: Raus aus dem Ghetto-Plan
Dänemarks Regierung will bis 2030 ein Land ohne sogenannte Parallelgesellschaften sein. Wo viele „nicht-westliche“ Menschen leben, werden Wohnungen abgerissen oder an Investoren verkauft. Im Kopenhagener Viertel Mjølnerparken kämpfen die Leute für ihr Zuhause
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Aus Kopenhagen Yannic Walter
Majken Felle geht vorsichtig über Pfützen, Schutt und Holzbretter entlang eines von Bauzäunen abgetrennten provisorischen Gehwegs. Sie ist direkt von der Arbeit gekommen und entschuldigt sich, dass sie erkältet ist. Als Lehrerin bekomme man eben alles ab, was die Schüler so mitbringen, erklärt sie mit einem müden Lächeln. Vor einem Haus bleibt sie stehen. Keines der Fenster ist beleuchtet. Felle zeigt in die dritte Etage. „Das war meine Wohnung.“
Sobald es in Kopenhagen Abend wird, werfen nur noch Baustrahler ein kaltes Licht auf das, was von den Gehwegen in Mjølnerparken übrig ist. An der Fassade des Nachbarhauses raschelt eine eingerissene Schutzplane im Wind. Statt auf Nachbarn trifft man im Innenhof auf Gasflaschen, kaputte Paletten stapeln sich, Schrott liegt verteilt. Das Wohngebiet, 20 Minuten entfernt von Kopenhagens Zentrum, ist seit drei Jahren eine Baustelle. Für Majken Felle ist es trotzdem ihr Zuhause.
Für den dänischen Staat hingegen ist es eine Parallelgesellschaft. 2018 stiefelt Lars Løkke Rasmussen, damals Premierminister der konservativ-liberalen Partei Venstre, mit sieben seiner Minister demonstrativ durch Mjølnerparken. „Die Ghettos müssen weg“, sagt er in die Kameras und präsentiert einen radikalen Plan, der die „Löcher in der Landkarte Dänemarks“ schließen soll.
Landesweit sollen in sozialen Brennpunkten bis 2030 neue Wohnungen gebaut werden, während Sozialwohnungen abgerissen oder verkauft werden. Ein Teil der bisherigen Bewohner wird umgesiedelt, andere sollen in die frei werdenden Wohnungen ziehen. Das alles mit dem Ziel, die Nachbarschaften zu durchmischen.
Ausgewählt wird mittels Durchschnittswerten. Auf der Ghetto-Liste der Regierung landen Wohngebiete, in denen mehr als die Hälfte der Bewohner einen „nicht-westlichen“ Migrationshintergrund hat. Migranten aus Pakistan sind ein Problem in der Statistik. Wer aus Kanada kommt, ist keines. Wer als westlich gilt und wer nicht, wird nicht im Gesetz selbst definiert. Die Regierung verwendet eine Kategorie des dänischen Statistikamtes, nach der europäische Länder, Nordamerika sowie Australien und Neuseeland als westlich gelten.
Daneben gibt es Kriterien, die von hoher Arbeitslosigkeit und Kriminalität bis zu einem geringen Durchschnittseinkommen und niedrigen Schulabschlüssen reichen. Wenn zusätzlich zum Anteil der Menschen mit nicht-westlichem Migrationshintergrund zwei dieser Kriterien erfüllt sind, ist die Zukunft des Wohngebietes besiegelt.
Mjølnerparken, 1987 erbaut, besteht aus vier Häuserblöcken, die jeweils einen Innenhof umschließen. Rote Backsteinfassade, Ziegeldächer und weiße Balkone – so hat das Wohngebiet lange Zeit ausgesehen. Rund 1.700 Menschen haben hier vor dem Umbau gewohnt. Über 80 Prozent der Bewohner zählt die Regierung als nicht-westlich.
Im Zuge des Umbaus werden die Dächer mit weiteren Wohnungen aufgestockt, neue Balkone werden montiert. Manche Häuser behalten die ursprüngliche rote Backsteinfassade. An anderen ist die Fassade schwarz oder weiß überstrichen worden. Kleinteilig soll es zukünftig aussehen, nicht wie ein zusammenhängender Block.
