut gefütterte" u. programmierte KI, die in Echtzeit eingreifen kann, wäre wohl für viele Fußballzuschauer:innen eine ultimativ gerechte Lösung.



    Wollen wir das?



    Im Kreise meiner "Revierfreunde" und meiner übrigen schwarz-gelben Umgebung auf der Süd sind wir eher geneigt, menschliche Fehler zu verzeihen, weil wir Fußball ohne hypertrophe Supertechnik lieben.



    Die Illusion der Genauigkeit gibt uns Argumente.



    Derjenige, der das sagt über die Abseitstechnik ist Weltraumforscher.



    "Weber: "Illusion der Genauigkeit"



    Da Fußball ein dynamisches Spiel mit vielen Beschleunigungen, Abstoppmanövern und Drehungen ist, gäbe es kaum eine gleichförmige Fortbewegung. In manchen Szenen werden Arme oder Beine bis zu 100 km/h beschleunigt. Umso größer wird dann die Mess-Ungenauigkeit. Beim Abspielzeitpunkt des Balls kann die Position der Spieler also mit der vorhandenen Technik gar nicht so präzise beobachtet werden, wie von den TV-Animationen suggeriert. Weber spricht von einer "Illusion der Genauigkeit"..."



    www.ndr.de/sport/s...ukelt,var-194.html



    Im Zweifelsfall laufen lassen, Technik wird überschätzt, Fans werden unterschätzt.