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Kreuzfahrtschiffe in Hamburg„Mit Kreuzfahrten wird ein Haufen Geld verdient“

Die Kreuzfahrtbranche boomt. Das macht es einfacher, sie zur Nachhaltigkeit zu verpflichten, sagt Nabu-Chef Malte Siegert.

Cruise Days 2025: Pauschale Proteste gegen Kreuzfahrt? Da ist der Nabu nicht mehr mit dabei Foto: Bodo Marks/dpa

Interview von

Benno Schirrmeister

taz: Gibt es so etwas wie nachhaltige Kreuzfahrt, Herr Siegert?

Malte Siegert: Die Frage muss, glaube ich, eher sein, ob es so etwas wie nachhaltigen Urlaub gibt. Es wäre falsch, da alleine auf die Kreuzfahrt zu schauen. Gerade, wenn man sich die modernen Kreuzfahrtschiffe anschaut, sind das schon echte Mikrokosmen, die einiges vom Wasserrecycling über die Minimierung des Stromverbrauchs bis hin zur Müllvermeidung sehr gut organisieren. Eine Woche Kreuzfahrt ist nicht unbedingt weniger nachhaltig als eine Flugreise nach Malle inklusive schlecht isoliertem Hotel.

taz: Das wundert mich.

Siegert: Klar: Die meisten denken, jetzt kommt der Umweltverbands-Fredy und ist erstmal der Mega-Kritiker. Aber es muss immer um eine vergleichbare Gesamtbilanz gehen. Ich wehre mich dagegen, so pauschal zu sagen, dass Kreuzfahrt Mist ist.

Bild: Georg Wendt/dpa
Im Interview: Malte Siegert

Jahrgang 1965, ist seit 2020 erster Vorsitzender des Nabu-Landesverbandes Hamburg

taz: B ei der Internationalen Tourismus-Messe ITB hat der Nabu gerade erst betont, Kreuzfahrten seien nach Flugreisen die klimaschädlichste Form des Urlaubens …

Siegert: Na ja, Sie hatten ja nach Nachhaltigkeit gefragt. Davon ist Klimaschutz nur ein Punkt. Wenn man allein darauf schaut, ist Kreuzfahrt wahrscheinlich immer noch keine gute Form des Tourismus.

Der Termin

Die Erfolge des Kreuzfahrtstandorts Hamburg bilanzieren heute Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard, die Port Authority Geschäftsführung, Hapag-Lloyd-Chefin Isolde Susset sowie ein echter Kapitän und malen auch dessen Zukunft aus

taz: Dann begrüßen Sie, wenn sich Hamburg am Dienstag als Hotspot für nachhaltige Kreuzfahrt in Szene setzt?

Siegert: Das kann die Stadt ja nur, weil wir als Verband seit 15 Jahren auf diesem Feld hartnäckig arbeiten. Wir haben 2011 unsere erste Kreuzfahrt-Kampagne gemacht: Mir stinkt’s, hieß die damals. Das Ziel war, Kreuzfahrtschiffe sauber zu machen. Damals hatten wir eine katastrophale Situation, was die gesamten Luftemissionen betrifft. Weil wir auch den politisch Beteiligten hier in Hamburg seitdem auf den Füßen gestanden haben, wurde hier 2016 das erste Kreuzfahrtterminal mit Landstrom ausgestattet.

taz: Ihre Position ist also: Kreuzfahrten gibt es, und wir müssen sie besser machen?

Siegert: Wir haben nie gesagt, dass wir Kreuzfahrt grundsätzlich schlecht finden. So gut wie jede Form von Tourismus verursacht einen gewissen Fußabdruck …

taz: … und dann ist es effizient, eine besonders große Branche, die noch dazu dynamisch wächst, auf Nachhaltigkeitsziele zu verpflichten?

Siegert: Einer Branche, der es gut geht, kann man leichter etwas abverlangen. Mit Kreuzfahrten wird ein Haufen Geld verdient. Da können wir von den Unternehmen natürlich fordern: Seid innovativ, baut vernünftige Schiffe, nutzt die bestmögliche Technologie. Das hat mit den Reedereien, die auf dem deutschen Markt operieren, relativ gut geklappt.

taz: Übers bloße Greenwashing hinaus?

Siegert: In den zahlreichen Gesprächen mit Reedereien und Lobby-Plattformen nehme ich schon Interesse wahr. Das war am Anfang nicht so. Da hat man versucht, uns zu bekämpfen und zu marginalisieren. Weil wir aber, unter anderem über das jährliche Kreuzfahrtranking, mit Fachkenntnis wirkungsvoll Öffentlichkeit erreichen, ist die Branche mittlerweile sehr kooperativ. Zumindest bis Corona waren die Innovationstreiber auch für die Handelsschifffahrt. Jetzt müssen wir denen natürlich wieder auf den Füßen stehen und sie auffordern, weiter an ihrer Performance zu arbeiten, und beispielsweise ihre CO2-Emissionen runterzubringen.

taz: Lassen sich Nachhaltigkeitsforderungen leichter platzieren, wenn die Regierung– wie Häfensenatorin Melanie Leonhard (SPD) – den Schulterschluss mit der Branche sucht und mit ihr zusammen Bilanz zieht?

Siegert: Immerhin hat Jens Meier, der Chef der Hamburg Port Authority, jetzt angekündigt, dass in Hamburg ab 2027, also drei Jahre bevor die Landstrompflicht der EU greift, alle Schiffe an den Landstrom gehen sollen. Ich vermute, er meint damit: Alle Schiffe, die Landstrom abnehmen können, müssen ihn dann auch nutzen. Das sollte man nachschärfen. Unsere Forderung wäre, zusätzlich festzulegen, dass man diejenigen, die nicht landstromfähig sind, dann gar nicht mehr reinlässt. Denn das liegt im Interesse der Stadt: Es betrifft die Luftreinhaltung und die Gesundheit der Menschen vor Ort.

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2 Kommentare

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  • Kann mir mal einer erklären, was schön daran sein soll, den Urlaub in so einem "schwimmenden Wohnblock" zu verbringen. Da kann ich ja gleich einen Urlaub in der Nord-West-Stadt in Frankfurt verbringen.

    • @Il_Leopardo:

      Wenn Sie es erfahren haben, dann teilen Sie es bitte mir auch mit.