Nach der schrittweisen Grundsanierung des gesamten Wohngebietes werden zwei der vier Blöcke auf Grundlage des Ghetto-Plans an einen privaten Investor verkauft. In den bereits verkauften und neu vermieteten Wohnungen wird nun die doppelte Miete verlangt.
Als leichter Nieselregen einsetzt, zieht sich Majken Felle die Kapuze ihres grünen Parkas über die schulterlangen blonden Haare. Sie gehört zu den anderen 20 Prozent von Mjølnerparken. Als eine typische Dänin beschreibt sie sich selbst.
Auch ihre Wohnung liegt in einem der zum Verkauf freigegebenen Blöcke. Zwar ist ihr, wie es der Ghetto-Plan für alle vorsieht, deren Wohnung abgerissen oder verkauft wird, eine Ausweichwohnung angeboten worden. Sie kann sogar in dem nicht verkauften Teil von Mjølnerparken bleiben. Damit will sie sich aber nicht zufriedengeben.
„Wir waren eine echte Gemeinschaft“, sagt Felle. Die Zwangsräumungen hätten diese auseinandergerissen. Gemischte Nachbarschaften, das sei ja im Grunde kein schlechtes Ziel. „Niemals sollten dafür aber Menschen aus ihrem Zuhause vertrieben werden.“
Felle klagt sich deshalb durch alle Instanzen. Ende September ist sie nach Luxemburg zu einer Anhörung vor dem Europäischen Gerichtshof geflogen. 2025, hofft sie, werde das Gericht dem Ghetto-Plan ein Ende setzen. Die Chancen stehen gut. Die Generalanwältin des Europäischen Gerichtshofes hält das Gesetz für diskriminierend. In ihrem aktuellen Schlussantrag von Mitte Februar argumentiert sie, dass auf der Grundlage eines ethnischen Merkmals manche Mieter schlechter als andere behandelt werden. Damit würde Dänemark letztlich auch die Chancen schmälern, sich in die Gesellschaft integrieren zu können. Bindend ist diese Auffassung für das Gericht nicht. Ein Urteil wird bis diesen Sommer erwartet.
Felle geht es mit ihrer Klage nicht nur um ihre Wohnung und auch nicht allein um Mjølnerparken. Für 18 Wohngebiete in Dänemark gibt es mittlerweile Umbaupläne auf Grundlage des Plans, den Ex-Premier Lars Løkke Rasmussen 2018 unter dem Titel „Ein Dänemark ohne Parallelgesellschaften: Keine Ghettos 2030“ vorstellte. Über 4.000 Sozialwohnungen sollen bis 2030 abgerissen, über 600 verkauft werden. Zahlen, wie viele Menschen dabei umgesiedelt werden, erhebe man allerdings nicht, heißt es vom dänischen Wohnungsministerium auf taz-Anfrage.
Unter anderem die Vereinten Nationen kritisieren Dänemarks Politik. Einerseits liege dem Ghetto-Plan mit seinen Listen über nicht-westliche Migranten eine diskriminierende Ungleichbehandlung zugrunde. Andererseits griffen Zwangsumsiedlungen tief in das Leben der Menschen ein.
Dänemarks Regierung hält den Plan hingegen für erfolgreich, weil die Zahl der Wohngebiete kontinuierlich abnimmt, die auf der jährlich aktualisierten Liste landen. Auch Mjølnerparken ist dort mittlerweile nicht mehr zu finden. Nicht etwa, weil die Einkommen der Bewohner gestiegen sind. Schlicht, weil nur Wohngebiete mit mindestens 1.000 Bewohnern erfasst werden und Mjølnerparken durch die Umbaumaßnahmen diese Marke mittlerweile unterschritten hat.
Muhammad Aslan ist einer der ersten Bewohner, der 1987 in das neu gebaute Viertel gezogen ist. Aslan hat einen weißen Bart, trägt eine weiße Takke, die Gebetskopfbedeckung für muslimische Männer, und eine blaue Winterjacke mit „Taxi“-Aufschrift. Er macht eine kurze Pause vor einem der Blöcke, während Bauarbeiter mit einem Kran einen Container umplatzieren.
