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Aktivisten blockieren Rüstungsfabrik

Protest gegen deutsche Waffenlieferungen an die Türkei und den türkischen Feldzug gegen die Kurden

Rheinmetall beschäftigt in Unterlüß 1.800 Menschen und ist damit der größte Arbeitgeber der Region

Aus Solidarität mit den Kurden in Syrien und aus Protest gegen deutsche Rüstungsexporte haben Aktivisten am Dienstagmorgen eine Zufahrt zum Werk des Rüstungskonzerns Rheinmetall in Unterlüß (Kreis Celle) blockiert. Es sei nicht hinnehmbar, dass Rheinmetall durch die Produktion von Waffen dazu beitrage, „dass Menschen weltweit ermordet werden, sagte eine Sprecherin der Aktionsgruppe „Sigmar 2“.

Mit den in Deutschland produzierten Waffen würden nicht nur die kurdischen Verteidiger der demokratischen Selbstverwaltung getötet, sondern auch zahlreiche Gräueltaten gegen Zivilisten verübt. 2019 seien bereits so viele Waffen in die Türkei exportiert worden, wie seit 14 Jahren nicht mehr, hieß es weiter. Deutschland und Rheinmetall trügen „mit jeder Patrone an jedem ermordeten Menschen in Rojava Mitschuld“ – Rojava ist der Name der Kurdenregion in Nordsyrien, die kürzlich von der türkischen Armee angegriffen wurde.

Europa dürfe sich nicht vom türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyib Erdoğan mit der Drohung erpressen lassen, die Schleusen für Flüchtlinge zu öffnen. „Stattdessen brauchen wir einen Grundkonsens, der Menschen willkommen heißt“, schreiben die Aktivisten. Es gelte,sich mit allen Mitteln gegen einen Genozid in Kurdistan einzusetzen.

Zuletzt hatten Anfang September mehrere Hundert Kriegsgegner in Unterlüß gegen Waffenexporte und Rheinmetall protestiert. Der in Düsseldorf ansässige Konzern beschäftigt an dem Standort in der Lüneburger Heide mehr als 1.800 Menschen und ist damit der größte Arbeitgeber in der Region. Die Schießanlage in Unterlüß ist nach Angaben von Friedensgruppen das größte private Testgelände in Deutschland. (epd/taz)

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