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Verdacht auf InsiderwissenUS-Soldat gewinnt über 400.000 Dollar mit Maduro-Festnahme

Ein US-Soldat soll mit nicht öffentlichem Wissen über die Militäroperation in Venezuela Geld auf einer Prognose-Plattform gewonnen haben. Nun wurde er angeklagt.

Ex-Präsident Nicolás Maduro aus Venezuela mit Frau Cilia Flores bei der Überstellung an ein Gericht in New York im Januar 2026 Foto: Kyle Mazza-Cnp/Zuma Press/dpa

Aus Washington

Hansjürgen Mai

Ein US-Soldat soll sein nicht öffentliches Wissen über eine bevorstehende Militäroperation in Venezuela dazu genutzt haben, um auf einer bekannten Prognosemarkt-Plattform eine beträchtliche Summe Geld zu gewinnen. Der Soldat, der in einer Presseerklärung des amerikanischen Justizministeriums als Gannon Ken Van Dyke identifiziert wird, soll auf der Plattform Polymarket im Vorfeld der US-Militäroperation, die zur Festnahme und Auslieferung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro führte, mehrere Wetten abgeschlossen haben.

Der 38-jährige Elitesoldat soll mehr als ein Dutzend Wetten im Wert von mehr als 33.000 Dollar abgeschlossen haben. Sein Gewinn betrug laut dem Justizministerium über 409.000 Dollar. Da der Soldat laut Behörden jedoch „an der Planung und Durchführung der US-Militäroperation“ teilgenommen hatte, wurde er am Donnerstag offiziell angeklagt und verhaftet.

„Insgesamt platzierte Van Dyke im Zeitraum vom 27. Dezember 2025 bis zum Abend des 26. Januar etwa 13 Wetten“, teilte das Justizministerium mit.

„Vertrauliche Regierungsinformationen“

Der Anklageschrift zufolge wirft das Justizministerium Van Dyke vor, rechtswidrig „vertrauliche Regierungsinformationen zum persönlichen finanziellen Vorteil“ genutzt zu haben. Auch mehrere weitere Anklagepunkte, wie Warenbetrug oder unrechtmäßige Geldtransaktion wurden aufgeführt.

„Unseren Männern und Frauen in Uniform werden geheime Informationen anvertraut, damit sie ihren Auftrag so sicher und effektiv wie möglich erfüllen können; zugleich ist es ihnen untersagt, diese hochsensiblen Informationen zum persönlichen finanziellen Vorteil zu nutzen“, erklärte der amtierende Generalstaatsanwalt Todd Blanche.

Die Staatsanwaltschaft behauptet in ihrer Anklage, dass nur wenige Stunden nach Maduros Festnahme Van Dyke ein Foto auf sein Google-Konto hochgeladen hatte. Das Bild zeigt angeblich Van Dyke auf dem Deck des Zerstörers USS Iwo Jima.

Zum selben Zeitpunkt soll sich auch Maduro, der in die USA transportiert wurde, auf dem Schiff befunden haben. Das Foto soll verdeutlichen, dass Van Dyke in die Operation verwickelt war. Die US-Behörde CFTC, die Prognosemärkte wie Polymarket eigentlich kontrollieren soll, teilte mit, dass sie neben der strafrechtlichen Klage auch eine Zivilklage gegen den Beschuldigten einreichen werde.

Die Behörde fordert Schadenersatz, eine gerichtliche Verfügung und ein Wettverbot.

Trump wusste nach eigener Aussage nichts

„Insiderhandel hat auf Polymarket keinen Platz. Die heutige Festnahme ist der Beweis dafür, dass das System funktioniert“, sagte das Unternehmen im Post auf X.

US-Präsident Donald Trump, der von Journalisten während einer Veranstaltung im Weißen Haus auf die Anklage und Verhaftung des Soldaten angesprochen wurde, sagte, er wüsste nichts darüber.

„Die ganze Welt ist leider gewissermaßen zu einem Kasino geworden“, sagte Trump, als er allgemeiner über Prognosemärkten befragt wurde.

Eine gesetzliche Grauzone

Erst am Mittwoch verkündete eine weitere Prognose-Plattform, Kalshi, dass man drei politische Kandidaten dabei ertappt habe, wie diese auf den Ausgang ihrer eigenen Wahlen gewettet hatten. Die Plattform verhängte Geldstrafen gegen die drei Politiker und sprach eine fünfjährige Sperre aus.

„Der weitverbreitete Zugang zu Prognosemärkten ist ein relativ neues Phänomen, doch die Bundesgesetze zum Schutz nationaler Sicherheitsinformationen finden uneingeschränkt Anwendung“, sagte Generalstaatsanwalt Blanche nach der Festnahme des Soldaten am Donnerstag.

Nicht nur bei der Militäroperation in Venezuela Anfang Januar kam es zu fragwürdigen Transaktionen auf den Plattformen. Auch in den Stunden vor den Militärschlägen gegen Iran Ende Februar wurden Wetten im dreistelligen Millionenbereich auf den Prognose-Plattformen abgeschlossen. Der mögliche Sturz des getöteten iranischen Staatsoberhaupts Ali Chamenei stand bei den Usern der Plattformen hoch im Kurs.

Da sich diese Plattformen in einer rechtlichen Grauzone befinden und Insiderwissen oft nur schwer zu beweisen ist, fordern vor allem US-Kongressabgeordnete der Demokratischen Partei ein Verbot von dieser Art der Wetten.

Bei einer Verurteilung droht dem Soldaten Van Dyke eine langjährige Haftstrafe.

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