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Mehrfachticket für Berlins FreibäderKalte Dusche für Iris Spranger

Das Sammelticket für die Berliner Bäder bleibt erhalten. Nach heftigen Protesten verkündete Sportsenatorin Spranger am Freitag ihre Kehrtwende.

Komplett nass gemacht von der Öffentlichkeit Foto: Stefan Arend/Funke Foto Services/imago

Aus Berlin

Plutonia Plarre

Nun also doch. Die Freibad-Fans können aufatmen. Das beliebte Sommermehrfachticket wird auch in diesem Jahr wieder von den Berliner Bäder-Betrieben (BBB) angeboten. Und zwar dauerhaft, wie die Sprecherin von Innen- und Sportsenatoren Iris Spranger (SPD) der taz bestätigte. „Für den Verkauf gelten die Konditionen des vergangenen Jahres.“

Wie schon in den Jahren zuvor kosteten im vergangenen Jahr 20 Eintritte 60 Euro. Voraussetzung war, dass das Sammelticket im April im Vorverkauf erworben wurde. Ab Saisonbeginn im Mai kletterte der Preis dann auf 80 Euro.

Doch das mit den Konditionen des vergangenen Jahres blieb zunächst unklar. Die Bäderbetriebe bestätigten gegenüber der taz lediglich den Preis von 80 Euro für das Sammelticket. Von einer günstigeren Vorverkaufsgebühr war keine Rede.

Für die Viel­schwim­me­r*in­nen ist das eine sehr gute Nachricht

Klara Schedlich, Grüne

Das sieht die sportpolitische Sprecherin der Grünen, Klara Schedlich, anders. Schedlich war am Freitag bei der Sitzung des Sportausschuss zugegen, als Spranger die Entscheidung verkündete. „Ich gehe davon aus, dass es wieder einen Vorverkauf mit entsprechendem Rabatt geben wird“, sagt Schedlich. „Denn das waren im vergangenen Jahr die Konditionen.“

Sturm der Entrüstung

Als die taz Anfang der Woche von der Streichung des Sommertickets berichtet hatte, war ein Sturm der Entrüstung losgebrochen. Bereits im vergangenen Jahr hatten die BBB ein neues Tarifmodell mit unterschiedlichen Bäderkategorien und Abomodellen eingeführt. Für Vielschwimmer sei dies flexibler und kundenfreundlicher.

Die gestiegenen Preise hatten die Bäderbetriebe mit höheren Energiepreisen und Personalkosten begründet. Von einer Streichung des Sammeltickets war damals keine Rede gewesen. Die verkündeten die Bäderbetriebe erst gegenüber der taz.

Das Sommerticket ist günstig, übertragbar, und es gilt für alle Freibäder, unabhängig von irgendwelchen Badkategorien. Kein Wunder also, dass es sich steigender Beliebtheit erfreute. Im vergangenen Jahr wurde es 20.500 Mal verkauft, obwohl die Besucherzahlen in den Freibädern 2025 zurückgegangen waren. 2024 hatte es 16.000 Verkäufe gegeben.

Nach dem Bericht in der taz hatten die Abgeordneten des Sportausschusses wütende Reaktionen erreicht. Auch Spranger selbst bekam den Unmut zu spüren, erfuhren Journalisten am Donnerstag am Rande der Plenarsitzung. Dass die Sportsenatorin zurückrudern würde, hatte sich da schon angedeutet. Zum RBB sagte Spanger: Bei den neu eingeführten Abomodellen sei „die Wirtschaftlichkeit gerade für Menschen, die wenig Geld hätten, nicht ganz nachzuweisen.“

Eine späte Erkenntnis. Als Vorsitzende des Aufsichtsrats der landeseigenen Bäderbetriebe hat Spranger die Abschaffung des Sommertickets persönlich zu verantworten. Bei der Sitzung der Sportausschusses am Freitag verkündete sie dann die Kehrtwende. „Für die Viel­schwim­me­r*in­nen ist das eine sehr gute Nachricht“, schrieb die Grüne Schedlich der taz.

Er freue sich sehr über die Entscheidung, sagt Vielschwimmer Ralf Wendling zur taz. Wendling hatte im vergangenen Jahr mit einer Unterschriftenpetition gegen das ungeheizte Wasser in den Freibädern protestiert und erreicht, dass diese in diesem Sommer wieder auf eine Temperatur von 22 Grad beheizt werden. „Man sieht, wenn man aufbegehrt, dass sich die da oben bewegen,“ sagt Wendling. „Aber vielleicht liegt es ja auch daran, dass in Berlin bald Wahlen sind.“

Für den Samstag hatten empörte Schwimmfans zu einer Fahrraddemonstration vom Prinzenbad in Kreuzberg zum Columbiabad in Neukölln aufgerufen. Die wird nun möglicherweise abgeblasen. Oder es wird ein Freudenkorso.

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1 Kommentar

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  • Ein Schwimmbadbesuch verursacht für die Betreiber deutlich höhere Kosten pro Besucher, als durch die Eintrittspreise gedeckt werden. Die Eintrittspreise decken oft nur etwa 20 % der Gesamtkosten eines Schwimmbads. Hier weigern sich jetzt also die Vielschwimmer ihren faireren Beitrag zu leisten. Durch die massiv gestiegenen Energie und Personalkosten werden Preiserhöhungen sowieso unausweichlich werden in den nächsten Jahren.