Majken Felle Bewohnerin von Mjølnerparken
Mit sieben Jahren ist er aus Pakistan nach Dänemark gekommen. „Ein Zuhause entsteht durch Erinnerungen“, sagt er. Auch seine Wohnung, in der er vier Kinder großgezogen hat, ist verkauft worden. Er selbst wohnt mittlerweile in der dritten temporären Wohnung. „Unsere Erinnerungen lagern in Kisten eingepackt in einem Abstellraum“, sagt Aslan, bevor er weiter muss, den nächsten Kunden mit seinem Taxi abholen.
Nicht alle Mieter aus den Wohnungen der zwei verkauften Häuser kommen in den verbliebenen Blöcken des öffentlichen Wohnungsunternehmens im Viertel unter. Anderthalb Kilometer von Mjølnerparken entfernt sitzt Hannah Pawl in ihrer neuen Wohnung. Vierter Stock, doppelte Miete, von dem, was zuvor Majken Felle gezahlt hat. An der Wand hängt ein Bild, das ihr Vater, ein südafrikanischer Künstler, gemalt hat. Im Bücherschrank steht ein Band über Nelson Mandela.
In Mjølnerparken hat sie in einem Haus für Senioren gewohnt. „Als ich nach Mjølnerparken gezogen bin, dachte ich, das ist der Ort, an dem ich alt werden möchte“, sagt Pawl. Lange hätten sie dafür gekämpft, dass die ganze Seniorengruppe zusammen in einem neuen Haus untergebracht wird. Nach und nach seien sie aber über die Stadt verteilt umgesiedelt worden. Ihre früheren Nachbarn wären schlagartig alt geworden. Das Bett würden manche in ihrer neuen Umgebung nun kaum noch verlassen. „Sie haben uns unsere Gemeinschaft genommen und uns in die Einsamkeit gedrängt“, sagt Pawl.
Diese Menschen sind kein Kollateralschaden. Dass sich der dänische Premierminister 2018 Mjølnerparken ausgesucht hat, um seinen Plan zu präsentieren, ist kein Zufall. Das Wohngebiet ist ein Symbol. Das Bild, das viele Dänen von Mjølnerparken haben, ist geprägt von Gangs, die sich in der Gegend Schießereien lieferten. Und von Omar El-Hussein, Mjølnerparkens wohl bekanntestem zwischenzeitlichen Bewohner, der 2015 bei einem islamistischen Anschlag auf ein Kulturzentrum und eine Synagoge in Kopenhagen zwei Menschen tötete.
Gleichzeitig gehört Mjølnerparken zum Stadtteil Nørrebro. Ein ehemaliges Arbeiterviertel, das 2021 vom britischen Time Out-Magazin zur „weltweit coolsten Nachbarschaft“ gewählt worden ist. Neben den vier Blöcken ist aus einem alten Straßenbahndepot eine Bibliothek geworden, in der Studenten vor den Bildschirmen ihrer Laptops sitzen. Davor liegt ein langgezogener öffentlicher Platz, der mit allerlei baulichen Elementen, wie einer sternförmigen Fontäne der Vielfalt, der Nachbarschaft ein Denkmal setzen soll.
Gleich nebenan in einem Café sitzt Iman Badr. „Hier keine Laptops erlaubt“, steht in Englisch auf einem Schild an der Theke. Badr ist in Mjølnerparken aufgewachsen. Die Probleme der Nachbarschaft hätten oft etwas mit Drogen zu tun gehabt. „Das waren damals Jungs in meinem Alter“, sagt die 32-Jährige. „Ich war eher der Typ Schulnerd“, schiebt Badr hinterher, nachdem sie einen Schluck von ihrem Kaffee genommen hat. Sie trägt einen schwarzen Rollkragenpullover und ihre schwarzen Haare offen. Eine Zeit lang habe sie auch ein Kopftuch getragen. Als sie es abgelegt hat, hätte das niemand in Mjølnerparken kritisch beäugt.
Unsicher habe sie sich dort nie gefühlt. Wer nicht Teil einer Gang war, konnte hier größtenteils ein ungestörtes Leben führen, sagt sie. Für viele außerhalb von Mjølnerparken spielt es hingegen keine Rolle, ob man Teil einer Gang ist oder ein Streber. In der Schule seien die Lehrer oft erstaunt gewesen, dass sie, die aus Mjølnerparken kommt und eine arabischen Namen hat, Dänisch spricht und gute Noten schreibt. „Während meines Studiums habe ich mich dann lange Zeit geschämt, zu sagen, wo ich herkomme“, sagt sie. Heute arbeitet Badr als Ärztin.
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Sie sucht einen Text auf ihrem Smartphone. Als sie 14 Jahre alt war, sollte sie in der Schule eine Geschichte schreiben, wie ihr Zuhause in der Zukunft einmal aussehen könnte. Von Robotern und fliegenden Autos hat Badr geschrieben – und von den Blöcken von Mjølnerparken. In ihrer Geschichte stehen sie kurz vor dem Abriss. Dass sie sich 2006 schon nicht mehr vorstellen konnte, dass Mjølnerparken eine Zukunft haben wird, liegt an den Wurzeln des Ghetto-Plans, die bis weit vor den Besuch des dänischen Premierministers zurückreichen.
Kurz nach dem 11. September 2001 bekommt Dänemark eine rechte Regierung. Von fehlgeschlagener Integration ist nun die Rede. Eine Expertenkommission wird einberufen und schließlich werden ab 2010 Wohngebiete in Listen von gefährdeten Orten bis hin zu harten Ghettos eingeteilt.
Der Plan, der 2018 folgt, ist nicht allein ein Projekt Dänemarks rechter Politiker. 2019 gewinnen die Sozialdemokraten die Wahlen. Mette Frederiksen wird Premierministerin. Sie gibt das Ziel „null Asylbewerber“ aus. Nicht nur die Einwanderungspolitik wird noch einmal verschärft. Es bleibt auch bei der harten Hand in den nicht-westlichen Wohngebieten. Lediglich die Bezeichnung Ghetto wird gestrichen. Stattdessen werden die Wohngebiete jetzt offiziell „Parallelgesellschaften“ genannt.
Von dem Café, in dem Iman Badr unweit von Mjølnerparken sitzt, dauert es eine halbe Stunde, um bis nach Tingbjerg zu kommen. Die Siedlung im Norden von Kopenhagen ist ein Lehrstück dafür, dass sich soziale Probleme nicht allein mit dem Betonmischer lösen lassen. Tingbjerg, das ist eine Siedlung aus dreistöckigen Häuserreihen, gebaut aus gelben Backsteinen und umgeben von viel Grün.
Wie viele andere Nachkriegssiedlungen des öffentlich geförderten Wohnungsbaus ist Tingbjerg ursprünglich nicht nur für Menschen mit wenig Geld gebaut worden. Vor allem die Mittelschicht hat hier gelebt. Ob Tingbjerg oder Mjølnerparken, bis heute ist der soziale Wohnungsbau in Dänemark von gemeinnützigen Genossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften geprägt. Diese erhalten öffentliche Subventionen. Ihre Wohnungen dürfen sie nur kostendeckend und nicht gewinnbringend vermieten. Die Wohnungen werden über eine Warteliste vergeben, auf die man sich unabhängig von starren Einkommensgrenzen setzen lassen kann.
Doch in den 1980er Jahren werden in Dänemark Eigenheime erschwinglich, die Normalverdiener wandern zunehmend aus Siedlungen wie Tingbjerg ab. Vor allem Migranten mit wenig Geld ziehen in die frei werdenden Wohnungen. Die Siedlungen wandeln sich. Von Szenen wie aus einem Tarantino-Film schreibt die dänische Presse, als hier 2008 ein 19-jähriger mit einer Maschinenpistole hingerichtet wird. Auch Tingbjerg landet auf der Ghetto-Liste.
