das portrait

Carla Strübing ist eine ehrgeizige Lebensretterin

Bei der Lifesaving-EM dabei: Carla Strübing Foto: Steph Dittschar

Carla Strübing trägt ihr Kajak selbst zum Isekanal. Von der Holzhütte, in der die Boote lagern, über den gepflegten Rasen bis zum Ufer. Über ihren Neoprenanzug hat die Hamburgerin an diesem Montagabend eine rote Jacke gezogen. Es ist nicht besonders warm und es regnet in Strömen. Strübing kommentiert das nur mit einem Schulterzucken – ins Wasser muss sie trotzdem. Denn die 22-jährige Rettungsschwimmerin trainiert für die Europameisterschaften (EM) im Lifesaving, die morgen im italienischen Riccione beginnen.

Die Disziplinen sind vielfältig: Die Sportler*innen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) retten lebensgroße Puppen, sie tauchen und surfen. Strübing tritt im „Ocean Woman“ an. Dabei muss sie schwimmen, auf einem Surfboard liegend mit den Armen paddeln, Kajak fahren und über den Strand sprinten.

Einmal in der Woche trainiert sie dafür mit dem Ruderverein am Hamburger Isekai, zweimal in einem Schwimmverein. Die anderen Trainingseinheiten – Kajak, Paddelboard, Laufen und Krafttraining – organisiert sie alleine, denn sie ist in Hamburg die einzige Rettungsschwimmerin im Bundeskader. Das ist nicht immer einfach: „Ich könnte noch mehr geben, aber alleine fehlt manchmal die Motivation“, sagt Strübing. So sei sie aber auch flexibler. Die 22-Jährige studiert Sonderpädagogik, ihren Bachelor will sie im nächsten Jahr in Regelstudienzeit abschließen. Danach plant sie ein Jahr Pause, damit der Sport an erster Stelle stehen kann.

Dabei gehörte sie lange nicht zu den Besten, als sie in ihrer Heimat Wedel mit dem Schwimmen anfing. Für die Disziplinen in der Halle sei sie zu zierlich gewesen, sagt Strübing. Dort käme es vor allem auf schnelle Sprints an. „Spaß macht es mir erst, seit ich im Meer schwimme.“ Beim Paddeln und Surfen komme es nicht nur auf Kraft, sondern auch auf Technik und die Wellen an.

Offiziell schwimmt sie gerade für die DLRG Anklam, obwohl sie kaum Zeit hat, an die Ostsee zu fahren. Trainingspartner*innen hat sie stattdessen in Frankreich gefunden: Den Sommer hat sie an der Atlantikküste trainiert.

Im deutschen Kader ist Strübing seit mehr als vier Jahren. Als Aktivensprecherin setzt sie sich für die Jüngeren im Team ein. Ihr EM-Ziel ist klar: „Eine Medaille wäre ziemlich cool.“

Jana Hemmersmeier