H5N1-Virus in den Niederlanden: Kuh hat Vogelgrippe
In Europa wurden erstmals Antikörper des H5N1-Virus in einer Kuh nachgewiesen. Die Risiken sind bislang gering – warum dennoch Vorsicht geboten ist.
Viren sind anpassungsfähig und nehmen dabei wenig Rücksicht auf ihre Namen: Antikörper der Vogelgrippe wurden nun bei einer Kuh in den Niederlanden nachgewiesen. Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ist das der erste solche Nachweis des H5N1-Virus weltweit außerhalb der USA.
Ein direktes Risiko für Verbraucher:innen besteht erst mal nicht. Aus dem Bericht des niederländischen Agrarministeriums an das Parlament geht hervor, dass die Milch der erkrankten Kuh nicht verkauft worden ist. Ohnehin wird Milch vor dem Verkauf erhitzt und pasteurisiert – und damit werden die Viren abgetötet. In den USA, wo die Vogelgrippe bei Kühen verbreitet ist, raten Behörden davon ab, Rohmilchprodukte zu verzehren.
Kühe leiden bei einer Infektion mit Vogelgrippe oft an entzündeten Eutern, erholen sich aber in der Regel. Bei den meisten anderen Tieren tritt das Virus vor allem im Gehirn auf. Eine weitere Ausnahme ist der Mensch: Bei uns zeigt sich die Vogelgrippe vor allem durch Symptome in den Augen und den Atemwegen. Zum Tod habe die derzeitige H5N1-Variante nur vereinzelt geführt, meist bei Menschen mit Vorerkrankung, sagt Martin Beer, Vizepräsident des FLI der taz. In Deutschland habe es solche Fälle noch nicht gegeben.
Auch ein Sprecher des Milchindustrie-Verbands (MIV) sagt der taz: „Nach unseren Erkenntnissen geht von diesen Ereignissen keine Gefahr aus.“
Tote Katze gab den Hinweis
Laut dem Bericht des Agrarministeriums starb Ende Dezember eine Katze auf dem Hof. Untersuchungen ergaben eine Infektion mit der Vogelgrippe. Am 15. Januar folgten Tests der Kühe des Betriebs. Das Ergebnis: Antikörper gegen H5N1. Zu diesem Zeitpunkt hatte keines der Tiere Symptome. Tests einige Tage später konnten keine weiteren Infektionen nachweisen. Bei fünf Proben sollen noch Nachuntersuchungen folgen.
Bislang sei noch unklar, wie sich Katze und Kuh in dem niederländischen Betrieb infiziert haben. Laut Beer könnten sich die Tiere bei infizierten Vögeln angesteckt haben. Die könnten mit ihrem Kot Wasser, Futter oder Melkgeschirr der Kühe kontaminiert haben. „Das Risiko von einer Übertragung vom Vogel auf etwa Mensch oder Kuh ist nach wie vor sehr gering“, sagt Beer. Was nun in den Niederlanden passiert ist, sei ein Einzelfall. „Wir wussten, dass das passieren kann“, so Beer.
Zuletzt brach die Vogelgrippe im Herbst in Europa stark aus. Aufgrund von Infektionen in den letzten Jahren sei ein Teil der Vögel aber immunisiert und infizierte Tiere schwierig auszumachen, so Beer. Durch den Kot der Tiere könne sich die Vogelgrippe flächendeckend verbreiten.
Säugetiere infizierten sich doppelt so häufig
Laut eines Berichts der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) ist die Vogelgrippe bei Säugetieren 2024 mehr als doppelt so häufig ausgebrochen wie noch im Vorjahr: von weniger als 500 auf über 1.000 Infektionen. Beer sagt, er sehe in diesem Anstieg die Spitze einer Infektionswelle mit Vogelgrippe. Das Risiko für Übertragungen von Vögeln auf gehaltene Säugetiere sei weiterhin gering.
Das Ansteckungsrisiko für Menschen bleibe laut WOAH-Bericht zwar gering – doch je mehr Säugetiere mit der Vogelgrippe infiziert werden, desto wahrscheinlicher werde, dass sich das Virus anpasse und von Säugetier auf Säugetier übertragen werden könne.
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