Henrik Mønsted Larsen steht im Vorhof eines Flachbaus. Ein Bienenhaus, ein leerer Hühnerstall und ein selbst gebauter Pizzaofen finden sich hier. Mehrere Männer gehen durch den Hof in das Haus. Es ist das Gemeinschaftszentrum von Tingbjerg. Heute findet wieder der Gesprächskreis der Väter des Viertels statt, erklärt Larsen, der für die Wohnungsgesellschaft von Tingbjerg arbeitet. Larsen erzählt, er hatte zuletzt Besuch aus England, der ihn ungläubig angeschaut habe, wie die verschlafene Siedlung als ein Ghetto gelten kann.
In Tingbjerg hat sich viel geändert. Ein wichtiger Baustein dabei sind die Minijobs. Gartenpflege, Café-Schicht oder Hausmeisterarbeiten: Statt für manche Arbeiten externe Dienstleister zu beauftragen, vergibt die Wohnungsgesellschaft Arbeiten über wenige Stunden die Woche an Jugendliche des Viertels. Sie können sich damit ein paar Kronen verdienen. Was sie einerseits davon abhalten soll, sich Gangs anzuschließen. Andererseits ist es eine erste Referenz im Lebenslauf, mit der sie sich auf andere Stellen bewerben können.
Mittlerweile steht Tingbjerg nicht mehr auf der Ghetto-Liste. Grund sei nicht der Ghetto-Plan, sondern die sozialen Anstrengungen aller Akteure, von der örtlichen Schule bis zur Wohnungsgesellschaft. „In den letzten Jahren haben sich die Statistiken deutlich verbessert, ohne dass in eine einzige neu gebaute Wohnungen neue Bewohner eingezogen sind“, sagt Larsen.
Die Wohnungsgesellschaft ist trotzdem verpflichtet, bauliche Veränderungen vorzunehmen. Statt die Hälfte der Wohnungen zu verkaufen oder gar abzureißen, werden in Tingbjerg vor allem neue Wohnungen gebaut. Larsen findet das nicht schlecht. Er vergleicht das Wohngebiet mit einem Computer, der beides, Hard- und Software braucht, um zu funktionieren. Bauliche Veränderungen könnten helfen, Tingbjerg zu öffnen und neu zu beleben. Ein Neubau allein reiche aber nicht aus.
„Es darf nicht nur um die Backsteine gehen. Es muss vor allem um die Menschen gehen, die zwischen ihnen leben“, sagt er. Larsen ist überzeugt, wer wirklich will, dass neue Bewohner einen positiven Einfluss auf bestimmte Wohngebiete haben, der muss auch einen Kontakt zwischen alten und neuen Mietern herstellen.
Zurück in Mjølnerparken lässt sich das Gegenteil beobachten. Gegenüber einem der verkauften Blöcke, in den bereits neue Mieter eingezogen sind, hängt ein Transparent. „Finger weg von unserem Zuhause“, steht darauf. Mit den neuen Bewohnern des Wohngebiets haben die alten keinen Kontakt. Das Gemeinschaftszentrum, das am 1. März 2018 noch kurzfristig den Gymnastikkurs abgesagt hat, damit Lars Løkke Rasmussen hier seinen Ghetto-Plan erklären kann, ist mittlerweile abgerissen.
Majken Felle versucht zu beschreiben, wie das Viertel einmal ausgesehen hat. Ein Lächeln zeigt sich auf ihrem Gesicht. Während des Corona-Lockdowns hätten sie aus den jetzt dunklen Fenstern gesungen. Zum Glück hätte ihre Nachbarin Saxofon gespielt, so habe man ihre schräge Stimme nicht so laut hören müssen, scherzt sie.
Ja, der Ghetto-Plan habe die Gemeinschaft auseinandergerissen. Die Bewohner, die bleiben konnten, seien aber enger zusammengerückt. Sie ist sicher, wenn sie erst einmal vor Gericht gewonnen haben, sie die Spielplätze zurückbekommen und die Gartenstühle wieder in den Hof stellen, wird alles wieder so sein wie zuvor. „Außer für die Leute, die gehen mussten.“
Auf taz.de finden Sie zum Thema ein Interview von Anne Diekhoff mit dem dänischen Soziologen Troels Schultz Larsen
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