piwik no script img

dokuDer Rockstar vom Süden

Eine Doku über die österreichische Legende Wolfgang Ambros ist brav, aber erhellend

Wolfgang Ambros an seinem Wohnort in Tirol Foto: ORF

Größe und Grenzen des Wolfgang Ambros sind in dieser Doku von zwei Zitaten bestimmt. „Ich wollte ein Rockstar werden und ich bin einer geworden“, sagt der gesundheitlich angeschlagene, aber immer noch voll bühnentaugliche 73-Jährige; und der Interviewer Hanno Settele bringt zwischen zwei Backgammonwürfen das nicht neue Bonmot, Ambros sei zumindest in Österreich weltbekannt. Was stimmt – und was nicht stimmt.

Ambros’ Ruhm beim südlichen Nachbarn ist tatsächlich ungebrochen, er ist Legende, Klassiker und immer auch noch Publikumsattraktion, fast schon erhaben gefeiert im Duett mit Austro-Popstar Christina Stürmer. Aber es geht darüber hinaus – und zwar nicht nur mit dem Megahit „Schifoan“, der, wie die Doku enthüllt, erst bei Konzerten in Deutschland zum Brecher wurde, denn in Österreich habe man dem eher städtisch-kritisch-depressiv-wienerischen ­Ambros die sportliche Jodelnummer nicht abgenommen (dabei ist bzw. war er ein „geradezu manischer“ Skifahrer und sogar Skilehrer). Zumindest im deutsch-bairischen Dialektraum waren Leute wie Ambros, sein „Lebensmensch“ Georg Danzer, Liedermacher wie Ludwig Hirsch oder die dann tatsächlich globale Größe Falco aber mehr, nämlich eine ganz eigene Sprach- und Jugendkultur – und da haben wir von Phänomenen wie der Spider Murphy Gang oder Hubert von Goisern noch gar nicht gesprochen.

Das zweite Ambros-Zitat geht so: „I bin ned ein Rockstar, damit I a Lebn lang treu bin.“ Ob man das damit in Zusammenhang stellen will, dass außer Christina Stürmer keine einzige Frau in der Doku zu Wort kommt – und Ambros’ aktuelle Partnerin Uta nur kurz als Kümmerin im Bild ist – oder dass Freund und Produzent Christian ­Kolonovits sagt, Ambros habe „immer unglaublich tolle Frauen“ gehabt, aber sie nicht so gut behandelt? Auf jeden Fall ist das von Ambros, um ein Weniges zu sagen, doch etwas arg mager in der Selbstreflexion. Am Ende bleibt halt wie immer weniger der Mensch als das Werk – und das ist vom „Zentralfriedhof“ über den „Watzmann“ bis zum „Zwickts mi“ eben immer noch höchst goschert und leiwand. Ambros Waibel

„Dok 1: Ambros“ auf ORF ON, verfügbar bis 3. 5. 2026

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen