kampferprobt: „Digitale Werkzeuge gehören selbstverständlich zum Feminismus“
#aufschrei entstand 2013 spontan. Nicole von Horst postete damals: „Der Arzt, der meinen Po tätschelte, nachdem ich wegen eines Selbstmordversuchs im Krankenhaus lag.“ Ich schlug dann vor, unsere Erfahrungen mit sexualisierten Grenzüberschreitungen unter einem Hashtag zu sammeln.
Erst war Twitter voll davon, dann griffen Onlinemedien das auf, und drei Tage später saß ich bei Günther Jauch, der sich aber auf den Fall Rainer Brüderle konzentrierte. Dass es so viele andere Betroffene gab, hat mich nie gewundert. Aber dass so viele den Mut haben würden, ihre Scham abzulegen und sich öffentlich zu äußern, das gab es vorher in der Form noch nicht.
#aufschrei hat gezeigt, dass digitale Werkzeuge heute selbstverständlich zum feministischen Aktivismus gehören. Gleichzeitig wurde klar, dass man im Netz immer mit digitaler Gewalt rechnen muss. Mit Hasskommentaren sollten wir wieder aus dem Raum gedrängt werden, den wir uns genommen hatten. Wir müssen deshalb im feministischen Aktivismus auch Fürsorgestrukturen auf- und ausbauen, damit wir dieser Gewalt nicht schutzlos ausgeliefert sind.
Anne Wizorek, 44, initiierte 2013 den #aufschrei.
Protokoll: Amélie Richter
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