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Israel dringt in Libanon vorSystematische Zerstörung ganzer Ortschaften

Israel treibt die Besetzung des Südlibanons voran. Die Ausweitung des Territoriums ist längst Doktrin geworden. Und manche wollen noch weiter gehen.

Felix Wellisch

Aus Jerusalem

Felix Wellisch

Von einer „Sicherheitszone“ spricht Israels Verteidigungsminister Israel Katz, die Israels Armee im Südlibanon zwischen der eigenen Grenze und dem Fluss Litani errichten soll. Dafür hat die Armee in den vergangenen Tagen fünf Brücken zerstört. Die übrigen Übergänge werde man, ebenso wie das etwa 30 Kilometer breite Gebiet, kontrollieren, erklärte der Minister am Dienstag. De facto kündigt Katz damit eine Besetzung des Nachbarlandes für die absehbare Zukunft an.

Es ist nicht das erste Mal: Bereits nach dem Ersten Libanonkrieg 1982 richtete die damalige israelische Regierung eine sogenannte Sicherheitszone ein. Doch auch auf israelischer Seite ist die Besetzung Libanons mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden: Rund 1.000 israelische Soldaten bezahlten dafür mit ihrem Leben. Die Hisbollah hat als Widerstandsgruppe gegen die Besetzung erst an Legitimität gewonnen. Im Jahr 2000 zog sich Israel unter innenpolitischem Druck zurück.

Diesmal geht die Armee anders vor. Sie hat das gesamte Gebiet kurz nach Kriegsbeginn Anfang März als Evakuierungszone ausgewiesen, darunter Tyros, eine der ältesten Städte der Welt und die viertgrößte Libanons. Hunderttausende mehrheitlich schiitische Libanesen sind in den Norden geflohen. Laut Katz sollen sie „nicht zurückkehren, bis die Sicherheit von Israels Norden garantiert ist“.

Neben den Brücken zerstört das Militär zudem systematisch ganze Ortschaften, „im Einklang mit dem Modell, das wir in Rafah und in Beit Hanun im Gazastreifen angewandt haben“, sagte Katz. Beide Orte sind heute weitgehend dem Erdboden gleichgemacht. Um die Gefahr für israelische Bodentruppen weiter zu beschränken, setzte die Arme laut einer Analyse der Denkfabrik Carnegie Endowment for International Peace zudem bereits während der brüchigen Waffenruhe nach November 2024 stark auf den Einsatz von Drohnen.

Diplomatisches Fenster zugehauen

Wie weit die Truppen tatsächlich schon vorgerückt sind, dazu gibt es kaum verifizierbare Angaben. Zuletzt aber soll es vor allem um die Orte Tajbeh und Chiam Feuergefechte zwischen Hisbollah-Kämpfern und Soldaten gegeben haben. Zusammen mit täglichen Raketen- und Drohnenangriffen auf israelisches Gebiet, die die Miliz kurz nach dem Angriff der USA und Israels auf Iran wieder aufgenommen hat, zeigt das: Die Hisbollah ist nach zweieinhalb Jahren israelischen Bombardements geschwächt, aber weiterhin militärisch handlungsfähig.

So wie wir 55 Prozent des Gazastreifens kontrollieren, müssen wir dasselbe in Libanon tun.

Bezalel Smotrich, israelischer Finanzminister

Manchen in Israel gehen Katz’ Pläne nicht weit genug. Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich forderte, den Litani zur neuen Grenze zwischen Israel und dem Libanon zu erklären. „So wie wir 55 Prozent des Gazastreifens kontrollieren, müssen wir dasselbe in Libanon tun.“

Eine Splittergruppe der Siedlerbewegung namens Uri Tsafon (hebräisch „Wach auf, Norden“) setzt sich bereits seit Längerem für eine jüdische Besiedlung Südlibanons ein. Polizeiminister und Siedlerführer Itamar Ben Gvir ließ der Gruppe laut der Zeitung Ha’aretz vergangenen Sommer schriftlich seine Sympathie mitteilen. Bisher haben sich führende Politiker nicht hinter diese Ideen gestellt. Historisch aber sind israelische Siedlungen wie im Westjordanland und im Gazastreifen stets infolge von militärischer Besetzung entstanden.

Zunächst könnte der israelische Vorstoß aber vor allem ein seltenes diplomatisches Fenster wieder schließen. Libanons Regierung und Armee sind zwar offensichtlich nicht ihrer Verpflichtung aus dem Waffenruheabkommen von 2024 nachgekommen, die Hisbollah südlich des Litani zu entwaffnen. Die Unterstützung für die Kriege der Hisbollah mit Israel aber war in Libanon lange nicht so niedrig, die Bereitschaft für Gespräche mit Israel selten so hoch.

Das könnte sich nun schnell wieder ändern angesichts von mehr als 1.000 Toten seit Kriegsbeginn, darunter rund 200 Frauen und Kinder sowie 40 Ärzte und Sanitäter, und der umfassenden Zerstörung ziviler Infrastruktur.

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